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at Ulrich Krebs überreichte Urkunde und Saalburgpreis-Medaille an Gerhard Uhl, Vorsitzender des Taunusklub-Stammklubs, und an Bertram Huke, den Vorsitzenden des Gesamtvereins (rechts).

Auszeichnung

Kreis würdigt den Taunusklub mit dem Saalburgpreis

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Der Saalburgpreis ist die höchste Auszeichnung, die der Hochtaunuskreis für Verdienste um die Heimatforschung und -pflege vergeben kann. Entsprechend feierlich war der Rahmen bei der Preisübergabe an den Taunusklub und an David Oliver Zeyher, der den Förderpreis zuerkannt bekam. Warum Heimatpflege kein Selbstzweck, sondern in einer globalisierten Gesellschaft eine wichtige Rolle einnimmt, wurde bei der Veranstaltung deutlich

Es ist ein besonderes Jahr für den Taunusklub. Nicht nur, dass er 2018 seinen 150. Geburtstag feiern kann, im Hessenpark ist ihm eine Ausstellung „Wanderlust“ gewidmet und nun wurde er auch mit dem Saalburgpreis ausgezeichnet. Die höchste Würdigung , die der Hochtaunuskreis für Verdienst um die Heimatpflege vergeben kann.

Dass die Auszeichnung berechtigt ist, daran kann es kaum einen Zweifel geben, denn der Taunusklub mit all seinen Zweigvereinen ist weit mehr als ein Wanderverein, eine Gruppe von Personen, die sich in der freien Natur bewegen. Das soziale Engagement habe beim Taunusklub von Beginn an eine zentrale Rolle gespielt, verdeutliche Landrat Ulrich Krebs in seiner Ansprache. In der Tat hat er Taunusklub noch im 19. Jahrhundert Saatgutspenden für Landwirte organisiert, die Verlegungen von Telefonleitungen finanziert und auch die Korbflechterschule in Grävenwiesbach unterstützt.

Anwalt und Pfleger

Diesen Faden griff Jens Scheller ins einer Laudation für den Verein auf. Der Leiter des Freilichtmuseums Hessenpark unterstrich, dass der Saalburgpreis „kein simples Geschenk ist. Den Preis muss man sich verdienen“, sagte er. Der Taunusklub verstehe sich von Gründung an als ein

Anwalt und Pfleger

der Kulturlandschaft. Dabei verwies er auf die vom Taunusklub mitgetragenen Forschungen zum Obergermanisch-raetischen Limes und die Grenzsteinforschung, von denen viele ohne die Arbeit des Vereins verschwunden wären. Die Schriften, die der Verein herausgegeben habe, seien noch heute wichtige Quellen für die Heimatforscher. Darüber hinaus ist, so Scheller, der Taunusklub für die Markierung von über 2000 Kilometer Wanderwegen zuständig und erschließe vielen Menschen des Ballungsraums Rhein-Main ein riesiges Naherholungsgebiet.

Der Taunusklub trage mit seinem „ganzheitlichen Blick“ auf den Taunus bei, dass die Region sowohl identitätsstiftend sei, als auch als Heimat wahrgenommen werde. Das sei bedeutsam, denn die Frage „Woher komme ich?“, werde in einer sich globalisierenden Welt für jeden einzelnen immer zentraler und diene der notwendigen Selbstvergewisserung.

Bertram Huke, langjähriger Vorsitzender des Taunusklubs, freute sich sichtlich über die Auszeichnung. Auch er unterstrich die Bedeutung des Begriffs Heimat für den modernen Menschen. „Heimat braucht der Mensch, damit er sich wiederfinden kann. Wenn wir ein Stück weit dazu beitrage können, macht uns das stolz“, sagte er.

Keine Windräder

Er unterstrich aber auch, dass der Verein vor großen Herausforderungen stehe. „Wir brauchen in unseren Zweigvereinen aktive Vorständler“, betonte er,Nur so sei es möglich, den Anforderungen gerecht zu werden. Und deshalb gab er den anwesenden Politikern auch zwei Botschaften mit auf den Weg. „Datenschutz ist wichtig und richtig.“, sagte er. Aber bitte sorgen Sie dafür, dass die Datenschutz -Grundverordnung den Bedürfnissen gemeinnützigen Vereinen angepasst werde. Außerdem forderte er, dass der Taunuskamm frei von Windrädern bleibe. „Die Energiewende wird nicht im Taunus geschafft“, so Huke.

Umrahmt wurde die Feier vom Streichquartett des Jugend-Sinfonie Orchesters. Josefine Brockmann und Tillmann Noble (Violinen), Felix Höller (Viola) und Leo Amelung (Violoncello) boten eine musikalische Leistung der Extraklasse, die völlig zurecht mit riesigem Applaus bedacht wurde.

Info:"Versteckte Landschaften" im oberen Weiltal sichtbar gemacht

Dass im Taunusboden noch viele Geheimnisse versteckt sind, weiß man. Aber die Anzahl dürfte dann doch verblüffen: Alleine 3500 „verborgene Landschaften“ hat David Oliver Zeyher in seiner Masterarbeit entdeckt, für die er das Gebiet zwischen Weilquelle und Rod an der Weil untersucht hat. Der Kreisausschuss würdigte diese Sysiphusarbeit mit dem Förderpreis des Saalburgpreises. . Entstanden ist eine „Kulturlandschaftsanalyse des oberen Weiltals“. Zu diesem Zweck wertete der Geograf hochauflösende Karten aus, die durch Überfliegen des Untersuchungsgebiets erstellt wurden. Dabei wurde der Boden mit Laserstrahlen abgetastet. Nachdem die Vegetation herausgerechnet ist, ergeben sich äußerst detaillierte Karten der Bodentopographie ergab.

Die dabei aufgefundenen „Besonderheiten“ hat Zeyher analysiert und gedeutet. Dabei entdeckte er viele Bodenterrassen, Verhüttungsplätze, Mühlgräben und Kohlenmeiler. Sie alle zeichnen das Bild einer Kulturlandschaft, die wesentliche Bedeutung für die Eisenindustrie im Weiltal hatte. Mit seiner Masterarbeit habe Zeyher einen wesentlichen Beitrag geleistet, dass diese Zeugnisse einer frühen Kulturlandschaft nun kartiert und vor der Zerstörung bewahrt werden können. So können sie für die zukünftige Gestaltung von Themenwegen oder für Projekte der Umweltpädagogik eingesetzt werden und somit generell identitätsstiftend für die Bevölkerung wirken, verdeutlichte Dr. Rainer Dambeck von der Uni Frankfurt, der die Laudatio hielt, die Bedeutung der Forschungsarbeit. In seiner Dankesrede räumte Dvid Oliver Zeyher ein, dass er selbst überrascht gewesen sei, über die Vielzahl von Fundstellen, die sich ihm zeigten. Und er bat um Verständnis, dass seine Arbeit nicht überall zugänglich gemacht werden könne. Schließlich gelte es auch, Raubgrabungen vorzubeugen, um so die Bodendenkmäler der Nachwelt erhalten zu können. aw

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