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Trutzig und stolz stehen Bad Homburgs Innenstadtkirchen an der Dorotheenstraße. Ihre Gemeinden aber schrumpfen seit Jahren stetig. Foto: Jochen Reichwein

Kirche

Katholische und evangelische Kirche: Mitgliederschwund hält an

Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt seit Jahren - auch im Taunus. Dabei sind die Rückgänge bei den Protestanten massiver als bei den Katholiken. Doch gibt auch positive Trends.

Hochtaunus - Die Bevölkerung im Hochtaunus ist von 220 084 Personen im Jahr 2009 auf 229 573 (2018) gestiegen. Doch dieser Trend zeigt sich nicht bei den beiden großen Kirchen - im Gegenteil. Die Zahl der Kirchenmitglieder ist bei den Katholiken von 55 670 im Jahr 2009 auf 51 437 (2018) gesunken. Das entspricht einem Rückgang um 7,6 Prozent. Waren vor zehn Jahren noch 25,3 Prozent der Bevölkerung im Hochtaunus - also ein gutes Viertel - in der Katholischen Kirche, so waren es zuletzt nur noch 22,4 Prozent.

Die Zuwanderer halfen dabei, dass die Zahl nicht noch mehr sank: 2009 lag der Anteil der katholischen Kirchenmitglieder ohne deutschen Pass im Bezirk Hochtaunus noch bei 12,6 Prozent, mittlerweile sind es 17,1 Prozent. Sie kommen aus 105 Nationen, allen voran aus Polen (25 Prozent), Italien (22) und Kroatien (17).

Vom Rückgang betroffen ist der ganze Taunus. Nimmt man die Mitgliederzahl im Jahr 2009 als 100 Prozent, so hat die Katholische Kirche im Pastoralen Raum Bad Homburg/Friedrichsdorf seitdem 7 Prozent der Mitglieder verloren. In Oberursel/Steinbach waren es 7,7, in Königstein/Kronberg/Schloßborn 8 und im Usinger Land 7,9 Prozent. Im 20-Jahre-Vergleich sank die Mitgliederzahl in Bad Homburg/Friedrichsdorf von rund 17 500 auf etwa 14 800 (2018). Etwas geringer ist der Verlust im Usinger Land von etwa 13 800 (1999) auf rund 12 000 (2018). In Oberursel/Steinbach sank die Zahl von rund 16 000 (1999) auf etwa 13 700. Prognosen zufolge setzt sich der Trend fort. 2040 rechnet man im Bistum Limburg mit nur noch 27 758 Mitgliedern im Bezirk Hochtaunus. Das wäre ein Rückgang um über 40 Prozent im Vergleich zu 2018. Das Bistum geht zudem von weniger Geburten aus: Von 414 (2018) soll die Zahl auf hochgerechnet 367 Kinder im Jahr 2040 sinken.

Die aktuelle Lage sieht bei den Protestanten nicht besser aus. Im Evangelischen Dekanat Hochtaunus sank die Zahl der Mitglieder von 61 814 im Jahr 2009 auf 53 139 (2018). Das ist ein Schwund von rund 14 Prozent, mithin fast doppelt so viel wie bei den Katholiken (7,6). Im Dekanat Kronberg, zu dem außer Kronberg und Königstein der Main-Taunus-Kreis gehört, ging die Zahl von 66 399 (2009) auf 57 752 (2018) zurück. Zahlen für die einzelnen Gemeinden sind nicht erhältlich, erklärt Jens Meier, Sprecher des Dekanats Hochtaunus. Insgesamt könne man sagen, dass im Vordertaunus mehr Bewegung in der Statistik sei als im Usinger Land. "Das liegt vermutlich daran, dass im Vordertaunus wesentlich mehr Menschen zu- und wegziehen als im ländlich geprägten Usinger Land", so Meier.

Bei den Gesamtzahlen des Dekanats Hochtaunus lohnt noch ein Blick in die Kasualien. Während die Zahl der Kindstaufen seit 2009 (406) moderat abgenommen hat (2018: 361), schwankt die Zahl der Erwachsenentaufen zwischen 33 (2012) und 51 (2010), im Jahr 2018 waren es 45. Bei der Zahl der kirchlichen Trauungen zeigt sich ein positiver Trend. Von 2009 ist die Zahl von 106 auf 120 (2018) gestiegen. Konfirmierte gab es 2018 exakt 586, während es 2009 noch 754 waren. Interessant auch ein Blick auf die Kirchenaustritte bei den Protestanten: In den vergangenen zehn Jahren waren es im Dekanat Hochtaunus zwischen 476 (2009) und 704 (2018).

