Gericht

Letzte Zeugen sprechen in Vergewaltigungsprozess

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Der unter anderem der Vergewaltigung angeklagte 31-jährige Neu-Anspacher leidet unter einer dissozialen Persönlichkeitsstörung. Laut Gutachter ist das Rückfallrisiko sehr hoch. Eine Unterbringung empfiehlt er aber dennoch nicht.

Die Beweisaufnahme im Prozess gegen den 31-jährigen Neu-Anspacher, der sich vor dem Frankfurter Landgericht wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung, Körperverletzung sowie anderer Rohheitsdelikte zu verantworten hat, ist am Montag am Ende des sechsten Prozesstages nach der Vernehmung der beiden letzten Zeugen sowie des psychiatrischen Gutachters geschlossen worden. Am Mittwoch nächster Woche sollen Staatsanwalt und Verteidiger plädieren, am darauffolgenden Mittwoch wird das Urteil gesprochen.

Im Falle eines Schuldspruchs erwartet den vielfach, auch einschlägig vorbestraften Mann eine mehrjährige Haftstrafe. Darauf deutet hin, dass viele Anklagepunkte im Hinblick auf die ansonsten zu erwartende Strafe eingestellt wurden, weil sie im Urteil keine Rolle spielen würden.

Der Angeklagte war laut dem psychiatrischen Gutachten zum Zeitpunkt der Taten weder in seiner Schuld- und Steuerungsfähigkeit eingeschränkt, noch war diese gänzlich aufgehoben. Gleichwohl attestierte der Gutachter ihm eine dissoziale Persönlichkeitsstörung. Der Mann suche sich immer Frauen als Sexualpartner, die er leicht beherrschen und seinem Willen unterwerfen kann.

Sowohl das mutmaßliche Usinger Vergewaltigungsopfer als auch die Oberurselerin, der er Gewalt angetan haben soll, passten in dieses Raster. Zudem habe er bei der Exploration beim Angeklagten narzisstische Züge festgestellt, so der Psychiater. Das Problem des Mannes sei die offenbar gänzlich fehlende Einsicht in sein Fehlverhalten, stets fühle er sich in der Opferrolle und steigere sich bis zum Tränenausbruch in das Gefühl, ihm werde übel mitgespielt. Auch seine emotionalen Ausraster im Prozess passten dazu.

Als äußerst problematisch nannte es der Gutachter, dass es zwar Therapieansätze gebe, der Angeklagte diese aber ablehne, weil er sich im Recht fühle. Er spiele dem Gericht dies auch nicht nur vor, sondern sehe es tatsächlich so. Wenn er sich also frage, warum er überhaupt vor Gericht stehe, so entspreche das seiner eigenen Wahrnehmung. Auch dass nicht er die Oberurselerin zum Sex gedrängt habe, sondern sie ihn, sei seine persönliche Wahrheit. Der Psychiater sieht beim Angeklagten ein sehr hohes Rückfallrisiko, das dringend therapiert werden müsse, was aber die Einsicht des Mannes erfordere, die derzeit nicht gegeben sei. Eine Unterbringung empfahl er dennoch nicht.

Die letzten beiden Zeugen in diesem Prozess waren Polizeibeamte. Einer berichtete von einem Einsatz in der vom Angeklagten und dem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer genutzten Wohnung. Dort sei es wieder einmal zum Streit gekommen. Das Paar habe sich wohl wieder einmal endgültig getrennt, wie es der Polizist ausdrückte, war sich aber über die Aufteilung der Habseligkeiten in die Haare geraten.

Eine Beamtin berichtete von einer Vernehmung der nach den angeklagten Körperverletzungen sowie der mutmaßlichen Vergewaltigung im Bad Homburger Krankenhaus liegenden Frau. Sie sei in ihrer Schilderung der Vorfälle sehr klar, anderseits aber auch emotional „fix und fertig“ gewesen. Allerdings habe sie nur von der Abtreibung am Vortag, Schlägen sowie Tritten in den Unterbauch berichtet.

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