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Fachfrau Carmen Klee hat aus Wiesenkräutern eine würzige Kräuterbutter zubereitet.

Naturheilkunde

Sie lüftet das Geheimnis der Heilpflanzen

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Streuobstwiesen sind Fundgruben für Wildkräuter und Domizile für bedrohte Tierarten. Aus der „Apotheke Natur“ lassen sich gesunde Speisen und Getränke sowie hilfreiche Hausmittel herstellen. Was es mit den Pflanzen auf sich hat, erklärte Fachfrau Carmen Klee bei einer Exkursion.

Vogelgezwitscher, strahlender Sonnenschein, sattgrüne Wiesen und der würzige Geruch von Kräutern und Blüten sind untrügliches Zeichen dafür, dass es jetzt mit Riesenschritten Frühling wird. Wer sich auskennt, kann mit Wildpflanzen den Speiseplan bereichern und die Heilkraft aus der Natur nutzen. Doch wer erkennt am Stamm und an der Blüte, welche Früchte Bäume und Sträucher später tragen werden? Wer kann essbare Kräuter, die früher als Salat und Gemüse verwendet wurden, von giftigen Gewächsen unterscheiden? Und wer weiß, welche Pflanzen heilende Wirkung haben? Zu einer dreistündigen Exkursion unter dem Motto „Apotheke Natur“ und um das Biotop Streuobstwiese und seine Bedeutung zu erkunden, hatte die Volkshochschule (VHS) in Schmitten eingeladen. Carmen Klee, zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin, nahm mit sieben Teilnehmern eine Streuobstwiese oberhalb von Brombach unter die Lupe.

Anfang des 19. Jahrhunderts seien Streuobstwiesen mit Hochstammbäumen vornehmlich angelegt worden, um Dörfer nach außen abzuschotten. Heute stehen laut Klee die Streuobstwiesen auf der Roten Liste. Doch sie sind wichtig, um Tieren, die vom Aussterben bedroht sind, Unterschlupf zu bieten. Auf diese Weise seien zum Beispiel auch im Taunus Korridore für die Wildkatze entstanden. Vor allem die Artenvielfalt von Insekten, die wiederum den Vögeln als Nahrung dienen, sei ohne diese Biotope massiv gefährdet. Schon am Wuchs und am Stamm sowie an den ersten Blüten zeigte Klee, wo man später welches Obst ernten kann: Apfel, Birne und Quitte, Kirsche, Pflaume und Mirabelle sowie Walnuss waren vertreten, auch Hagebutte und Schlehe. Vor allem machte sich der in voller Blüte stehende Weißdorn breit. Die Holunderdolden waren noch nicht aufgeblüht. Auf einem hochgelegenen Ast entdeckte Klee eine neue Steinkauzröhre. Dann lenkte die Fachfrau den Blick auf den Boden.

Die ersten Frühlingsboten hatten sich schon gut entwickelt. Genau wie Sauerampfer- oder Schafgarbenblätter können Blätter des Spitzwegerichs in kleinen Mengen für Salate und Soßen oder Smoothies verwendet werden. Aber Spitz- und Breitwegerich können noch mehr. „Sie sind das Pflaster, das man in der Natur findet“, erläuterte die Fachfrau und riet: „Die Blätter ein bisschen reiben und auf kleine Wunden oder Insektenstiche legen.“ Die Blütenstände des Wegerichs empfahl sie mit etwas Knoblauch in Öl gebraten.

Obwohl die Brennnessel beim Anfassen stark brennt, ist das kein Zeichen, dass man diese Pflanze nicht essen sollte. Ganz im Gegenteil mit ihrem Eisen- und Vitamingehalt gehört sie wie der Giersch zu den besonders wertvollen Wildpflanzen. „Wenn man mit dem Nudelholz drüber rollt, kann man sie auch als Salat verwenden, gekocht brennt sie gar nicht und auch nicht, wenn man sie im Mixer zum Smoothie verarbeitet“, versicherte die Expertin.

Leuchtend gelb blühte der Löwenzahn, dessen Blätter und Blüten bei Kräutersammlern begehrt sind. Früher wurden die getrockneten und geriebenen Löwenzahnwurzeln als Kaffee-Ersatz verwendet. Die Dolden der wilden Möhre dienten früher als Pfefferersatz. Doch dafür war es noch zu früh im Jahr. Die Möhre könne man nur sicher bestimmen, wenn sie blüht oder sich die intensiv riechende Wurzel, die im Gegensatz zur Gartenmöhre nicht orangefarben ist, bereits ausgebildet hat.

Am Geruch leicht zu erkennen war die Knoblauchsrauke, die anders als der beliebte Bärlauch beim Kochen den Geschmack verliert. Diese Pflanze soll den frühjahrsmüden Körper stärken. Für die Blütenbutter, die die Referentin zum Abschluss servieren wollte, nahm sie auch davon ein paar Exemplare mit. Zum Sammeln gab Carmen Klee folgende Tipps mit auf den Weg: „Nur das mitnehmen, was man wirklich kennt, denn es gibt in der Natur auch hochgiftige Pflanzen wie den Hahnenfuß und das Buschwindröschen.“ Und man sollte nur dort sammeln, wo keine Hundehaufen am Wegesrand liegen und Felder nicht gespritzt werden.

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