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Lokalpolitische Arroganz oder Sankt-Florian-Prinzip?

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Zu unserem Bericht "Hier werden keine Fremdparker geduldet" über den Otto-Sorg-Weg in Westerfeld (UA vom 9. Juli) erhielten wir folgende Leserbriefe:

Als Anwesende kann man sich nach dem Lesen des Artikels nur verwundert die Augen reiben und muss die Glaubhaftigkeit der Presse in Frage stellen.

In einer seitens der Anwohner durchaus lebhaft emotionalen, aber sicher nicht unsachlichen Diskussion konnte ich weder eine Entladung "Volkes Zorn" wahrnehmen noch, wie es zu einer, vom vermeintlich "ziemlich krassen" Verhalten der Anwohner, "mittelschwer geschockten" Frau Schirner kommen konnte.

Herr Höser findet, mit nur einem Pkw pro Familie können Frauen zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern, denn "Hausfrauen" sind ja die Einzigen, die den Otto-Sorg-Weg befahren (das muss man sacken lassen). Frau Schirner betonte mehrfach abwertend lachend, sie sehe da überhaupt kein Problem. Auch ihre Mimik und Körpersprache bei Argumenten der Anwohner verlieh ihrer Meinung zu diesem Ortstermin durchaus eindrucksvoll Ausdruck. Die nonverbalen Äußerungen einzelner Stadtverordneter und Politiker waren es, welche einigen Anwesenden das Gefühl vermittelt haben, ihr Anliegen und die potenziellen Probleme seien lächerlich. Wie lächerlich kann es sein, sich aufgrund der Erfahrung in diesem Wohnumfeld, und über die letztlich in allen Stadtteilen vorkommende, durch Neubebauung zunehmende Parkplatzproblematik Gedanken zu machen und das Anliegen an die Stadt heranzutragen, politische Planungsfehler der Vergangenheit durch in der Gegenwart politisch Verantwortliche zu heilen, damit diese nicht zu erneut planerischen Fehlern der Zukunft werden?

Man darf sich als Bürger durchaus fragen, warum die Sensibilisierung diesbezüglich als Egoismus gewertet wird. Insbesondere für Eigentümer oder Mieter, deren Häuser aus Baujahren stammen, die nicht zwei Stellplätze pro Wohneinheit vorsahen. Die sich bei Kauf ihrer Immobilie in dieser Ortsrandlage nicht vorstellen konnten, damit konfrontiert zu werden, laut Stadtverordneter, zumutbare 500 bis 600 Meter Entfernung zwischen Parkmöglichkeit und Haus zurücklegen zu müssen. Mit Kindern, Einkäufen oder, auch das soll vorkommen, im Alter. Ja, und es gibt durchaus eine Anzahl von Bestandsbürgern, deren Belange ebenso wichtig sind, wie die der Bürger, die man ansiedeln möchte.

Erstaunlich ist ebenfalls die Polemik, keine jungen Familien in der Nähe haben zu wollen. Niemand hat dies geäußert aus diesem Gebiet, in dem überwiegend junge Familien wohnen.

Der gewonnene Eindruck einer nicht unerhebliche Anzahl Stadtverordneter und Politiker ist ernüchternd. Sollte man doch meinen, dass Personen, die sich freiwillig in öffentliche Ämter wählen lassen, eine gewisse charakterliche Souveränität besitzen, um in Gesprächen mit Bürgern deren Anliegen ernst zu nehmen, statt sie lächerlich zu machen. Insbesondere mit der für die Anwesenden durchaus fairen, aber überraschenden Beteiligungsmöglichkeit fühlten sich einige der gewählten Bürgervertreter, in direkter Konfrontation mit dem Bürger, sichtlich unwohl und schienen dies als unangenehm zu empfinden.

Sandra Woscidlo

Usingen

Dieser Artikel verschlägt einem die Sprache und macht nur traurig. Es wird hier nach dem Sankt-Florian-Prinzip gehandelt!

Susanne Witte

Westerfeld

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