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Lieber Friedhofsgärten als Waldbestattungen für Wehrheim?

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Bestattungsbaum im Licher Friedwald. © Ursula Sommerlad

Bekommt Wehrheim einen Waldfriedhof oder nicht? Was zuerst nach einer echten Möglichkeit aussah, scheint nun fast wieder vom Tisch - stattdessen wird über eine Alternative nachgedacht.

Wehrheim (sai). Wie erwartet breiten Raum nahm am Montagabend bei der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Land- und Forstwirtschaft der FDP-Prüfantrag zur Einrichtung einer Waldbestattungsfläche in Pfaffenwiesbach ein.

Wie Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) berichtete, habe Verwaltungsmitarbeiter Volker Minet sich zuletzt intensiv mit der Thematik unter Einbeziehung von Forst und Nachbarkommunen, in denen es bereits sogenannte Friedwälder gibt, beschäftigt und unter Berücksichtigung von Parametern wie einer geeigneten Baumbeschaffenheit den in der Beschlussvorlage favorisierten Standort »Am Wehrholz« als derzeit einzig sinnvollen erachtet.

Gegenvorschlag von Ausschussvorsitzendem Ingmar Rega (FDP)

Andrea Pfäfflin (SPD), der es übrigens wichtig war, darauf hinzuweisen, dass es sich ursprünglich um einen SPD-Antrag gehandelt habe, sah viele Vorteile bei der Ausweisung einer Waldbestattungsfläche. Ihr Argument, dass es viele Menschen gebe, die sich nicht nur wegen des entfallenden Pflegeaufwands für die Hinterbliebenen, sondern vor allem wegen der letzten Ruhestätte im gewachsenen System Wald (»Wald ist nicht die Ansammlung von Bäumen«) für eine Waldbestattung entscheiden, wurde, abgesehen von Katrin Willkomm (Grüne), aber nicht von allen Ausschussmitgliedern mitgetragen.

Ausschussvorsitzender Ingmar Rega (FDP) nannte den Rückgang der Zahlungsbereitschaft für ein Erdgrab sowie der Bereitschaft, Gräber zu pflegen, als Hauptgründe für die stark gestiegene Nachfrage nach Alternativen, weshalb die Gemeinde einen solchen Standort anbieten sollte. Allerdings müsse es dafür nicht unbedingt ein Waldstück sein, vielleicht genügten ja auch sogenannte Friedhofsgärten, brachte er vor allem angesichts der zu erwartenden Kosten einen Alternativvorschlag vor. Da aufgrund des Rückgangs an Erdgräbern immer mehr Flächen auf Friedhöfen ungenutzt seien und manche Kommunen diese bereits verkleinerten und die Freiflächen verkauften, könnte man diese Flächen ohne starke Parzellierung gärtnerisch umgestalten - mit einer Baumgruppe und mit einer zentralen Tafel mit den Namen der dort Bestatteten.

Das hätte den Vorteil, dass sowieso schon die entsprechende Infrastruktur wie Parkplätze, Zuwegung, Trauerhalle, Wasseranschlüsse und vieles mehr vorhanden sei und es mache die vorhandenen Friedhöfe attraktiver. Denn es müsse klar sein, dass es tatsächlich auch rein wirtschaftlich einen gewissen »Wettbewerb« beim Bestattungsangebot gebe.

Bürgermeister Gregor Sommer: Mehr Kosten als bislang vorgestellt

Von »Wettbewerb« wollte Norbert Hartmann (CDU) nicht sprechen, sah aber ein, dass es eine Nachfrage gibt. Allerdings wollte er die Gemeinde nicht als »Vollsortimenter« sehen. Seines Erachtens nach genüge das bisherige Angebot an Bestattungsformen, zumal die aktuelle Haushaltslage eine solche Investition, die immerhin freiwillig sei (»Die Gemeinde kommt ihrer Pflicht durch die vorhandenen Friedhöfe ja nach«), nicht zulasse. Auch Jan Krebs (CDU) sprach in diesem Zusammenhang von einer »Luxusausgabe«.

Sommer betonte beim Blick auf den Kostenplan, dass in der Kalkulation noch nicht der Wegfall an Einnahmen des Waldareals, das zwangsläufig aus der Bewirtschaftung herausgenommen werden müsse, berücksichtigt wurde. Außerdem habe die Gemeinde eine Verkehrssicherungspflicht etwa nach Stürmen, gab Krebs zu bedenken.

SPD: Waldfriedhof geht auch günstiger als in der vorgelegten Planung

Pfäfflin wollte das Kostenargument insofern entschärfen, als dass es auch günstiger umzusetzen sei als in der Vorlage geplant. Sie stellte daher den Antrag, den Tagesordnungspunkt für die Gemeindevertretersitzung am kommenden Freitag auszusetzen und sich vor einer Entscheidung gemeinsam den Friedwald in Merzhausen anzuschauen. Dieser könne als Blaupause dienen, wie mit einfacheren Mitteln der Wunsch nach einem Friedwald umgesetzt werden könne, zumal in Pfaffenwiesbach die Trauerfeiern in der Trauerhalle des Friedhofs abgehalten und anschließend die eigentliche Urnenbestattung im Wald vollzogen werden könnte.

Ihr Antrag, über vor der Abstimmung zur eigentlichen Vorlage abgestimmt wurde, erhielt allerdings keine Mehrheit (SPD und Grüne zusammen drei Ja-Stimmen, CDU und FDP zusammen vier Gegenstimmen). Der Vorschlag, die Prüfung der Einrichtung von Friedhofsgärten als neuen Antrag zu formulieren und dem Gemeindeparlament als Empfehlung vorzulegen, erhielt bei zwei Enthaltungen (eine SPD und ein Grüne) die Zustimmung des Ausschusses. Mit der Mehrheit aus CDU und FDP und einer Enthaltung (SPD) wurde der vorliegende Antrag zur Prüfung einer Waldbestattungsfläche in Pfaffenwiesbach abgelehnt.

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