Das familiäre Kino in der Friedrich-Ebert-Straße hat seine feste Fangemeinde. Foto: Jochen Reichwein
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Das familiäre Kino in der Friedrich-Ebert-Straße hat seine feste Fangemeinde.

Kino

Kronberger Lichtspiele: Mal Bond, mal Programmkino - der Mix macht's

"Lichtspiele" haben im Schatten von Multiplex und Netflix ihre Nische gefunden

Kronberg - Die Zahl der Sitzreihen in den Kronberger Lichtspielen ist im Vergleich zu den Multiplex-Riesen sicher etwas überschaubarer, die Leinwand ein paar Zoll kleiner, es gibt auch nur einen Saal, in dem die Zuschauer Platz nehmen können - aber irgendwie macht genau das den Charme des Kinobesuchs im Herzen der Burgstadt aus.

Man kann sich in die roten, samtweichen Klappsessel setzen, ohne zuvor über einen Teppich an knackenden Popcorn- und Nacho-Resten zu steigen, der einem mitunter in den großen Kinos zu Füßen gelegt wird. Hier im Hinterhof der Friedrich- Ebert-Straße 1 wirkt alles sauber, aufgeräumt, irgendwie wie in einem sehr großen Wohnzimmer. Alles ist angenehm familiär.

Man kennt sich im Kino Kronberg. "Bei uns geht keiner verloren", weiß Vanessa Müller-Raidt, Betreiberin der Kronberger Lichtspiele. Das Kino ist beliebt - bei Jung und Alt. Den Grund kennt Müller-Raidt: "Wir bieten eine gute Mischung aus aktuellen Filmbeiträgen, aber auch Nischen-Produktionen. Da ist für jeden etwas dabei."

Müller-Raidt schaut auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurück. Auch der Ausblick auf 2020 fällt durchaus positiv aus. Streaming-Dienste, die dem Kinobesuch abträglich sein könnten, weil man den Lieblingsstreifen zuhause auf der Mattscheibe sehen kann, setzen den Kronberger Lichtspielen nicht zu. Ein tagesfüllendes Komplettangebot aus Bummeln, Shoppen und anschließendem Multiplex-Kinobesuch könne man zwar nicht bieten. Mit dieser Konkurrenz komme man jedoch klar, so Müller-Raidt.

Denn Kino tickt in Kronberg anders. Der mit 181 Plätzen ausgestattete Kinosaal lockt mit klassischem Kino-Ambiente und Individualität. Auf der Leinwand war in 2019 besonders "Das perfekte Geheimnis der Renner", erinnert sich die Kinobetreiberin. Sieben Wochen lief der Film. "Alle 60 Vorstellungen waren sehr gut besucht." Doch die Mischung macht's in Kronberg. "Die Live- Übertragungen aus dem Londoner Royal Opera House sind nicht nur bei Opernfans beliebt."

Das kulturelle Programm der Kronberger Lichtspiele kann sich sehen lassen. Die Kooperation mit dem Kronberger Kulturkreis im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kabarett im Kino" läuft auch in der dritten Saison bestens. Künstler und Kabarettisten zeigen ihr Können gerne auf der Kronberger Kinobühne.

Vereine, Organisationen und Firmen buchen das Kino für Veranstaltungen. Der französische Partnerschaftsverein Falkenstein habe zuletzt um die Präsentation des "Glöckners von Notre Dame" gebeten. "Man wollte noch mal auf den Brand aufmerksam machen und Spenden sammeln."

Auch Familien schätzen das überschaubare Kino. Im Vergleich zu 2018 habe man die Zuschauerzahl 2019 noch einmal von 27 000 um 3 000 auf 30 000 Besucher steigern können.

Die Investitionen der letzten Jahre haben sich gelohnt. Nach dem Komplettumbau in 2013 habe man 2018 die Toilettenanlage saniert und auch 2019 noch einmal kräftig Geld in die Hand genommen. Für 50 000 Euro installierte man eine Klimaanlage, "sodass unsere Besucher auch im Sommer gekühlt sitzen". Zudem kaufte man eine neue Popcornmaschine und renovierte den Sitzbereich im Foyer.

In diesem Jahr werden daher nur normale Instandhaltungskosten anfallen, so der Plan.

Das Kino sei in einem Topzustand, weiß die Betreiberin. "Das spüren auch die Gäste. Sie kommen gerne und loben uns."

Das Kinoprogramm für 2020 klingt vielversprechend. Ein Highlight steht bereits am Donnerstag, 6. Februar an. Zum Bundesstart des neuen Heiner-Lauterbach-Streifens "Enkel für Anfänger" erwartet Vanessa Müller-Raidt viele Besucher. Am Donnerstag, 2. April zur Premiere von "Keine Zeit zu sterben", dem neuen James-Bond-Film, sollen dann wiederum alle Kinosessel belegt sein.

Einige Regisseure werden zudem ihre Filme in Kronberg persönlich vorstellen. Zur Sonntagsmatinee am 2. Februar sind zu "Drei Söhne - Jetzt kommt es auf die zweite Generation an" Regisseurin Birgit-Karin Weber und Produzentin Stefanie Greb zugegen.

Die Matinee am Sonntag, 16. Februar, um 11 und 14 Uhr zeigt den Film "Spitzbergen - Auf Expedition in der Arktis". Die Filmemacher Silke Schranz und Christian Wüstenberg sind anwesend.

Den deutschen Opernsänger Jonas Kaufmann ehrt das Kino zwischen Mitte Februar und Mitte März. Aufzeichnungen der Oper Carmen (17. Februar), Tosca (27. Februar) und La Clemenza (5. März) runden mit der Life-Übertragung aus dem Royal Opera House der Neuinszenierung "Fidelio" den Klassikgenuss ab. Für weitere Termine lohnt sich online ein Blick auf die Kino-Homepage unter www.kronberger-lichtspiele.de. efx

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