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Die Dingeldein Stiftung will mit ihrem gewerblichen Mieter über die aktuelle Situation reden. (Archivfoto)

Gewerbe

Vermieter melden sich in der Corona-Krise zu Wort

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Gastronomen und Einzelhändler sind von der Corona-Krise besonders gebeutelt. In Kronberg reagieren nun einige Vermieter gewerblich genutzter Immobilien darauf.

Kronberg - Für die Stadt ist die Angelegenheit recht klar: Als Vermieter gewerblich genutzter Immobilien will sie ihre Mieter und Pächter in der Corona-Krise nicht hängen lassen. "Unsere sieben Gastronomen haben von einem auf den anderen Tag einen Verdienstausfall von bis zu hundert Prozent, da werden wir sie nicht im Regen stehen lassen", sagt Erster Stadtrat Robert Siedler (parteilos).

Er kündigt an, die April-Mieten auszusetzen: "Ob wir sie stunden, teilweise stunden oder erlassen, das müssen wir im Magistrat entscheiden." Die Mieteinnahmen, die der Stadt an dieser Stelle entgehen, summieren sich laut Siedler auf etwas mehr als 10 000 Euro. "Das muss es uns wert sein", sagt Siedler. Denn: "Wir wollen, dass niemand insolvent geht. Wir müssen uns als Stadt darüber Gedanken machen, wie wir den Bestand erhalten können." Es reiche, wenn die gewerblichen Mieter einen informellen Antrag stellten. Allerdings erwartet der Erste Stadtrat von den Unternehmern auch, dass sie sich auch um entsprechende Fördermittel etwa vom Land bemühten. "Sie sollten das ihnen Mögliche tun." Ähnlich hält es die Dingeldein Stiftung. Vorstandsmitglied Albert Sanftenberg: "Unser gewerblicher Mieter, Herr Sackis, Inhaber der Kronberger Bücherstube, hat schon angekündigt, wegen der Schließung des Ladengeschäfts mit uns sprechen zu wollen."

Seine Miete setze sich aus einem fixen und einem umsatzabhängigen, variablen Teil zusammen, so dass ein eventueller Umsatzrückgang bereits mietvertraglich Berücksichtigung finde.

"Wir werden ihm so weit wie möglich und wie nötig großzügig entgegen kommen. In einem ersten Schritt könnten wir auf die Vorauszahlung für den variablen Teil der Miete verzichten. Die Jahresabrechnung für 2020 wird dann zeigen, ob sein Umsatz insgesamt tatsächlich zurückgegangen ist", erklärt Sanftenberg das weitere Vorgehen.

Stundung oder Verzicht

Erst wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen sollten, würde der Vorstand entscheiden, welche Entlastung die Stiftung darüber hinaus geben könnte. Der Steuerberater: "Auch hier wären wir großzügig, da die Bücherstube sowohl für die Stiftung selbst, als auch für den Einkaufsstandort Kronberg ein wichtiger Mieter ist, und wir als Stiftung uns in besonderem Maße dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen."

Zu unterscheiden sei zwischen Mietverzicht und Mietstundung. Darüber werde noch zu entscheiden sein. Ganz allgemein könne eine Stundung eher großzügiger geregelt sein als ein Verzicht. Aber das sei in hohem Maße abhängig vom Einzelfall. Fest steht laut Sanftenberg allerdings, dass die Umlagen auf alle Fälle weitergezahlt werden müssen, da die Stiftung dafür lediglich in Vorlage trete. "Da wir eine gemeinnützige Stiftung sind, ist unser Verhalten aber nicht ohne weiteres auf andere Vermieter zu übertragen; wir müssen nicht davon leben", erläutert Sanftenberg.

Dirk Sackis ist in den ersten Tagen nach der Schließung erst einmal mit anderen Fragen beschäftigt gewesen, wie er gegenüber unserer Zeitung erzählt. So galt es, Versand und Abholservice zu organisieren. Jetzt wolle er sich an seinen Vermieter, die Dingeldein Stiftung wenden, und besprechen, wie mit der April-Miete umgegangen werden kann.

Bei der Recherche ist unsere Zeitung auf einen privaten Vermieter gestoßen, der auf Pachteinnahmen verzichtet. Wolfgang Haas hat an seinen Pächter geschrieben, dass er die monatliche Miete von 600 Euro für die Gaststätte "Zum Weinberg" senke: "Ich bin bereit und in der Lage, diese für die Monate April, Mai und Juni um 50 Prozent auf monatlich 300 Euro zu reduzieren." Haas ist wichtig: "Reduzierung heißt nicht Stundung, sondern Verzicht." Er hofft, dass dies helfen kann, dass der Pächter diese harte Zeit überstehen kann. Eventuell könnten zusätzlich die Umlagen temporär reduziert werden, da zumindest der Wasserverbrauch als Kostentreiber im Moment ausfalle.

"Wir sitzen alle in einem Boot", sagt Hass. Letztlich sei auch er davon abhängig, dass sein Pächter existieren kann. "Ich bin froh, einen Gastronom zu haben, der im neunten Jahr im ,Weinberg' tätig ist. "Das ist bei der Fluktuation in der Kronberger Gastronomie keine Selbstverständlichkeit."

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