+
Wohl der bekannteste Homburger in der langen Geschichte der Stadt. Der spätere Landgraf Friedrich II. mit dem silbenen Bein erlangte als "Prinz von Homburg" nicht nur literarisch Weltruhm. Die Homburger verdanken ihm ihr Schloss - am Portal zum oberen Schlosshof wurde der Landesherr in Stein verewigt. Foto: Gräning

Radtour

Spritzige Rundtour zu Homburgs Herrschern - Auf 25 Kilometern geht's zu interessanten Denkmälern

Im Taunus und den umliegenden Regionen gibt es herrliche Strecken für alle, die die Fortbewegung per Pedale schätzen. Mitglieder des ADFC Hochtaunus stellen im Zwei-Wochen-Rhythmus ihre schönsten Routen in einer TZ-Serie vor - und werfen dabei auch einen Blick auf die spannenden Dinge, die es am Wegesrand zu entdecken gibt.

Diese Tour ist eine Rundfahrt durch Teile der Stadt und des Stadtwalds von Bad Homburg. Sie führt gezielt zu Orten, die mit dem Geschlecht der Landgrafen von Hessen-Homburg (1622 - 1866) verbunden sind.

Start ist am Kurhaus. Über Thomas- und Dorotheenstraße geht es zum Gartenportal des Bad Homburger Schlosses mit Blick auf die riesige Zeder. Durch die Löwengasse und an der Orangerie vorbei fahren wir durch das äußere und dann durch das innere Schlosstor bis in den Innenhof an den Weißen Turm. Über dem inneren Tor sprengt ein barocker Reiter aus der Mauer. Das ist er, der berühmte Landgraf Friedrich II mit dem silbernen Bein. Das Schloss ist sein Werk - vielmehr das seines genialen Baumeisters Paul Andrich, der ihm schon sein silbernes Bein gebastelt hatte. Das geschah in Neustadt an der Dosse etwa im Jahre 1662. Hier war Andrich Baumeister im Dienste des damaligen Prinzen Friedrich von Homburg. Das Bein hatte er im Dienste der Schweden verloren und sich danach in Brandenburg niedergelassen. Man lese in den berühmten "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" von Theodor Fontane im ersten Band das Kapitel über "Prinz Friedrich von Homburg" und seine Leistungen für die Stadt Neustadt. Heute noch ist der Prinz dort allgegenwärtig, so dass die Hauptstraße "Prinz-von-Homburg-Straße" heißt. Auch eine große Schule ist nach ihm benannt, ganz in der Nähe des berühmten preußischen Gestüts.

Weiter geht es über die Ritter-von-Marx-Brücke über die Altstadt zum Untertor und an der Kreuzung nach links bis zum Anfang der Tannenwaldallee rechts. Hier befindet sich eine Informationstafel zur Landgräflichen Gartenlandschaft, die wir nun durchqueren. Unsere kleine Reise geht weiter leicht aufwärts bis zur Einfahrt in den Gustavsgarten links.

Der kleine Garten mit der Villa Wertheimber darin ist sehenswert, genauso wie der Kleine Tannenwald, den man erreicht, wenn man den Gustavsgarten durchquert hat. Man fährt jetzt weiter um den Teich mit der kleinen Insel herum und kommt im Wäldchen dahinter zum landgräflichen Eiskeller. Auf Knopfdruck läuft eine kurzer Film mit der Geschichte des Eiskellers. Es geht zurück zum Bad Homburger Radrundweg (Wegweiser beachten!) und auf der Tannenwaldallee leicht aufwärts. Man überquert auf einer Brücke die Bundesstraße und kommt auf einer schönen Kastanienallee zum Gotischen Haus.

Am Pferdegrab

Kurzer Besuch am landgräflichen Pferdegrab ganz in der Nähe: "Hier liegt das schönste Pferd begraben, das alle Tugenden vereint. Könnt man mit Tieren Freundschaft haben, so läge hier mein Freund." Weiter aufwärts bis zum Abzweig Richtung Forellengut, hier nach rechts und an der landgräflichen Baumschule vorbei zum Teehaus. Auf dem Waldweg am Zaun kommt man aufwärts zum Hirschgarten. Es gibt einen Minigolfplatz und einen Kiosk, an dem man sich für die weitere Strecke stärken kann, zumindest während der Öffnungszeiten.

