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Alte Kunst: Der Beutelschneider gehört zu den Ausstellern des Historischen Martinsmarktes.

Mittelalter trifft Moderne

Das war der Martinsmarkt in Oberursel

Zum siebten Mal gedachten die Oberurseler am Wochenende auf besondere Weise des Heiligen Martins: Der Historische Martinsmarkt zwischen Rathaus und Marktplatz verband Orient und Okzident, und auch Mittelalter und Moderne waren nur ein paar Schritte voneinander entfernt . .

Wer der Heilige Martin war und warum wir an ihn denken, das verstehen Tom und Jerry nicht, im Gegensatz zu den vielen Kindergartenkindern, die in diesen Tagen mit ihren Laternen durch die Straßen ziehen. Dennoch sind die beiden Ponys am Wochenende die unumstrittenen Stars auf dem siebten Historischen Martinsmarkt in Oberursel, zumindest bei den kleinen Besuchern, und natürlich sind die Pferdefans zumeist weiblich. „Alle Mädchen lieben Ponys!“, bringt es Rosa (5) am Samstagnachmittag auf den Punkt.

Die junge Dame kann trotz Nieselregen gar nicht genug Runden auf den Kleinpferden drehen. Gemächlich lassen sich Tom und Jerry von Patrick (18) durch die Gassen zwischen Rathausplatz und Kumeliusstraße führen, genauso wie die Kamele Wotan und Merida, die einzigen beiden, die den Ponys Konkurrenz machen, wenn es darum geht, alle Blicke auf sich zu ziehen. „Das Fell ist ganz weich“, stellt Rosa fest, die Wotan am Bauch streichelt, während der Regen auch die erwachsenen Marktbesucher nicht davon abhält, die Wüstentaxis zu bewundern. „Kamele vor dem Rathaus in Oberursel, das ist einfach toll!“, freut sich eine Passantin.

Gnadenbrot für Tiere

„Das Geld, das wir hier einnehmen, kommt komplett dem Hof zugute, auf dem die Ponys und die Kamele leben“, erklärt derweil Patrick, dem es viel Freude bereitet, den guten Zweck zu unterstützen. „Von Tieren umgeben zu sein – was gibt es Schöneres?“ Regelmäßig packen er und seine Freundin mit an in der Kameloase Langerringen bei Augsburg, die Thomas und Elke Kerler mit viel Herzblut aufgebaut haben. Das Paar kümmert sich um rund 100 Tiere, die bei ihnen das Gnadenbrot bekommen. Nach Oberursel kommt Thomas Kerler mit seinen Reittieren schon seit mehreren Jahren. Es sei schon mal mehr los gewesen, sagt Kerler, der auf einen trockenen Sonntag hofft.

Das tun auch die übrigen Aussteller. 40 Händler und Handwerker, die das Publikum mit ihren Produkten in die Zeit des Heiligen Martin versetzen, haben die Veranstalter vom Selbstständigenforum Fokus O. wieder in die Brunnenstadt geholt. Dabei trifft nicht nur Orient auf Okzident, so wie beim Kamel- und Ponyreiten, sondern auch Mittelalter auf Moderne und Tradition auf die heutige Zeit.

Liebevolle Handarbeit

So können die Besucher zum Beispiel traditionelle Münzbeutel aus Leder erstehen, ein paar Meter weiter modernen Schmuck, der aber genauso liebevolle Handarbeit ist. Sie können Schaffelle und Dufthölzer kaufen, Hanf-Met-Federweißen und Fladenbrote probieren. Wem der Sinn nicht nach Mittelalter steht, entscheidet sich für Gin, den die Familie Boldizar in Griesheim herstellt, trinkt Sekt von der Hessischen Bergstraße und isst einen vegetarischen Burger aus dem Streetfood-Truck „Mutti freut sich“ in der Kumeliusstraße. Auf dem Oberurseler Martinsmarkt stimmt die Mischung.

Und Anklänge an den Heiligen lassen sich nicht nur bei den historischen Händlern oder bei den Kerlers finden, die sich um Tiere in Not kümmern – wer selbst mal ein Schwert in der Hand halten möchte, wie Martin, als er seinen Mantel teilte, ist beim Kinderherold Klaus Utz auf dem Marktplatz richtig.

Während die jungen Besucher im Zelt des Herolds kleine Schilde, Schwerter und Zauberstäbe aus Holz mit Acrylfarben bemalen dürfen, bestaunen die Großen die schweren Kampfschwerter aus Buchenholz. Ein Schreiner in Tschechien fertigt sie eigens für Klaus Utz an, der aus Bornheim bei Bonn kommt. „Die eignen sich, um den Schwertkampf zu trainieren“, erklärt der Kinderherold und führt ein paar Schaulustigen die Holzwaffen vor.

Manuela Reimer

Info: "Die Orscheler kommen immer"

„Wir sind sehr zufrieden und selbst überrascht“, sagte Fokus-O.-Chef Michael Reuter gestern am Spätnachmittag zu dieser Zeitung. Der Andrang am Sonntag, traditionell der besucherstärkere Tag des Martinsmarktes, sei besonders groß gewesen, meinte Reuter, ohne sich schon auf Zahlen festlegen zu wollen. „Die Orscheler kommen immer“, freute sich der Chef der Händlervereinigung, die den Martinsmarkt ausrichtet und mit diesem sowie dem damit verbundenen verkaufsoffenen Sonntag Menschen auf den örtlichen Einzelhandel aufmerksam machen will. „Die Geschäfte sind auch gut besucht“, sagte der Vorsitzende des Fokus O., der zudem von stunden- und meterlangen Schlangen an einer Wurstbude berichtete.

Vor allem viele Familien seien zum Martinsmarkt gekommen, sagte Reuter, entsprechend groß sei der Andrang an den Kinderkarussells gewesen. Reuter vermutete, die zweitägige Veranstaltung könne für manche Besucher ein Ersatz für die Taunuskerb gewesen sein. Die Oberurseler Kerb war in diesem Jahr aufgrund städtischer Sparmaßnahmen kleiner ausgefallen als in der Vergangenheit. she

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