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„Mutter Natur“ als Erzieherin

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Zum Tag des offenen Bauwagens des Waldkindergartens Trullige Trollinge kamen jede Menge Gäste. Bei Stockbrot und Würstchen informierten sie sich über das Konzept der Einrichtung und tauschten sich aus.

Von Carla Marconi

Der dreijährige Moritz sitzt bei seiner Mutter auf dem Schoß und genießt seine kleine Ruhepause. Normalerweise tobt er durch den Wald, spielt mit einem großen Ast und nutzt es als Flugzeug oder er werkelt ein bisschen herum. „Moritz liebt seine Suppenküche und sein kleines Kinderwerkzeug. Er ist ein superglückliches Waldkind, genauso wie seine drei anderen Geschwister“, sagt seine Mutter. Moritz’ Schwester sei bereits in der Vorschulgruppe, die älteren Geschwister hätten auch den Waldkindergarten Trullige Trolle besucht und es habe allen sehr gut gefallen. Die Familie gehört zu den zahlreichen Besuchern, die in diesem Jahr beim „Tag des offenen Bauwagens“ im Reichenbachtal mit von der Partie sind.

„Mit dem Tag des offenen Bauwagens möchten wir zum einen mit unseren Kindern und ihren Familien feiern zum anderen aber auch Interessierten, die Möglichkeit bieten, unsere Einrichtung kennenzulernen“, meint Julia de Graaff, die pädagogische Leiterin des Waldkindergartens.

Der Bauwagen sei der zentrale Anlaufpunkt der beiden Gruppen, die jeweils aus 20 Kindern bestehen. Schließlich sei man den ganzen Tag im Wald unterwegs und ziehe sich zum Ausruhen oder Essen in den Bauwagen zurück. „Das ist unser Konzept: Wir sind bei jedem Wetter vormittags draußen, außer bei Sturm oder einem Schneeeinbruch“, erläutert de Graaff. Während die beiden großen Gruppen für Kids im Alter zwischen drei und sechs Jahren alt sind, treffen sich die Waldzwerge, die zwischen zwei und drei Jahren alt sind, zwei Mal die Woche im Wald. Die Gruppe bestehe aus zehn Kindern.

Von Trollen und Zwergen

Unter ihnen wird auch bald der zweijährige Thomas sein. Er sitzt mit seinen Eltern am Lagerfeuer und beobachtet diese beim Stockbrot-Brutzeln. Als es ihm zu langweilig wird, rennt er ein bisschen um Vater Dirk Wingenfeld und Mutter Cilina Michel herum. Beide sind bereits sehr gespannt, wie es dem Kleinen im Waldkindergarten gefallen werde, er stehe bereits seit seiner Geburt auf der Warteliste. Sie sind sicher: „Wenn Thomas so oft draußen ist, dann ist das bestimmt gut für die Gesundheit.“

„Waldkindergärten sind im Trend“, weiß Julia de Graaff. Man habe die Vorteile erkannt. Die Kinder würden andere Erfahrungen machen als normale Kindergartenkinder. „Sie haben andere Reize und ihre Sozialkompetenz wird gefördert“, so die Leiterin. Zudem könne sie auch mögliche Bedenken ausräumen, dass Waldkinder in der Schule nicht so gut zurechtkommen würden.

„Das Gegenteil ist der Fall. Studien konnten belegen, dass sie oft sogar besser als die anderen abschneiden“, weiß de Graaff. Die Warteliste zeige, dass das Interesse der Eltern sehr groß sei. Da jedoch bei den Trulligen Trolle ein vierköpfiges Team ehrenamtlich die Geschäftsleitung des Hauses inne habe, wolle man den Kindergarten auch nicht vergrößern. Derzeit stehen drei Bauwagen zur Verfügung. Im Gebäude des Waldkindergartens findet nach dem Vormittag im Wald die Nachmittagsbetreuung statt.

„Der Waldkindergarten ist eine tolle Sache. Die Kinder erleben bewusst die Jahreszeiten mit, sie entdecken immer wieder etwas Neues, von bunten Blättern im Herbst bis hin zu tollen Blüten im Frühjahr“, sagt die Mutter des dreijährigen Moritz.

Der sitzt derweil immer noch auf ihrem Schoss und lauscht, während das Holz im Lagerfeuer knackt und knistert.

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