Ab jetzt muss man tapfer sein, denn es geht weiter auf der Tannenwaldallee an der Bus-Endstation vorbei steil aufwärts zum beeindruckenden Elisabethenstein. Kurz dahinter liegt die Leopoldsbrücke. Auch dort steht eine Info-Tafel. Prinz Leopold gehörte zu dem halben Dutzend Homburger Prinzen, die am Befreiungskrieg gegen Napoleon beteiligt waren (Napoleon verzweifelt: "Je vois partout un Hombourg!"). Er ist an der Oder gefallen und wurde dort zunächst begraben, bis man bemerkte, um wen es sich handelte. Sein Leichnam wurde dann in die Homburger Schlosskirche überführt.

Der höchste Punkt der Tour ist erreicht. Zunächst zurück auf der abschüssigen Tannenwaldallee bis zum Abzweig zur Saalburg links. Dort nach links bin zum Bach und dann auf einem schönen, sich schlängelnden Waldweg rechts abwärts am Gestüt Erlenhof vorbei nach Dornholzhausen. Wir folgen dem Bad Homburger Radrundweg durch den Golfplatz. Dahinter fahren wir vorsichtig über eine kurze steile Abfahrt und über eine Brücke am Bach unter der Karlsbrücke hindurch. Auf der anderen Seite weiter auf dem Rundweg bis zum Sportheim. Hier verlassen wir den Rundweg und fahren auf dem Usinger Weg bis zum alten Ortskern Kirdorfs. Am Kirdorfer Kreuz steht an der Bachstraße das einzige Haus, das den Brand von 1622 überstanden hat - im ersten Jahr der Landgrafschaft, zu der aber Kirdorf damals noch nicht gehörte. Weiter abwärts durch die Landgrafenstraße zum Kurpark. Links davon führt der Radweg weiter. Hinter der goldenen Thai-Sala geht es rechts hinunter, bis im Kurpark der Obelisk des Landgrafendenkmals auftaucht. Es stammt vom Beginn des 20. Jahrhunderts und rühmt die militärischen Erfolge der Homburger Prinzen, vor allem gegen die Franzosen. Im Mittelpunkt steht der spätere Landgraf Friedrich II und sein berühmter Beitrag zum Sieg des Kurfürsten von Brandenburg gegen die Schweden bei Fehrbellin im Jahre 1675. Heinrich von Kleist hat ihm ein literarisches Denkmal gesetzt.

Die Wahrheit ist vermutlich viel profaner: Prinz Friedrich hatte sein Wohnhaus und seine Pferde im geliebten Neustadt/Dosse. Als er hörte, dass ein schwedisches Heer marodierend auf Neustadt zumarschierte, warf er sich, silbernes Bein hin oder her, aufs Pferd und ritt samt Kurfürst und brandenburgischem Heer dem Feind entgegen. Bei Fehrbellin kam es zur Schlacht. Friedrich wartete nicht auf die Infanterie, sondern schlug sofort nur mit Kavallerie und Artillerie zu - mit überwältigendem Erfolg. Folge: europaweiter Ruhm. Dass er als Landgraf später dann auch noch Friedrichsdorf gründete, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Es sind vom Kurpark bis zum Kurhaus zurück nur wenige hundert Meter.

Günther Gräninggehört dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub seit 1999 an, seit 2008 ist er Vorsitzender des ADFC Hochtaunus. Der Rentner, der früher in der IT tätig war, ist schon seit Jahrzehnten begeisterter Radler. "Mit dem Rad kann man alles machen: Brötchen holen, Sport treiben, verreisen, Städte besichtigen, die Umwelt schützen . . .", schwärmt Gräning von der Fortbewegung auf zwei Rädern. red

Streckenlänge:ca 25 km

Schwierigkeitsgrad:leicht bis mittel, eine kurze heftige Steigung zum Elisabethenstein.

Dauer:Dauer (mit Pausen) ca 2 Stunden (3 Stunden, wenn man alle Info-Tafeln studiert).

Wegweiser:Rundweg Bad Homburg (teilweise)

Einkehrmöglichkeiten:Kiosk am Minigolfplatz; Hirschgarten; Innenstadt Bad Homburg; Gotisches Haus; Ortskern Kirdorf

Wer die Tour in Gesellschaft fahren will, kann sich dem ADFC am 30. Juni, 13. Juli und 17. August anschließen.

Weitere Infosgibt es auf der Homepage des ADFC Hochtaunus unter der Adresse www.adfc-hochtaunus.de

VON GÜNTHER GRÄNING

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare