Ein Likörchen für das Chörchen

Aus dem einstigen Männergesangverein wurde über die Jahre ein Chor, das heute auch witziges und fetziges Liedgut einstudiert – sogar Helene Fischer hat ihn inspiriert.

Von Sabine Schlichte

Von 1840 bis 2015, das sind 175 Jahre Gesangverein Liederkranz Dornholzhausen und ein stattliches Jubiläum, das der gemischte Chor mit Konzerten und anderen Feiern in diesem Jahr hörbar in Szene setzen wird. Das Sommerkonzert im Vereinshaus Dornholzhausen, musikalischer Auftakt, zeigte, mit wieviel Schwung und Engagement sich die 40 Sängerinnen und Sänger dem Chorgesang widmen.

Dabei hat dieser Gesangsverein, wie alle übrigens, von der euphorischen Gründung als Männergesangverein bis heute Höhen und Tiefen zu verzeichnen, an denen Zeitgeschichte abzulesen ist: Nationale Strömungen spiegelten sich im damaligen Repertoire, Kriege mit ihrem dramatischen Männerschwund hinterließen klaffende Lücken. Die Veränderung des Vereinswesens durch Medien und Popkultur seit den 60er Jahren ließ den Chor auf fünf Männer schrumpfen, und hätten die sich nicht dazu durchgerungen, auch ihre Frauen mitsingen zu lassen, hätte das Schicksal vieler anderer traditioneller Gesangvereine auch hier zugeschlagen, und der Chor hätte sich aufgelöst. So aber gewannen das gemeinsame Singen und das gesellige Miteinander wieder an Zugkraft und sind feste Bestandteile des kulturellen Lebens in Dornholzhausen.

Mit Chorleiterin Bettina Kaspary arbeitet der Laienchor nun schon sieben Jahre zusammen. Kaspary hat Querflöte und Gesang studiert, singt im Extrachor der Frankfurter Oper und leitet vier weitere Chöre – eine Professionelle. Und es ist erstaunlich, was die Sängerinnen und Sänger unter ihrer Führung an Genauigkeit, guter Intonation, Textverständlichkeit und Differenzierungen in den Strophenliedern hinkriegen. Dabei ist die Freude am klangvollen Singen noch nicht erwähnt, die man den Mitgliedern ansah und die als Funke auch auf die Zuhörer übersprang.

Ein Teil der Energie dürfte auf die Chorleiterin selbst zurückgehen, die in einer Solodarbietung begeisterte. Mit ihrer kraftvoll warmen Mezzosopranstimme gab sie dem heiteren „Sing und lach und tanz mit mir“ von Franz Grothe kecken Drive. Ebenso aufmunternd animierte sie das Publikum zum Mitsingen, und wer hätte gedacht, dass aus dem Stand ein vierstimmiger Kanon gelingt!

Für den Chor, zuverlässig begleitet von der bewährten Partnerin am Klavier, Gisèle Kremer, hatte Bettina Kaspary passgenaue Stücke und Arrangements ausgesucht. Unter dem Motto „In mir klingt ein Lied“ ertönten bekannte und doch wunderschöne Lieder, die die Freuden und Segnungen der Musik in allen erdenklichen Lebenslagen durch vier Jahrhunderte feierten. Im ersten Teil waren es eher die „alten“ Chorschlager wie „Kommt, ihr G’spielen“, „Viele verachten die edle Musik“ oder „Hab’ oft im Kreis der Lieben“. Auch ABBA durfte nicht fehlen mit dem eingedeutschten „Danke für die Lieder“.

Im zweiten Teil ging es fetziger zu. Jazzig das witzige Lied: „Wir machen Musik, da geht der Hut hoch . . .“ Hut ab vor der rhythmisch klaren Artikulation, die eher bei einem Jugendchor zu erwarten wäre. Auch „Atemlos durch die Nacht“, mit einer lupenreinen Solo-Introduktion aus dem Sopran, hielt die Spannung. Der Klang gewann sogar im Lauf des Konzerts an Glanz und bestätigte damit gleich, dass Singen wirklich guttut.

Aber aller guten Dinge sind drei, wie sie im Lied „Wir lieben sehr im Herzen“ beschworen werden: „Die liebliche Musik, ein freundlicher Anblick ein guter, frischer, kühler Wein.“ Auch die wundersame Wirkung des Letzteren durfte man erleben: Zum Abschluss sang der Chor in feiner Selbstironie: „Ein Likörchen für das gemischte Chörchen“. Und als dann das kleine Fläschchen gezückt und der Refrain schunkelnd wiederholt wurde, entspannte sich auch das letzte ernst-konzentrierte Sängergesicht zum beglückten Lächeln. Das galt aber sicherlich auch dem gelungenen Konzert, über das man sich zu Recht freuen durfte.

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