Theater in Oberhöchstadt

Kronberger Fichtegickel "spielen" in der "Alten Oper in Frankfurt"

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Startenor Mario Paletti kann gut singen, keine Frage. Nur nicht an dem Abend, an dem er in der Frankfurter Alten Oper auftreten soll. Für 100 Euro Eintrittsgeld kann man dem Publikum jedoch keinen dahergelaufenen Amateursänger im Kostüm unterjubeln. Oder?

Eduard von Küken und Willi Eiermann – schon die Namen lassen eine gewisse Verbundenheit im Geiste vermuten. Was sich der Direktor der Alten Oper und sein Assistent, gespielt von Norbert Jäger und Andreas Risse, da allerdings haben einfallen lassen, ist, um im Bild zu bleiben, hahnebüchen (sic). „Singt er oder singt er nicht?“, lautet die Frage im neuen Fichtegickel-Stück, das am Freitagabend Premiere im ausverkauften Haus Altkönig feierte. Startenor Mario Paletti (Ulrich Heinecke) ist unpässlich. Um die Vorstellung zu retten, könnte doch Amateursänger Robert (Steffen Schmidt) als Othello einspringen – kostümiert und mit schwarzer Farbe im Gesicht merkt sicherlich keiner den Unterschied, mutmaßen von Küken und Eiermann.

Tatsächlich, das Opernpublikum in Frankfurt fällt auf den Coup herein, nicht aber die Zuschauer in Oberhöchstadt, die doppelt sehen. Zum einen eröffnet das Bühnenbild (Gerhard Patterer) den Blick in zwei getrennte Hotelzimmer, in denen die Handlung mal wechselweise, mal parallel läuft. Zum anderen sehen sie sich bald mit zwei Othellos konfrontiert, die verzweifelt und vergeblich versuchen, trotz Strumpfhosen und Puffärmeln einen Rest ihrer Würde zu bewahren.

Und die Frauen? Nachgehört bei Rigoletto, die Arie läuft zu Beginn des Fichtegickel-Stücks: „La donna è mobile qual piuma al vento“ – „

O wie so trügerisch

sind Weiberherzen“. Melanie (Melanie Rogwalder), Tochter des Operndirektors und Freundin von Amateursänger Robert, ist nicht nur dem Organ des Startenors verfallen. Dessen Frau Tina (Carolin Pfitzner) hat schon bald genug von seinen vermeintlichen „Auswärtsauftritten“. Frau Rauscher („net die aus der Klappergass’“) alias Birgit Kühn sorgt als Babbelschnute und Vorsitzende der Operngilde Frankfurt für ordentlich Lokalkolorit, und als ob das noch nicht genug wäre, zeigt sich Sängerin Sabrina (Anneliese Hecking) auch noch wild entschlossen, ihren Resonanzkörper zum Einsatz zu bringen. Claus-Dieter (Jörg Kouth) darf in dieser Aufzählung nicht fehlen: Er ist „Mädchen für alles“ und „Mann für alle Fälle“ in Personalunion.

Dass das Stück sein Publikum finden würde, war fast schon abzusehen, hatte die Theatergruppe des KV 02 es doch 2004 schon einmal auf die Bühne gebracht. Unter der Regie von Viktoria Fuchs und Jörg Kuschel gelang dem Team, das von Barbara Falland (Souffleuse) und Marcel Falland (Technik) komplettiert wird, eine zeitgemäße und turbulente Neuauflage. Verschiedene Auftritts- und Abgangsmöglichkeiten, der Schrank, in dem man sich verstecken kann, Slapstick-Einlagen – bei der Premiere wegen der verzwickten Türkonstruktion sogar zwei unbeabsichtigte – es ist alles da, was eine klassische Bühnenkomödie auszeichnet.

Den Unterschied macht aus, wie man das zu nutzen weiß. Und hier haben es die Fichtegickel seit ihrer Gründung 1971 zu großer Professionalität gebracht. Sie wissen jeden Winkel der Bühne zu bespielen, wohldosiert aus der Rolle zu fallen, und das mit kleinen Details zu erfreuen. So braucht es nur die richtige Idee, um ein vorbeifahrendes Polizeiauto mit geringsten Mitteln adäquat darzustellen. Der indisponierte Startenor wird nicht einfach ins Bett gelegt, sondern vorbildlich in die stabile Seitenlage gebracht – spätestens seit dem Erste-Hilfe-Kurs weiß man, dass das Leben retten kann.

Feiner Humor

wie dieser bedarf mitunter gar keiner Worte.

Weitere Vorstellungen von „Singt er oder singt er nicht?“ gibt’s an den nächsten beiden Samstagen jeweils um 20 Uhr. Am kommenden Sonntag gibt’s um 17 Uhr eine Nachmittagsvorstellungt. Der Eintritt kostet 15 Euro. Vorbestellungen sind bei „DeliCasa“, Limburger Straße 1, Telefonnummer (06173) 6011004, möglich.

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