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Mit Linse auf Endeckungsreise

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Apfelblüten sind für Harald Kalbhenn nicht nur Fotomotiv, sondern auch Anlass, an die Photosynthese zu erinnern. © Red

Neu-Anspach (mai). Seine Foto-Führungen im Hessenpark beginnt Harald Kalbhenn gerne mit dem Urknall und dem Satz des Sokrates: »Ich weiß, dass ich nichts weiß.« Und er erklärt beim fotografischen Natur-Rundgang, wie viel es über die Schöpfung mit ihren Elementen noch zu erforschen gilt und wie vieles noch unbekannt ist. Vom Licht und vom Wasser, von der Luft bis zur Erde, dem Boden.

Der Klimawandel und die damit verbundenen Veränderungen sind Themen, die Kalbhenn deutlich macht und die gut zu den Aufgaben des einladenden Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Usingen/Neu-Anspach passen. Er ist froh, dass der Hessenpark die Artenvielfalt mehr in den Fokus nehmen möchte und Besucher informiert. Der 69-Jährige arbeitet dort seit 2014 als ehrenamtlicher Führer, hat sich schon zu Beginn der Fotografie gewidmet, hat aber seit 2018 die Natur noch einmal neu für sich entdeckt, und verbindet jetzt beides miteinander.

In Totgeglaubten steckt noch Leben

So führt sein erster Weg zum großen, viereckigen Brunnen, um Insekten zu retten und Wasserläufer zu beobachten. Einen von ihnen trifft er beim Stolzieren über die glatte Wasseroberfläche an. Sie und auch die Rückenschwimmer mit ihrer Luftblase am Bauch braucht er nicht zu retten, aber von Wildbienen bis zu winzigen Käfern gibt es genügend Getier, das unfreiwillig Bekanntschaft mit dem Wasser gemacht hat. Kalbhenn holt sie liebevoll mit einem Blatt Papier heraus und setzt sie zum Trocknen auf einer Mauerkante ab. Meist steckt in Totgeglaubten noch viel Leben drin. Fotomotive bieten sich dabei genügend.

Bei seinen Rundgängen weist er auch auf lohnende Motive und Ereignisse am Wegesrand hin, an denen die Besucher oft achtlos vorbeigehen, und er rückt sie fürs Foto ins rechte Licht. Etwa die Wildbienen auf dem unscheinbaren Erdhügel, den Kalbhenn nicht umsonst Wildbienenhügel nennt. Auf rotbraunem Lehm suchen sie zwischen Huflattich, Löwenzahn und Schafgarbe ein für ihre Brut passendes Loch. Spinnentieren nimmt der Naturfreund ihren schlechten Ruf, indem er erzählt, wie nützlich sie sind.

Im tiefschwarzen Komposthaufen, herrscht - wenn dieser lange genug gereift ist - eine kaum zu überbietende Artenvielfalt an Käfern, Würmern, Pilzen und Bakterien, aber für kontrastreiche Bilder hilft der Hobbyfotograf nach: Zwei Hände voll Humus herausgeholt und zwei Gänseblümchen hineingesteckt, das lässt sich gut fotografieren. Wenn sich noch eine Feuerwalze einfangen lässt, ist die Komposition perfekt.

Welche Kamera die Teilnehmer nutzen, sei gleich, so Kalbhenn. »Die beste Kamera ist die, die man parat hat.« Für Schnappschüsse seien große Ausrüstungen eher hinderlich. Auf jeden Fall sollte man sich mit seinem Gerät auskennen. Ein Fotokurs sind seine Rundgänge durch den Park nicht, dennoch gibt’s Tipps: »Stellen sie ihre Kamera auf Fotoserie ein, dann erhalten sie auf jeden Fall ein brauchbares Bild.« Denn Käfer, Hummeln oder Schmetterlinge warten nicht darauf, abgelichtet zu werden. Deshalb sei die beste Zeit kurz nach Tagesbeginn, wenn Schmetterlinge durch den nächtlichen Tau noch leicht gelähmt seien.

Ameisen und die Wespenkönigin

Am Apfelbaum mit seinen zaghaft wachsenden Frühjahrs-Blättern macht Kalbhenn einen Ausflug in die Photosynthese und erläutert die Art und Weise, wie das Wasser unter der Rinde nach oben fließt und den Baum nährt. Der Haufen, in dem Tausende Waldameisen um eine tote Wespenkönigin herumwuseln, bietet Gelegenheit, in die Welt der arbeitssamen Tierchen einzutauchen.

Wer gerne fotografiert und zudem Infos zur Natur haben möchte, kann sich die nächsten Termine der Rundgänge unter dem Motto: »Natur fotografieren im Hessenpark« notieren: An den Sonntagen, 14., 21. August und am 18. September (jeweils um 11 Uhr).

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