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Was von Luther übrig bleibt: Kirche setzt auf Impulse durch das Reformationsjahr

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Von: Gerrit Mai

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Das Denkmal für den Reformator Martin Luther.
Das Denkmal für den Reformator Martin Luther. © Hendrik Schmidt

Vom Reformationsjahr ist mehr geblieben als nur die Playmobilfigur von Martin Luther und ein Entchen. Aber beide zeigen, dass die Protestanten ihr Jubeljahr nicht nur tierisch ernst genommen haben, sondern auch schmunzeln können. Zum ersten Mal haben die Protestanten auch die katholischen Geschwister eingeladen – und die sind gerne gekommen.

Die Botschaft des christlichen Glaubens wird in 50 Jahren noch so aktuell sein wie heute, ist sich Dekan Michael Tönges-Braungart sicher. Das Reformationsjahr habe den Christen wieder ins Bewusstsein gebracht, was ihren Glauben ausmacht. Es habe gezeigt, wie lebendig die Gemeinden sind und wie nahe sie an dem dran sind, was Menschen heute bewegt. Das Jubiläum sei daher weniger Traditionspflege, sondern Gelegenheit zur Klärung von wichtigen Fragen: „Was bedeuten die Impulse der Reformation für uns heute?“, „Welche Bedeutung hat die Bibel?“, „Wie wichtig ist uns die Freiheit des Gewissens?“, „Woher kommen Wert und Menschenwürde?“ und „Wie kommen Gemeinden und Kirche ihrem Bildungsauftrag nach?“ „Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen war mal sehr ernsthaft, manchmal aber auch spielerisch, humorvoll und mitunter auch mit einem Schuss Selbstironie“, so Tönges-Braungart.

Das Dekanat selbst habe nur wenige eigene Akzente gesetzt, wie den Vortrag zum Jahresempfang, das Konzert der Posaunenchöre oder das überdimensionale Lutherbild in der Erlöserkirche. Den Rest hätten die Gemeinden ganz unterschiedlich und kreativ selbst auf die Beine gestellt – vom Kirchenkabarett über Theater, Kunstprojekten und Konzerten bis zu Vorträgen, die Luther und die Reformation von vielen Seiten beleuchtet hatten.

Um die Zukunft der Kirche ist dem Dekan nicht bange. 500 Jahre könne man zwar kaum nach vorne blicken, in 50 Jahren indes sieht er sie vielleicht kleiner, aber nicht weniger lebendig. Und die Botschaft des Glaubens werde auch dann noch mutig und selbstbewusst weitergetragen, da ist er sicher. „Ich wünsche mir, dass die Kirche auch in 50 Jahren noch die Frage stellt nach Frieden und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft und in der Welt.“

Auch die Ökumene habe 2017 wichtige Impulse bekommen, auch wenn es vorher schon eine gute Zusammenarbeit gab. „Das Reformationsjubiläum war ganz bewusst nicht als protestantische Jubelfeier inszeniert und hat nicht zur Abgrenzung voneinander gedient.“ Auf allen Ebenen sei gemeinsam gefeiert und diskutiert worden. Dass beide Kirchen irgendwann einmal eine werden, sieht der Dekan nicht, das sei aber auch gar nicht nötig. „Es ist gut, wenn wir auf unterschiedliche Weise unseren Glauben leben, Eintönigkeit ist nicht immer gut.“

Der Usinger Pfarrer Dr. Hans-Jörg Wahl hatte zu Beginn des Jubiläumsjahres eigentlich schon genug gehört, weil man sich in den vergangenen Jahre bereits mit dem anstehenden Jubiläum beschäftigt hatte. Doch dann kam es anders: Er hat sich mitreißen lassen und ist heute begeistert von dem, was das Jubeljahr erreicht hat. Die Sprachfähigkeit über den Glauben habe einen großen Schub bekommen, und Fragen „Was glaube ich?“ oder „Was ist typisch protestantisch“ seien in den Fokus gerückt. Seine Konfirmanden beispielsweise hätten sich mit dem Thema beschäftigt: „Wofür lohnt es sich heute zu kämpfen, wie es Luther getan hat?“. Die Kirche sei nicht mehr der Nabel der Welt, aber das Jahr habe klar gemacht, dass Christen heute und in Zukunft noch etwas zu sagen haben.

Und das kann auch mit Musik sein. Karin Giehl, Dekanatskantorin im Vordertaunus, erinnert sich an viele kirchenmusikalische Veranstaltungen bereits 2012, dem Jahr der Kirchenmusik als Vorbereitung zum Jubiläum. Musik habe eine neue Wertschätzung erfahren und Impulse bekommen, denn für Luther war sie „eine köstliche Gabe Gottes“. Die Kantorin hofft, dass Luther-Lieder im Gesangbuch eine Renaissance erfahren – als lebendiges Nebeneinander mit moderner Kirchenmusik.

Heike Kremer, Kirchenvorsteherin in Westerfeld, erinnert sich jeden Morgen im Bad an das Reformationsjahr, und sie muss schmunzeln, wenn sie ihre Luther-Ente auf dem Wannenrand sieht. Das hätte Martin Luther sicher gefallen, denn er wollte fröhliche Christen. Außerdem hat sie sich eine Luther-Playmobilfigur gewünscht und bekommen. Im Dekanat habe es „unheimlich viele Veranstaltungen“ gegeben, in ihrer Gemeinde, hat sie sie jedoch vermisst. Heike Kremer hat nicht den Eindruck, dass das Thema in der Bevölkerung angekommen ist. „Arbeitskollegen freuen sich vor allem über den Feiertag.“

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