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Mit der Wünschelrute unterwegs: Wie Mönstadt eine Wasserversorgung bekam

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Bauamtsleiter Jan Fischer mit den Stollen-Plänen von den Mönstädter Fußwiesen von 1914. © Andreas Romahn

Nach mehreren Dürresommern und vor dem Hintergrund des Klimawandels ist die Versorgung mit Wasser ein zentrales Thema - auch in Grävenwiesbach. Grund genug, auf die Anfänge der Wasserversorgung in Mönstadt zu blicken.

Grävenwiesbach-Mönstadt. Seit zwei Wochen wird mit der Verbundleitung von Mönstadt nach Grävenwiesbach das Herzstück der künftigen Wasserversorgung der Gemeinde Grävenwiesbach gebaut. Die Sicherstellung der Wasserversorgung ist in der Gemeindepolitik das nachhaltige Projekt zum Erhalt der Lebensqualität kommender Generationen.

Mit der Erneuerung von 1,5 Kilometer Wasserleitung vom Stollen Fußwiesen zum Hochbehälter Mönstadt werden die Frischwasser-Kapazitäten von rund 2000 auf möglicherweise 16 000 Kubikmeter Wasser jährlich gesteigert. Die Schürfung Fußwiesen leistet seit mehr als 100 Jahren einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Lebensqualität für die Mönstädter. Doch wie wurden die Fußwiesen zum Wasserreservoir für der Gemeinde? Und wer hat das Mönstädter Wasser überhaupt entdeckt?

Die Wassergeschichte Mönstadts beginnt im Jahr 1913

Ein Spaziergang mit dem Ehrenbürger und Heimatforscher Karl Moses zur idyllischen Gemarkung an den Fußwiesen führt zur Wassergeschichte Mönstadts, die etwa 1913 begann. Hier ist die Quelle des Welschbaches, der zwischen Heinzenberg und Audenschmiede in die Weil fließt. Bereits um die Jahrhundertwende bauten die Gemeinden im Usinger Land ihre ersten Wasserleitungen von Stollen und Schürfungen zu den Orten, wo die Dorfbrunnen zur Wasserversorgung nicht mehr ausreichten. Das 300 Meter hochgelegene Dorf Mönstadt hatte bis dato überhaupt kein Wasser. »Die Grävenwiesbacher erteilten uns eine Absage«, erklärt Heimatforscher Moses und erinnert daran, dass es vor 120 Jahren keine interkommunale Zusammenarbeit beim Bau einer Wasserleitung gab. Stattdessen mussten sich die Mönstädter selbst vor dem Ersten Weltkrieg in ihrer Gemarkung auf die Suche nach Wasser begeben.

Im Bauamt der Gemeinde Grävenwiesbach befindet sich noch ein vom damaligen Mönstädter Bürgermeister Laut am 24. Juni 1914, vier Wochen vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, unterzeichneter Lageplan. Dieser skizziert das Wasserwerk mit der Zuleitung von den Fußwiesen nach Mönstadt. In dem vom Landramtsamt Usingen im Juni 1914 per Stempel und Unterschrift bestätigten Plan sind neben der Zuleitung auch die Schürfung Fußwiesen sowie ein zu bauender Sammelbehälter und eine Ableitung ausgewiesen. Der Hochbehälter und die Leitung wurden vermutlich nach dem Weltkrieg in den 1920er Jahren gebaut.

In den 1930er Jahren herrschte erneut erhebliche Wasserknappheit in Mönstadt. Daraufhin ergriffen drei Mönstädter Bürger Eigeninitiative und begaben sich selbst auf die Suche nach neuen Wasservorkommen. Karl Becker, Adolf Moses, der Vater von Karl Moses, sowie Albert Stadel waren in den Jahren 1936 und 1937 an den Fußwiesen unterwegs. Sie suchten mit der Wünschelrute dort nach Wasser, wo noch niemand vorher gesucht hatte. Tatsächlich schlug bei einem Rutengang das Y-förmige Instrument aus und zeigte Anziehungskräfte an, die eine Wasserader vermuten ließen. Mit Hacke und Schaufel gruben die drei Mönstädter einen Stollen und gelangten zur Schürfung.

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Ehrenbürger Karl Moses an der Schürfung von 1938, wo sein Vater Adolf das Mönstädter Wasser fand. © Andreas Romahn

Ehrenbürger und Heimatforscher Karl Moses ist Zeitzeuge

Als fünfjähriges Kind war Karl Moses Zeitzeuge, denn er brachte den drei Wassergräbern das Essen. Aus Eisenrohren der Firma Buderus in Wetzlar wurde eine erste Rohrleitung gebaut. Die stolzen Finder des kostbaren, lebenspendenden Nasses erzielten jedoch keinen Profit aus ihrer Entdeckung. Sie wurden seinerzeit von der Gemeinde Mönstadt nur für ihre Arbeitsstunden bezahlt und erhielten keinerlei weitere Vergütung.

Noch heute ist der historische Wasserfund sichtbar dokumentiert. Denn über dem Eingang zum Stollen steht in Stein gemeißelt die Jahreszahl 1938. Die Grävenwiesbacher Baufirma Ohly hatte seinerzeit den Stollen ausgebaut. Von hier lief das Wasser in den alten Hochbehälter Mönstadt. Vor dem Krieg war Wasser umsonst. Erst nach 1945, erinnerte sich Moses, wurde pauschal für Wasser bezahlt und erst später Wasserzähler in den Häusern eingebaut. Da die Gemarkung Fußwiesen seit 1870 zum Staatswald gehörte, musste die Gemeinde Mönstadt für das Wasser Pacht an den Staat entrichten. Karl Moses, von 1955 bis 1972 Kämmerer der selbstständigen Gemeinde, bezifferte die Kosten für das Wasserrecht jährlich auf 50 D-Mark, sowie 5 D-Mark Pacht jährlich für den Stollen.

Wassergewinnung in den Fußwiesen ist zuletzt stark gesunken

In den 1970er Jahren unternahm die Gemeinde zusätzlich Tiefen- und Brunnenbohrungen. Mit dem Bau des neuen Hochbehälters oberhalb des Sportplatzes wurde die Wasserversorgung Mönstadts komplett neu aufgestellt. Die alte Leitung vom Stollen zum Tiefbrunnen wies mit der Zeit mehrere schadhafte Stellen auf und sollte saniert werden. Bauamtsleiter Jan Fischer bezifferte den Durchfluss im vergangenen Jahrzehnt wie folgt: Waren es 2010 noch 8000 Kubikmeter Wasser jährlich, so verringerte sich der Durchfluss 2016 auf 6000 Kubikmeter, während der Dürreperiode 2020 sank die Wassergewinnung von den Fußwiesen weiter auf nur noch 4500 Kubikmeter.

Mit der Verlegung der neuen Wasserleitung 2022 sowie weiterer Sanierungs- und Ertüchtigungsmaßnahmen (wir berichteten) soll die Maximalleistung von 16 000 Kubikmetern Frischwasser jährlich erreicht werden. 108 Jahre Wassergeschichte in Mönstadt werden fortgeschrieben und die Fußwiesen sollen weiter zur Wasserversorgung der Gemeinde beitragen.

Andreas Romahn

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