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Lanze für die Politik gebrochen

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Zwei Stunden lang ist Miriam Dahlke, Landtagsabgeordnete der Grünen, zu Gast in der CWS. Sie gibt Einblicke in ihren Arbeitstag, bezieht aber auch Stellung zur Europapolitik. © Red

Usingen (as). Dass PoWi - Politik und Wirtschaft - wenn es aufs Abitur zugeht, abgewählt werden kann, ist Miriam Dahlke ein Dorn im Auge. Die Landtagsabgeordnete der Grünen war am Freitag im Zuge der Europawoche in der Christian-Wirth-Schule (CWS) zu Gast und brach eine Lanze für die politische Bildung - aber auch dafür, das Interesse und Verständnis junger Menschen für Wirtschaft zu fördern.

In einem ökonomisch immer mehr zusammenwachsenden Europa sei das unerlässlich.

Dahlke, die europapolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist, sagte, Europa werde immer wichtiger, gerade im Zeichen des Krieges in der Ukraine, der die Solidarität alle Europäer fordere. Dass Europawahlen bei der Wahlbeteiligung von den Wählern eher stiefmütterlich behandelt werden, sei ein Fehler. Die meisten der auch in Deutschland geltenden Gesetze, kämen aus Straßburg und Brüssel. Auch lasse sich der Klimawandel, dem ihr Hauptaugenmerk gelte, kaum im nationalen Alleingang aufhalten: Es brauche den europäischen Schulterschluss.

Schnellere Verbindungen

Dahlke betonte im europäischen Teil ihres Vortrags auch, dass es richtig sei, Länder wie Ungarn, wo es korrupte Strukturen gebe, von der Förderung mit EU-Geld abzuschneiden. Ein Glück sei auch, dass in Frankreich Emmanuel Macron die Wahl gewonnen habe und nicht die rechtsnationale Marine Le Pen. Dass sie in der Stichwahl von 48 Prozent der Wähler gewählt wurde, müsse aber ein Alarmzeichen sein.

Das Interesse der beiden zehnten Klassen und eines PoWi-Leistungskurses konzentrierte sich jedoch weniger auf Europa, sondern mehr auf Themen wie die IT-Ausstattung der Schule und den Öffentlichen Personennahverkehr. Hier war Dahlke ganz in ihrem Element. Vor allem die ländlicheren Räume, wozu sie auch das Usinger Land zählte, bräuchten bessere, schnellere und häufigere Busverbindungen. Klimagerechte Mobilität sei unter anderem das, wofür sie in die Politik gegangen sei.

Medienkompetenz in der Schule sei ein weiteres Feld ihrer Arbeit, hier sehe sie Nachholbedarf, sagte aber auch, dass nicht alle Schulen gleichzeitig versorgt werden könnten. Wie das Arbeiten ohne WLAN ist, wisse sie aus eigener Erfahrung: »Seit heute habe ich auch keins mehr in meinem Büro«, sagte sie.

Bürokratie darf kein Hemmnis werden

Dahlke machte keinen Hehl daraus, dass ihre Arbeitstage häufig erst nach zehn oder mehr Stunden enden, sagte aber auch, dass es ihr dennoch Spaß mache, weil sie mit ihrer Arbeit etwas bewegen könne. »Was?«, wollte eine Schülerin wissen. Sie sei Teil der Fraktion und keine Einzelkämpferin. Dennoch mache es sie stolz, dass ein wichtiger Teil der jüngsten Steuerreform aus ihrer Feder stamme, antwortete die Abgeordnete.

Die 33-Jährige bedauert das zahlenmäßige Übergewicht männlicher Kollegen im Landtag. Mit Ausnahme bei den Grünen seien Frauen, vor allem jüngere, in der Minderzahl. Wenn bei ihren Reden seitens der AfD-Fraktion, in der es fast nur Männer gebe, »Setzen, sechs« gerufen werde, tue das zwar weh, führe aber nicht dazu, dass sie vom Glauben an die Demokratie abfalle. Sondern nur dazu, alles zu tun, damit diese EU-feindliche Partei Einfluss verliere.

Dass in Deutschland und Hessen sehr vieles sehr langsam vom Fleck komme und man sich mit einem ausgeprägten Hang zur Bürokratie oft selbst im Weg stehe, sieht auch Dahlke so. Allerdings hält sie ein gewisses Maß an Regelung für notwendig. »Bürokratie ist grundsätzlich nichts Schlimmes, jedenfalls so lange sie nicht zum Hemmnis wird«, sagte sie. So müssten Prozesse wie der Ausbau der Windenergie als Teil des Klimaschutzes deutlich schneller werden. So lange es sieben Jahre dauere, bis ein Windrad genehmigt und gebaut ist, »können wir das 1,5-Grad-Klimaziel schon jetzt nicht mehr erreichen.«

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