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Lösungsansätze für Konflikte

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Motahar, Annie, Lisa, Laura und Valentina vom Peple’s Theater locken die ARS Schüler der achten Klassen aus der Reserve, Michael Falz (Rotary), Lehrer Stefan Sander und Schulleiter Dirk Schulz schauen ihnen dabei in einer der Klassen über die Schulter. FOTO: SALTENBERGER © Red

Neu-Anspach. Mehr Digitalisierung in den Schulen wird oft gefordert. Fragt sich, ob sie wenigstens vor dem Klassenbuch Halt macht. Das ist nämlich ein Relikt vermutlich aus der Katheder-Pädagogik und war Gegenstand eines Problemfalls, der sich an der Adolf-Reichwein-Schule abgespielt hat. Nicht, dass hier gleich ein Skandal gewittert wird, es handelte sich um eine Art Theaterszene, die sich ein Team des »People’s Theater« hat einfallen lassen.

Aber der Reihe nach:

People’s Theater ist ein sozial engagierter Verein mit Sitz in Offenbach, der mit verschiedenen Teams in die Schulen geht um auf Augenhöhe mit den Schülern Konflikte anzugehen, mit denen diese konfrontiert werden können. Die Akteure in den Schulen sind selbst im jugendlichen Alter: »Wir sind alle FSJler«, sagte Lisa, eine aus dem fünfköpfigen Team, das sich eine der achten Klassen vorgenommen hatte.

Probleme diskutieren

Normalerweise sind die Schüler und die Teamer weitgehend unter sich, die 8 a hatte aber kein Problem mit der Anwesenheit einiger Zuschauer, so Lehrer Stefan Sander, der stellvertretende Schulleiter Michael Stanzel, Schulleiter Dirk Schulz, aber auch ein Vertreter von außerhalb, nämlich Michael Falz. Letzterer vertrat den Rotary Club Usingen, der für das Projekt zuständig ist und es an der ARS ins Leben gerufen hatte und seitdem unterstützt. »Es ist wichtig, dass die Schüler schon in der Schule mit Situationen vertraut gemacht werden, die ihnen überall begegnen können, auf die sie dann reagieren müssen. Dann ist es nicht schlecht, wenn die Situation schon einmal durchgespielt wurde«, sagte Falz begeistert nach dem Auftritt.

Das vergessene Klassenbuch...

Das Theater trifft den Nagel auf den Kopf, denn die szenische Performance setzt jeweils ein Thema um, es durfte ausgewählt werden - und spielerisch gingen die Akteure zu Werke, in dem sie ihr Klientel auch auf dem richtigen Fuß ansprachen. So begannen sie mit Körpereinsatz: Rechter Arm hoch: klatschen, linker Arm hoch: trampeln, Daumen drehen: leiser oder lauter werden, und ein Sprung mit Drehung um die eigene Achse markierte die Übergänge zwischen gespielter Szene und deren Besprechung.

Zurück zum Klassenbuch: Eine kleine Schülergruppe sitzt in der Klasse, wartet auf die Lehrerin, aber die kommt nicht. Was ist zu tun? In die Verwaltung gehen, den Umstand erklären? Oder die Stunde absitzen, Aufgaben voneinander abschreiben oder, Gelegenheit macht Diebe, das Klassenbuch stibitzen, das die Lehrerin auch noch in der Klasse hat liegenlassen. Auf die Idee Letzteres zu tun, kam einer der Schüler, denn mit dem Verschwinden des Buchs verschwinden auch unter Umständen »personenbezogene brisante Daten«, Backup gibt’s ja nicht.

Der Drahtzieher versuchte die anderen zum Mitmachen zu bewegen und löste dabei unterschiedliche Reaktionen aus, die um den Kern kreisten: Soll ich mitmachen, vielleicht sogar gegen mein Gewissen oder Nein sagen und mich verweigern? Der eine Fall könnten unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen. Im anderen Fall könnte man vielleicht von Mitschülern gemobbt oder ausgegrenzt werden. Wie geht man mit der Wahrheit um?

Zuschauer werden zu Akteuren

Um das auszuloten, wurden die Eingangsszene besprochen, Fakten gesammelt, um im Anschluss auf mögliche Sichtweisen, Gefühle und Wünsche der dargestellten Charaktere einzugehen: »Was sollte man machen, wenn Freunde etwas tun wollen, was man für falsch hält«, gab Lisa eine Impulsfrage, an der sich die Schüler auch gleich rege abarbeiteten.

Dann wurde die Szene mit Schülern und anderen Rollenverteilungen nachgespielt. Ein Gongschlag von »Regisseurin« Lisa, ein Sprung um die eigene Achse und schon saß zuerst ein Schüler »auf der Bühne«, dann zwei Schülerinnen. Das Ergebnis war ähnlich, Vor- und Nachteile wurden abgewogen - doch letztlich entschieden sich die Protagonisten gegen die Täuschung.

»Was braucht man, wenn man die Wahrheit sagt?«, fragte Lisa. Auf jeden Fall Mut, ob das unter realen Bedingungen auch so funktioniert, mag dahin gestellt bleiben, das Bewusstsein für Recht und Unrecht wurde sicher bei allen geschärft und vor Entscheidungen in brenzligen Situationen vielleicht genauer das Für und Wider abgewogen und vor allem die eigene Haltung einem Gewissens-Check unterzogen. Anregungen dazu gab es, vor allem aus den Beiträgen der Schüler, die ihnen die Akteure vom People’s Theater geschickt entlockten. Dazu werden sie von Fachleuten des Vereins geschult.

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