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„So sieht sie also aus“, sagte Dr. Christoph Holzbach (rechts) als er von CDU-Chef Matthias Drexelius die Dregger-Medaille überreicht bekam. Holzbach wusste Bescheid, obwohl es eigentlich es eine Überraschung sein sollte. Aus Wiesbaden war ihm, ein Lapsus, vorab nämlich bereits die Anstecknadel zugeschickt worden.

Politik

Usinger CDU blickt auf die Europawahl 2019 und Kommunalwahl 2021

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Nach der Wahl ist vor der Wahl: Kaum ist die Landtagswahl vorbei und die Europawahl 2019 ante portas, denkt die Usinger CDU auch schon an die Kommunalwahl 2021. Sie tut das, wie einst die Kanzlerin, alternativlos. In Usingen brauche es keine Alternative zum bestehenden Parteienspektrum und Deutschland braucht auch keine – mit anderen Worten: Es geht auch ohne AfD.

Solide Finanzen, die Abschaffung von Kassenkrediten noch bevor das Land seine „Hessenkasse“ öffnete, eine „elektrische Eisenbahn“, der, anders als in Wehrheim, in Usingen keine Klagen drohen, maßvolle Entscheidungen zur Schaffung preiswerten Wohnraums auch für Familien – die ehemalige Kreisstadt ist gut aufgestellt, findet CDU-Stadtverbandspräses Matthias Drexelius. Wo Licht ist, ist aber auch Schatten, beklagt Drexelius „schwellenden Kamms“, wie er am Freitag bei der Hauptversammlung bekannte. Da wären zum einen eine Nordumgehung, deren Planfeststellungsbeschluss zwar 2019 gefasst werden soll, deren erneute Offenlage, so Bürgermeister Steffen Wernard (CDU), aber 250 Einwände („Kein Kettenbrief, darunter sind sehr differenzierte“, Wernard) erbracht hat, und eine Gewerbestruktur, bei der es Nachbesserungsbedarf gebe. Zum anderen ärgert es Drexelius, dass Bauprojekte durch Nachverdichtung von den potenziellen Nachbarn nur deshalb verdammt würden, weil nebenan ein Haus, wie das in dem sie leben, gebaut werden soll, und man nicht aufs Nachbars zum Trocknen aufgehängte Wäsche schauen mag.

Die Zornesader schwillt Drexelius aber auch, weil bei der Landtagswahl die CDU „für Berlin sehenden Auges abgestraft wurde“. Dass die Union in Hessen gute Arbeit geleistet habe, sei von vielen, leider beratungsresistenten Protestwählern an den Wahlständen auch goutiert worden, trotzdem hätten sie „diesmal nicht CDU“ gewählt. Drexelius forderte vom mündigen Wähler, dass er verantwortungsvoll mit seinem Wahlrecht umgeht und mit seiner Stimme die für die Wahl relevante Politik, in diesem Fall die hessische, auf den Prüfstand stelle. Für den Kreisvorsitzenden und wiedergewählten Landtagsabgeordneten Jürgen Banzer ist der Wunsch Vater des Gedankens: „Der Wähler wählt, was und wen er will und nicht so, wie wir das wollen.“

Die AfD verhindern

Drexelius ist in Sorge, dass sich auch in Usingen Bürger von populistischer Panikmache verunsichern ließen, häufig durch Schüren einer diffusen Angst vor Migranten. Ziel der CDU müsse es sein, hier gegenzusteuern, bevor es bei der nächsten Kommunalwahl auch in Usingen eine AfD-Fraktion im Stadtparlament gebe.

Davor warnte später auch der langjährige Fraktionschef, momentan aber im „politischen Unruhestand“ lebende Dr. Christoph Holzbach, der mit der Dregger-Medaille geehrt wurde (siehe Box): „Es muss ohne AfD gehen“, sagte er und forderte die Partei auf, alles dafür zu tun, ihr Spektrum als „letzte wirkliche Volkspartei“ zu bespielen und die Menschen auf der gesamten Bandbreite abzuholen und einzubinden. Ziel müsse es sein, ihnen den Wertekanon der Union glaubhaft zu vermitteln, damit sie den Lockrufen nach rechts widerstehen.

Info: Gallionsfigur und Verleihung mit Pannen

Dr. Christoph Holzbach war lange eine der Gallionsfiguren der Usinger CDU im Parlament, einer, der nie ein Blatt vor den Mund genommen hat und dabei, „viel, aber nicht nur Spaß“ gehabt hat. Für 22 Parlamentsjahre, von 1989 bis 2001 und 2006 bis 2016, und dafür, dass er in der Zeit der außerparlamentarischen Opposition in der Union Verantwortung als Vorsitzender übernommen hat, wurde er mit der Dregger-Medaille, geehrt. Geehrt wurden auch Uwe Böhmer für 15-jährige Mitgliedschaft, Andreas Haase (25 Jahre), Dr. Hans-Joachim Scheefer (45 Jahre) und Karl Zwermann (55 Jahre). Sie alle seien weit mehr als „nur“ Mitglieder gewesen, sondern hätten durch die Übernahme von Mandaten und Vorstandsämtern zum Wohle der Partei beigetragen, sagte CDU-Chef Matthias Drexelius. Zwei Pannen gab’s: Urkunde und Dregger-Medaille, eigentlich als Überraschung für Holzbach gedacht, harrten längere Zeit in der Bad Homburger CDU-Zentrale ihrer Verleihung, zu lange. In Wiesbaden fiel auf, dass die dazugehörige Anstecknadel noch nicht versandt war. Man schickte sie direkt an Holzbach, wohl in der Annahme, dass der bereits geehrt sei. Nicht ganz nach Plan lief auch die Ehrung von Dr. Hans-Joachim Scheefer. Die Urkunde war nämlich auf einen Herrn Schäfer ausgestellt.

(as)

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