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Simone Gens steckte ihr Herzblut und auch finanziell einiges in die "2RaumBar". 

Cocktail aus verschiedenen Problemen

Beliebte Bar in Friedrichsdorf muss schließen: „Hier gibt es sonst nichts“

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Nachtschwärmer in Friedrichsdorf haben es nicht leicht. Jetzt macht der nächste Laden dicht. Woran liegt es?

Auf ihre Gin-Auswahl ist Simone Gens besonders stolz. "Wir hatten bis zu 50 verschiedene Sorten, darunter auch Sachen, die die Leute nicht kannten", erzählt die Frau mit den kurzen grauen Haaren. Die Phalanx an edlen Flaschen mit noch edlerem Inhalt auf der kupferbeschlagenen Theke gibt ihr Recht. Aber auch das übrige Angebot der "2RaumBar" kann sich sehen lassen. Davon zeugt der imposante, gut gefüllte Weinschrank im Hintergrund, das kleine Speiseangebot, das auf einer Schiefertafel aufgelistet ist, und vor allem das schlichte, geschmackvolle Ambiente im sogenannten Industrial-Design.

2RaumBar: „Wir hatten viele Stammgäste“

Dennoch gehen demnächst in der kleinen Bar im oberen Teil der Hugenottenstraße die Lichter aus. Nach etwa zweieinhalb Jahren, in denen sich das Etablissement im Hinterhof von Garniers Keller zu einer beliebten Adresse für Friedrichsdorfer und auch andere Taunusbewohner entwickelt hat. "Wir hatten viele Stammgäste", sagt Gens, die daneben noch einen Einrichtungsladen betreibt. Dazu kamen Parteien wie die Friedrichsdorfer FDP und CDU, die das Lokal für Veranstaltungen nutzten. Ein Buchclub traf sich dort ebenso wie Mütter von Philipp-Reis-Schülern, andere nutzten die Location für Geburtstags- und Firmenfeiern.

Und mancher nutzte die Bar, um dort nach der Arbeit noch einen Absacker zu sich zu nehmen oder am Laptop zu arbeiten, wie eine junge Frau berichtet, die an dem späten Nachmittag zusammen mit Mann, zwei Kindern und Hund hereinkommt. "Da haben sich richtige Freundschaften entwickelt."

Solche Stimmen hört man auch von anderen Gästen. "Die Bar wurde immer wieder gut frequentiert", meint auch eine Kennerin der Friedrichsdorfer Szene, die nicht namentlich genannt werden will. Selbst aus Kirdorf seien Gäste gekommen. Warum hat sich das Konzept dennoch nicht getragen? Lag es womöglich am Standort? Immerhin ist der obere Teil der Hugenottenstraße mit mehreren Spielhallen und Wettbüros bekanntlich nicht unproblematisch. Und es ist auch nicht die erste Geschäftsaufgabe in der Straße, nachdem vorher schon das "Impuls" an derselben Stelle nicht funktioniert hatte.

Natürlich sei die Hugenottenstraße ein "großes Problem", sagt Gens. "Viele sagen, sie trauen sich abends nicht, hier wegen der Wettbüros lang zu laufen." Aber allein daran lag es wohl nicht. Gens berichtet von mehreren Problemen. Etwa vom "Dinner & Dance"-Event, das sie früher einmal im Monat angeboten hat - nebst DJ, Live-Musik und Essen.

Friedrichsdorf: Suche nach Nachfolger

"Da war es extremst voll." Anwohner hätten jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht, Polizei und Ordnungsamt aktiviert. Daraufhin habe man es einstellen müssen, wie auch Fenster öffnen oder Außengastronomie in dem Hof nicht möglich gewesen seien. Und auch die Werbung am Straßenrand sei nur eingeschränkt möglich gewesen. Sonst wären sicher mehr Leute gekommen. Vor allem samstags, ein laut Gens schlechter Tag für sie. "Die Friedrichsdorfer bleiben da entweder zu Hause oder gehen richtig weg." Auch bei Veranstaltungen in der Stadt sei sie nie mit einbezogen worden. "Ich habe das Gefühl, dass es die Stadt nicht interessiert, ob hier Leben hineinkommt", meint sie. "Das ist echt schade." Immerhin würden nur einige der Anwohner die Schließung bedauern.

"Ein weiteres Handicap, mit dem die "2RaumBar" zu kämpfen hatte, waren offenbar die Preise. "Es gibt ein paar, die sagen, dass es zu hochpreisig ist", sagt Gens. Vergleiche mit dem beliebten Färberhäuschen (siehe nebenstehenden Text) weiter unten in der Hugenottenstraße seien angestellt worden.

Szene in Friedrichsdorf: „Hier gibt es sonst nichts“

Trotz aller Schwierigkeiten hatte die "2RaumBar" einen großen Fankreis, der ein Stück heimatloser wird. Was soll ich machen, wenn du nicht mehr da bist?", fragt die eingangs erwähnte junge Frau Simone Gens. "Hier gibt es sonst nichts." Ähnlich die Szenekennerin. "Wir haben nicht mehr viel, wo du hingehen kannst." Nun sei man auf der Suche nach Alternativen. Gens selbst ist derzeit im Gespräch mit einem möglichen Nachfolger. "Wenn es gut läuft, gibt es jemand, der übernimmt."

Wenn von Ausgehmöglichkeiten in der Hugenottenstraße die Rede ist, kommt die Rede schnell auf das Färberhäuschen. Im sechsten Jahr bietet Helga Walter dort eine beliebte Anlaufstation vor allem für einen Kreis von Stammkunden. Immer wieder gesellten sich neue Gäste dazu, sagt "Helga", wie die 76-Jährige von allen genannt wird. Nein, die Hugenottenstraße sei für sie kein Nachteil - zumindest "bis hier", sagt sie. Weiter oben fange es an, problematisch zu werden. Sie sei jedenfalls sehr zufrieden. 

ks

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