Schreibtisch-Serie

Mit Mappen und Motivationskärtchen

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1„Das ist meine Gesundheitsecke“, sagt Arnold Richter und zeigt auf die linke Seite seines Schreibtischs, der in seinem Büro im vierten Stock des Oberurseler Rathauses steht.

Arnold Richter könnte längst eine Inventarnummer haben, so lang ist er schon im Oberurseler Rathaus beschäftigt. Der Bauingenieur, heute 63 Jahre alt, kam 1978 in die Verwaltung der Brunnenstadt. 28 Mitarbeiter umfasst der Geschäftsbereich Stadtentwicklung, den Richter leitet. Über ihn heißt es, er habe das kleinste Büro der Führungskräfte im Rathaus. Es stört ihn nicht, für Besprechungen gibt es schließlich einen angrenzenden Konferenzraum. Dafür hat Richter als Einziger in der Verwaltung eine Glastür, und die steht außer bei persönlichen Gesprächen immer offen. „Mir ist wichtig, dass ich ansprechbar bin“, sagt der oberste Stadtentwickler. Und es zeigt auch: Hier passiert nichts Geheimes, alles ist öffentlich. Persönliche Dinge wie Familienfotos sucht man in seinem Büro übrigens vergebens. „Ich versuche, wenn ich im Rathaus bin, private Dinge völlig abzuschalten und zu sagen: Jetzt bin ich hier Stadtentwickler“, erklärt Richter.  

1„Das ist meine Gesundheitsecke“, sagt Arnold Richter und zeigt auf die linke Seite seines Schreibtischs, der in seinem Büro im vierten Stock des Oberurseler Rathauses steht. In jener Ecke steht nicht nur eine Flasche Mineralwasser samt Glas parat, dort liegt auch ein Apfel. „Ich versuche, jeden Tag einen Apfel zu essen“, sagt der Stadtentwicklungschef.

2Bei aller Moderne: Ein Bauingenieur benötigt auch im digitalen Zeitalter noch einen Zollstock. „Nachmessen hilft – nicht nur auf den Computer verlassen“, erklärt Arnold Richter. Aus dem gleichen Grund hat er auch noch einen Taschenrechner, der an anderer Stelle auf dem Schreibtisch platziert ist. Lieber noch mal die Zahlen eintippen und nachrechnen . . .

3Wer sich mit der Entwicklung der Stadt beschäftigt, der muss auch Exposés durcharbeiten. In dem, das sich in der roten Mappe befindet, geht es um die Holzweg-Passage. Gerade hat die Politik den Weg für ein Bauprojekt, ein Wohn- und Geschäftshaus, geebnet. „Das ist ein Bereich, der mir sehr wichtig ist“, sagt Richter. Die in der Nähe liegende, bereits neu gestaltete Rompel-Passage gefällt ihm, sie werde sehr gut angenommen. Über den Chopin-Platz wird eine Achse bis zur Holzweg-Passage entstehen.

Richter ist anzumerken dass er gern in der Brunnenstadt arbeitet. „Oberursel ist eine sehr leistungsstarke Stadt“, sagt er über die Kommune, in der er „alles mit Maß und Ziel“ entwickeln möchte.

4Nein, die TZ hat Arnold Richter nicht nur für unseren Besuch auf den Schreibtisch gelegt. Er versichert, dass er jeden Morgen in dieser Zeitung liest, wenn er ins Büro kommt. Das ist so gegen 8.30 Uhr, und dann schaut er vor allem nach Berichten aus Oberursel, Steinbach und Bad Homburg. Richter lebt außerhalb des Hochtaunuskreises, und die Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsplatz kommt ihm durchaus zupass. Er möchte stets den unvoreingenommenen Blick beibehalten. Apropos klarer Blick: Um diesen zu haben, schätzt der 63-Jährige auch die geordnete Struktur in seinem Büro, in dem es auch keine Pflanzen gibt.

5Trockene Kost gehört zu einem verantwortungsvollen Arbeitsplatz in einer Stadtverwaltung wohl dazu. Hier hat Richter eine Fachzeitschrift liegen – einen Rechtssprechungsreport. Schließlich gibt es häufig neue Vorgaben zu beachten. Von A bis Z durchlesen muss sich Richter das juristische Heft aber nicht. Eine Kollegin beschäftigt sich professionell damit und lässt andere an ihrem Wissen teilhaben.

6Die kaum zu erkennenden Steinchen sind aus der Rathausfassade abgebrochen. Das Rathaus wird, so hat es die Politik beschlossen, sukzessive saniert und teilweise umgebaut, der sogenannte B-Bau soll abgerissen werden. Dass Richter die Steinchen täglich vor Augen hat, ist eine Erinnerung an die Notwendigkeit des Projekts – nach dem Motto: Hier muss was getan werden.

Dahinter liegen vereinzelte Kärtchen. Eins davon wirbt für ein Boardinghaus in Oberursel, das allerdings nicht realisiert wurde.

7 „Zu erledigen“ steht auf der gelben Mappe. Darin bewahrt Arnold Richter zum Beispiel Telefonnotizen auf. Dinge, die schrittweise erledigt werden müssen, aber nicht sofort. Wenn Zeit ist, greift der Stadtentwicklungschef in diese Mappe und arbeitet kleinere Aufgaben ab.

8Ja, Arnold Richter ist ein Freund von Mappen – das macht auch dieser Stapel deutlich. Ganz oben liegt die rote „Bürgermeister-Mappe“, sie ist freilich besonders wichtig. Darin finden sich Dinge, die Richter mit Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) besprechen muss. Beim Besuch dieser Zeitung liegt in dem roten Aktensammler zuoberst ein Papier zur Unteren Riedwiese an der Frankfurter Landstraße. Auch diese könnte eines Tages Gewerbegebiet werden – so wie die Nördliche Riedwiese, in der momentan Bauarbeiten zur Ansiedlung von Gewerbebetrieben laufen.

Unter der roten Mappe befinden sich weitere: eine schwarze für die Abteilung und eine blaue mit etwas weniger wichtigen Unterlagen.

9 „Ich habe ein Faible für Motivationskärtchen“, erzählt Richter und zeigt exemplarisch die Karte mit dem aufgedruckten Spruch „Läuft bei mir“. Auch eine andere mag er: Darauf sind die Worte „sollte, könnte, müsste“ durchgestrichen. Stattdessen heißt es: „machen“. Und als Bonus hier noch ein Spruch, den Arnold Richter mag, den er allerdings zu Hause aufgehängt hat. „Alle sagten, das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht. Der hat es einfach gemacht.“

10 Die Magnetwand hat er von seinem Schreibtisch aus gut im Blick. Ein Papier, das dort befestigt ist, fällt auf. Es weist auf einen Privatweg hin – „kein Durchgang“. Es wurde fürs frühere SEB-Gebäude gedruckt, in dem Flüchtlinge untergebracht sind. Mit dem Schild wurden sie gebeten, die Privatsphäre der Anwohner zu respektieren.

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