+
Ziemlich menschenscheu sind Ratten, aber diese Abneigung von Ratte und Mensch beruht auf Gegenseitigkeit.

Erhöhtes Vorkommen

Mehr Ratten werden im Usinger Land gesichtet

  • schließen

Sowohl in Usingen als auch in Weilrod haben Bürger Ratten gesichtet und Gemeinde beziehungsweise Stadt alarmiert. Die Kommunen im Usinger Land gehen regelmäßig gegen die Schädlinge vor, raten aber ihren Bürgern auch davon ab, Ratten auf eigene Faust zu bekämpfen.

In einem Weilroder Ortsteil gab es zuletzt ein erhöhtes Rattenvorkommen. Nach Informationen von Bauhofleiter Dieter Veidt handelt es sich bei dem Ort um Hasselbach. Bauamtsleiter Carsten Filges bestätigte, dass zwei Bürger aus Hasselbach die Gemeinde über eine Rattensichtung informiert haben. „Am gleichen Tag wurde der Schädlingsbekämpfer beauftragt und am darauffolgenden Tag war dieser vor Ort“, sagte Filges.

Die Ursachenforschung läuft, ein paar Erklärungsansätze gibt es aber schon. Die Gemeinde geht davon aus, dass der sehr trockene Sommer eine mögliche Ursache war. Eine andere, „dass Mitbürger verbotenerweise Speise- und Lebensmittelreste über das WC entsorgen und sich somit ein reichhaltiges Nahrungsangebot für die Ratten entwickelt hat“, sagte Filges. „Der Regen, der sonst diese Sachen über den Kanal mit zur Kläranlage transportiert, blieb in diesem Sommer sehr oft aus.“

Löcher in gelben Säcken

Nicht nur in Hasselbach, auch in Usingen wurden Ratten in der Wirthstraße und in der Straße Klapperfeld gesehen. Anwohner berichteten zudem von angeknabberten gelben Säcken. Usingens Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) sagte, dass den zuständigen Fachämtern dazu keine Informationen vorliegen. Er verwies jedoch auf die jährliche Rattenbekämpfung, die erst kürzlich stattgefunden habe. „Eine Fachfirma legt dafür Köder in den Kanalschächten aus. Nach ein paar Wochen erfolgt eine Nachkontrolle, wobei je nach Bedarf erneut Köder ausgelegt werden“, sagte Wernard.

Geregnet hat es in den vergangenen Wochen reichlich, somit funktioniert auch der Abfall-Transport Richtung Kläranlage wieder. Doch die häufigeren Rattenbeobachtungen nur auf den regenarmen Sommer zu schieben, greift zu kurz. Denn oftmals ist das Problem hausgemacht: „Bürger entsorgen, um Kosten für die Biotonne einzusparen, Speisereste auf dem Komposthaufen. Vor allem besteht, wenn Fleischreste so entsorgt werden, die Gefahr, dass Ratten angezogen werden“, so Filges.

Nicht nur der private Kompost, sondern auch die öffentliche Grünecke wird manchmal für die Entsorgung von Müll genutzt, der da nicht hingehört. „Auf keinen Fall dürfen Essensreste sowie Einstreumaterial von Hasen, Kaninchen, Hamstern, Katzen und Meerschweinchen dort abgelagert werden“, heißt es auf der Internetseite von Wehrheim dazu. All diese Dinge ziehen die Allesfresser Ratten magisch an. Ein Problem mit den Schädlingen hatte die Grünecke in Friedrichsthal in diesem Jahr. Eine Firma bekämpfte die Tiere. Diese Maßnahmen ist mittlerweile abgeschlossen, so Bürgermeister Gregor Sommer (CDU).

Köderboxen auf Grünecken

In Schmitten, Grävenwiesbach und Neu-Anspach liegen den Rathauschefs keine Informationen über von Bürgern gesichtete Ratten vor. Aber auch Neu-Anspach hat im vergangenen Jahr Ködermittel rund um seine Grünecken ausgelegt. Und zwar von einer Fachfirma und in verschlossene Köderboxen, so Bürgermeister Thomas Pauli (SPD). „Diese waren nicht zu öffnen und die Öffnung waren nur so groß, dass Ratten hinein können.“

Ratten haben bei manchen Menschen einen schlechten Ruf, zählen aber wie zum Beispiel Schmetterlinge und Eichhörnchen auch zum Tierreich. Es gibt sogar Menschen, die Raten als Haustiere halten, in anderen Kulturkreisen werden Ratten verehrt. Doch Ratten sind durch ihr Leben in der Kanalisation auch Krankheitsüberträger, zum Beispiel Überträger von Salmonellen. Ratten können nicht nur sehr gut klettern, sondern auch schwimmen. In der Kanalisation finden sie ungestörte Rückzugs- und Nistmöglichkeiten. Die Tiere sind sehr anpassungsfähig und bei der Suche nach geeignetem Fressen extrem vorsichtig.

 

Kommentar:

„Igitt – da rennt eine Ratte durch den Hof!“ Beim Anblick der Viecher läuft vielen der kalte Schauer über den Rücken, manche versetzt er regelrecht in Panik. Doch wie oft kommt es zu einer solchen Begegnung? Mir persönlich ist das erst einmal passiert – und ich war ziemlich entsetzt wie lang diese Ratte ist. Im beschaulichen Weilrod und im weihnachtlich leuchtenden Usingen sind vor einiger Zeit nun Ratten gesichtet worden, jetzt von einer Rattenplage zu sprechen wäre übertriebene Panikmache. Die Kommunen nehmen jeden Anruf diesbezüglich sehr ernst.

Fest steht jedoch, dass die „Rattenplage“ nicht auf das Konto der Ratten geht, sondern auf das der Menschen mit ihrer fehlgeleiteten Biomüllentsorgung. Ist doch kein Wunder, dass sich die Ratten im Kanal den Ranzen vollfressen und ab und zu auch mal Tageslicht brauchen. Nicht nur, dass die Kanalisation fester Teil jedes Wohngebiets ist. Das Problem ist vielmehr, dass die Rathäuser zwar wie ein Mantra wiederholen: „Keine Essensreste ins Klo kippen“, aber viele Bürger sich schlicht aus Ignoranz nicht daran halten.

Dabei sollte in jedem Haushalt und mit guter Regelmäßigkeit gelten: Ab in die schwarze Tonne mit Essensresten – da kommt keine Ratte dran.

Und auch nicht Fleischreste auf dem Kompost entsorgen. Damit lockt man sowohl Ratten als auch Waschbären, Füchse oder sogar Wildschweine an.

Lesen Sie auch: Rattenplage in Frankfurt: Anwohner sind verzweifelt, Politik muss eingreifen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare