Jubilar Wilhelm Kreß in seinem Garten in Oberhöchstadt.
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Jubilar Wilhelm Kreß in seinem Garten in Oberhöchstadt.

Altbürgermeister Wilhelm Kreß

Kronbergs Altbürgermeister Kreß wird heute 70

  • VonBoris Schöppner
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Jede Wahlzeit eine andere Mehrheit. Altbürgermeister Wilhelm Kreß ist ein profunder Kenner der Kronberger Verhältnisse. Anlässlich seines 70. Geburtstages sprach die TZ mit ihm über seine Erfahrungen.

Es gibt Sätze, von denen man nicht weiß, ob sie nur die Vergangenheit Kronbergs beschreiben, oder ob sie auch als Verheißungen zu verstehen sind. Das trifft auf folgenden Satz von Wilhelm Kreß zu: „Jede Wahlzeit bringt einen Wechsel in der Stadtverordnetenversammlung.“

Der Altbürgermeister weiß, wovon er spricht: Er war 1990 mit 19 zu 18 Stimmen zum Bürgermeister gewählt worden. Der Sozialdemokrat aus Westfalen löste damit CDU-Mann Rudolf Möller nach mehr als 19 Jahren als Stadtoberhaupt ab.

Nachdem es 1989 in der Stadtverordnetenversammlung nicht mehr für CDU- beziehungsweise eine CDU-FDP-Mehrheit gereicht und Kreß mit Heinfried Schneider (UBG) sowie den Grünen ein neues Bündnis geschmiedet hatte, ließ er sich nach einem Jahr zum Bürgermeisterkandidaten aufstellen. Von 1990 bis 2008 war Kreß Rathauschef. So lange hätte er sich nicht halten können, wenn in Hessen nicht 1992 die Bürgermeister-Direktwahl eingeführt worden wäre.

1970 war Kreß in die SPD eingetreten, wegen der Unbeweglichkeit der Bundes-CDU. „Willy Brandts Aussöhnungspolitik mit Osteuropa und seine Visionen haben sich als richtig erwiesen“, sagt Kreß. Auch innenpolitisch habe die SPD Veränderungen vorangetrieben – nicht zuletzt unter dem Eindruck der Studentenproteste, die Ende der 60er Jahre an den Grundfesten der bundesdeutsche Gesellschaft rüttelten. „Ich gehörte nicht zu den Rebellen“, bekennt Kreß, der heute 70 Jahre alt wird. „Trotz einiger Höhen und Tiefen ist die SPD für mich immer noch die richtige Partei.“

Seinen runden Geburtstag feiert Kreß am Samstag, 30. Mai, von 11 bis 13 Uhr im Haus Altkönig. „Der Nachmittag gehört dann der Familie“, sagt der Oberhöchstädter. Sohn (41), Tochter (39) und die beiden Enkelkinder werden zu Besuch kommen.

Als Rechtsanwalts- und Notargehilfe habe er gute Jobs in der freien Wirtschaft gehabt, acht Jahre lang war er in der Mineralölbranche tätig unter anderem als Tankstellenakquisiteur. Es folgten Stellen in der Wohnungswirtschaft und Geschäftsführertätigkeiten im Immobilienmanagement in der Lebensmittelbranche.

Da ist es wenig überraschend, dass Kreß die Wirtschaftsförderung auch als Bürgermeister ganz besonders am Herzen lag. Stolz ist er noch immer darauf, Accenture nach Kronberg geholt zu haben.

„Man braucht Freunde außerhalb der Stadt“, lautet ein weiterer dieser Sätze, die über den Moment hinaus Gültigkeit haben. Ob im Planungsverband, in den Nachbarkommunen, in der Wirtschaft oder in der Landeshauptstadt – manchmal ist schon der Informationsvorsprung, der sich aus den Beziehungen ergibt, Gold wert.

Und natürlich ist die Zusammenarbeit mit dem Ersten Stadtrat von Vorteil. Die Zusammenarbeit mit dem parteilosen Karsten Stahlberg lobt Kreß als kollegial und kooperativ.

Ausbildung ein Muss

„Für mich war es ein Muss, dass wir junge Leute ausbilden“, sagt Kreß über die Stadtverwaltung als Ausbildungsstätte. Wenn man Kreß zu den wichtigsten Entscheidungen während seiner Amtszeit fragt, nennt er neben Wohnungsbau, der Schaffung des S-Bahn-Haltepunktes „Kronberg Süd“ und der Einführung von Tempo-30-Zonen den Kauf der Burg. Wieder mit denkbar knapper Mehrheit (19 zu 18) stimmte die Stadtverordnetenversammlung für die Ausübung des Vorkaufsrechts, denn eigentlich hatte die Hessische Hausstiftung die Burg schon an einen privaten Käufer veräußert. Mit der Mehrheitsentscheidung war klar: „Die Kronberger hatten ihre Burg wieder.“ Der Burgverein, der zu diesem Zeitpunkt schon existierte, aber keine Burg hatte, konnten nun die Arbeit aufnehmen.

Ohnehin die Vereine: „Vereine sind die wesentlichen Kulturträger dieser Stadt.“ In 20 ist Kreß Mitglied, unter anderem in allen vier Partnerschaftsvereinen, die sogar Aufgaben übernommen haben, für die eigentlich die Kommune zuständig ist. Kreß selbst engagiert sich im Vorstand des Fördervereins der ökumenischen Diakoniestation.

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