Katholische Kirche

Missbrauchsopfer: Der gläubige Katholik Hans-Georg Dahl will Verbindungspartner sein

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Das Bistum Limburg hat einen Mann aus dem Taunus zum Beauftragten bei Missbrauchsverdacht benannt. Der gläubige Katholik ist kein Psychologe, er hat aber viel Erfahrung im Umgang mit Menschen.

1670 Priester und andere Mitarbeiter der katholischen Kirche haben sich zwischen 1946 und 2014 in des Missbrauchs an Minderjährigen schuldig gemacht, 3677 Kinder und Jugendliche wurden als Opfer aktenkundig – mehr als die Hälfte von ihnen sind männlich. Die Nachricht der inoffiziell bekannt gewordenen Ergebnisse einer Studie, die die deutschen Bischöfe in Auftrag gegeben hatten, hatte vor wenigen Tagen für viel Aufsehen gesorgt. Die Zahlen sind, so wird schon jetzt kolportiert, schockierend – auch, weil von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist.

Wie viele Täter und Opfer im heimischen Bistum Limburg zu beklagen sind, soll offiziell am 25. September auf einer Pressekonferenz erläutert werden. Vor wenigen Jahren richtete die Kirche das Amt des Beauftragten bei Missbrauchsverdacht auch in den einzelnen Bistümern ein. Alle drei Jahre beruft der Bischof einen neuen Beauftragten; nach dem bisherigen Ansprechpartner Roman Dembczyk hat am 1. September Hans-Georg Dahl aus dem Hochtaunuskreis dieses verantwortungsvolle Amt übernommen.

Wer bei dem 61-Jährigen anruft, wird vermutlich zunächst einmal auf einen Anrufbeantworter sprechen. Dahl nimmt sodann Kontakt auf, und der Anrufer kann sich, wenn er will, auch erst einmal aussprechen. Dahl wird zuhören, die Anrufer aber nicht psychologisch betreuen. „Ich bin eher der Verbindungspartner“, erläutert er – zwischen dem Betroffenen und jenen, die sich dann um diesen kümmern, um das Geschehene zu benennen und das Leben der Missbrauchten zumindest einigermaßen wieder zum Positiven zu wenden. Also Psychotherapeuten und Juristen.

„Wir dürfen nicht nur Täter und Opfer sehen“, sagt Dahl. „Wir müssen das gesamte System sehen.“ Denn natürlich verbietet es sich für viele Anrufer – wenn sie überhaupt den Schritt wagen –, den Namen des Täters oder der betreffenden Einrichtung zu nennen, weil sie glauben, dadurch als Opfer identifiziert zu werden. „Viele Betroffene wollen anonym bleiben“, so Dahl. „Wir machen ein Pseudonym aus, damit ich sie ansprechen kann.“

„Zwei oder drei“ männliche Betroffene aus dem Bistum Limburg hätten in den ersten Tagen schon bei ihm angerufen, erklärt Dahl. Betroffen, das kann bedeuten, dass sich eine Person – Kind oder Erwachsener – in einer akuten Missbrauchssituation befindet. Oder aber, dass der Fall bereits Jahre zurückliegt und der oder die inzwischen Erwachsene sich entschlossen hat, jetzt darüber zu reden.

Auch Eltern von Opfern – etwa von Kommunionskindern, Firmlingen oder Messdienern – können sich direkt an Dahl wenden. „Er nimmt zudem Hinweise auf sexuellen Missbrauch an Minderjährigen und erwachsenen Schutzbefohlenen durch Kleriker, Ordensangehörige oder andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kirchlichen Dienst entgegen“, wie das Bistum schreibt.

Das Amt ist nicht als Vollzeitstelle angelegt – in der verbleibenden Zeit will sich Dahl weiterhin seiner eigenen Firma widmen (siehe Box).

Der 61-Jährige hat selbst keine schlechten Erfahrungen mit der Kirche gemacht – im Gegenteil. „Ich bin katholisch von Kindheit an und engagiere mich jetzt in meiner Gemeinde“, berichtet er. Welche im Taunus dies ist, möchte er mit Hinweis auf seine Privatsphäre nicht preisgeben.

Im Beruf habe er zuweilen „Spott und Hohn“ geerntet, als er sagte, er sei gläubiger Katholik. Nun sei ihm wichtig zu zeigen, dass es „zwei Gesichter der Kirche“ gebe. Er hofft, in den nächsten drei Jahren viel für Opfer tun, aber auch zeigen zu können, dass die Kirche auch eine gute Seite habe. „Nicht jeder Priester ist ein Kinderschänder“, sagt Dahl. „ Aber jeder Priester, der dieses Verbrechen begangen hat, ist einer zu viel.“

Kontakt

Hans-Georg Dahl ist telefonisch unter (0 69) 80 08 71 82 10 und 01 72–3 00 55 78 erreichbar sowie per E-Mail an beauftragter@bistumlimburg.de.

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