Traditionsverein CV Heiterkeit

Narren: Ansturm auf den Kostüm-Fundus

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Wer die perfekte Verkleidung für die fünfte Jahreszeit noch nicht gefunden hat, der konnte am Samstag beim Kostümverkauf im Vereinsheim des Carnevalvereins Heiterkeit auf die Suche gehen – dort gewähren aber auch allerlei Erinnerungsstücke Einblicke in die fast 100-jährige Geschichte des Vereins.

Es ist das Paradies eines jeden Narren: Dicht an dicht hängen die Fastnachtskostüme im niedrigen Kellerraum des Vereinsheims in der Kirdorfer Straße 77 – sortiert nach den unterschiedlichen Gruppen des Carnevalvereins Heiterkeit 1919, wie Männerballett oder Frauengruppe. Auch zahlreiche Requisiten haben sich hier in den letzten 15 Jahren angesammelt, etwa ein Kontrabass ohne Saiten und eine Affenmaske aus Plastik, die auf einem Regal auf ihren nächsten Einsatz wartet. „Von Zeit zu Zeit müssen wir einfach aus Platzgründen unseren Fundus aussortieren. Was die Aktiven nicht mehr brauchen, wird heute verkauft“, erklärt der Erste Vorsitzende des Vereins, Hans-Georg Zettlitzer, der seit 30 Jahren bei der Heiterkeit aktiv ist. „Es ist nicht unser erster Kostümverkauf. Wir haben es schon einmal im November versucht, aber kurz vor Weihnachten sind die Leute einfach mit anderen Dingen beschäftigt“, ergänzt der 59-Jährige.

Ein Stockwerk höher ist der Verkauf bereits in vollem Gange: Die Auswahl ist groß und reicht beispielsweise von einem blau schillernden

Traum aus 1001 Nacht

bis hin zum obligatorischen Clownskostüm. „Die ersten Schnäppchenjäger waren schon um zehn Uhr da. Wir sind positiv überrascht, wie gut unser Angebot angenommen wird“, freut sich Monika Hett-Kinzl, die unter anderem die Kindertanzgruppe „Minis“ trainiert.

Wer die Dekoration an den weiß getünchten Wänden – bestehend aus Fotos, Orden und Standarten – näher betrachtet, der findet unter anderem eine gerahmte Kopie der Gründungsurkunde von 1919. Zu den zwölf Gründungsmitgliedern, die am 12. Dezember 1919 in der Gaststätte „Stadt Friedberg“ in der Friedberger Straße den Verein aus der Taufe hoben, zählte auch der spätere Kassenwart Adam Weiser – dessen Enkelin Christel ist die Ehefrau von Hans-Georg Zettlitzer und hilft heute ebenfalls beim Kostümverkauf. Ihre Leidenschaft für die Fastnacht gab das Ehepaar auch an die folgende Generation weiter: Tochter Bianca Conradi war als Bianca I. im Jahr 2007 Fastnachtsprinzessin und ist nach wie vor bei der Heiterkeit aktiv, etwa als Sitzungspräsidentin der Weiberfastnacht.

In Eigenregie erbauten die Aktiven vor mehr als 15 Jahren das heutige Vereinsheim – sozusagen an historischer Stätte. Dort, wo sich einst die „Metzgerei Schorsch“ befand – so jedenfalls wurde die Kirdorfer Institution im Volksmund bezeichnet – wurde schon früher Fastnacht gefeiert. An jene Sitzungen kann sich Valentin Gottlieb noch erinnern, der seit 1950 dem Carnevalverein Heiterkeit die Treue hält und sich am Tresen gerade ein Paar Frankfurter Würstchen schmecken lässt. „Dort, wo ich gerade sitze, befand sich früher ein Kanonenofen. Wer nach dem Krieg zu den Sitzungen kam, musste als Eintritt ein Brikett, Holz oder Kohle mitbringen, damit überhaupt geheizt werden konnte. Wer unmittelbar vor dem Ofen saß, schwitzte. Wer weiter hinten im Saal einen Platz hatte, der fror“, berichtet Gottlieb lachend.

Im Kirdorfer Bürgerhaus, wo seit 1977 alljährlich die Fastnachtssitzungen des Vereins stattfinden, haben die Vorbereitungen für die erste von zwei Sitzungen am kommenden Samstag bereits begonnen: „Gestern haben wir zwei Lkw-

Ladungen an Technik und sonstigem Equipment ins Bürgerhaus gebracht. Heute beginnen wir mit dem Aufbau, am Donnerstag und Freitag finden dann die Generalproben statt“, so Zettlitzer, der im zwölften Jahr als Sitzungspräsident dem Elferrat vorsteht.

Und auch die Planungen für die Kampagne 2015/2016 laufen bereits auf Hochtouren: Immerhin wird die Bad Homburger Tollität dann wieder vom Carnevalverein Heiterkeit 1919 gestellt. Wer das Amt übernimmt, steht bereits fest – ist aber streng geheim. Nur so viel gibt Hans-Georg Zettlitzer preis: „Am 14. November 2015 findet die Inthronisation statt.“

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