Der Besuch von Gottesdiensten hängt zwar nicht von einer Kirchen-Mitgliedschaft ab, dennoch sind die Zahlen interessant. Wurden bei einem Fastensonntag Anfang Februar im Jahr 2009 im Dekanat Hochtaunus insgesamt 1901 Besucher gezählt, so waren es 2018 nur noch 1676. Zum Vergleich die Zahlen von einem Karfreitag: 2576 im Jahr 2009 und 2352 im Jahr 2018. Im Gegensatz dazu sind die Besucherzahlen an Heiligabend gestiegen: 2009 wurden 23 942 gezählt, zehn Jahre später waren es 24 684.

Seit Anfang des Jahres ist die volle Pfarrstelle der evangelischen Erlöserkirchengemeinde vakant. Seit Anfang Juli ist an manchen Sonntagen Hans-Joachim Wach auf der Kanzel anzutreffen. Der 58 Jahre alte Seelsorger aus Dreieich hat von der Kirchenleitung einen Vertretungsauftrag - zur Hälfte für die 2300 Mitglieder starke Innenstadtgemeinde in Bad Homburg, zur anderen Hälfte in Frankfurt-Harheim und Nieder-Erlenbach.

Bereits Anfang des Jahres hatte Wach Pfarrerin Astrid Bender vertreten, als diese in Urlaub war. Auch in der Heilig-Geist-Kirche in Oberursel sowie in einer Gemeinde in Usingen ist er schon eingesprungen. In der Erlöserkirche ist der 58-Jährige nun längerfristig zur Unterstützung da, bis die vakante Pfarrstelle neu besetzt ist. Unter anderem wird der Aushilfspfarrer in den nächsten Monaten den Konfirmandenunterricht leiten. "Darauf freue ich mich", sagt Wach.

Dauerhaft in Bad Homburg bleiben möchte er aber aus persönlichen Gründen nicht. Wann die vakante Pfarrstelle wieder besetzt wird, ist ungewiss. Wie Probst Oliver Albrecht auf Nachfrage berichtet, ist erst eine einzige Bewerbung bei der Verwaltung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Wiesbaden eingetroffen. Der Bewerber oder die Bewerberin werde sich im Oktober der Gemeinde vorstellen. Und wenn beide nicht zusammenpassen, ergänzt Dekanantssprecher Jens-Markus Meier, werde weitergesucht. Derzeit gebe es mehr Pfarrstellen als Bewerber. Von 2025 an wird die Erlöserkirche nur noch diese eine Pfarrstelle haben. Die halbe Stelle von Pfarrerin Astrid Bender, die seit dem1. Juni 2000 unter der Mosaikkuppel predigt, wird Ende 2024 wegfallen - das hat im Frühjahr die Kirchensynode so beschlossen. "Das hat uns auch sehr betroffen gemacht", erklärt Oliver Albrecht.

In diesem Falle, ergänzt der Probst ganz offen, wäre es besser gewesen, wenn nicht die Synode - also das Kirchenparlament aus Gemeindemitgliedern und Pfarrern - entschieden hätte, in welcher Gemeinde gekürzt wird, sondern, wie früher üblich, der Dekanatssynodalvorstand (DSV). Denn die Erlöserkirche zähle zu den wichtigen, weil zentral gelegenen Gemeinden der Landeskirche wie die Katharinenkirche in Frankfurt oder die Marktkirche in Wiesbaden. Zumal Bad Homburg für die EKHN eine wichtige Stadt sei.

Auch von ihren Aktivitäten her - von dem besonderen Kirchenmusik-Programm über den interreligiösen Dialog bis hin zur Kulturnacht - sind die Erlöserkirchengemeinde und ihr imposantes Gotteshaus (dessen Dach gerade repariert wird) in der Region bedeutend. Erschwerend kommt für sie hinzu, dass bereits Ende dieses Jahres die halbe Stelle für Stadtkirchenarbeit wegfällt, die ebenfalls Astrid Bender innehat. Grund für die Kürzungen seien die stetig abnehmenden Mitgliederzahlen im EKHN-Gebiet (siehe Haupttext). ahi

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