Natur und Geschichte: Vom Roten Kreuz zur Saalburg wandern

Sie sind fasziniert von der Schönheit der Natur, haben eine Leidenschaft fürs Wandern und lieben die Geselligkeit: Die Mitglieder des Taunusklubs, die sich auf 24 Zweigvereine verteilen, kennen den Taunus wie kaum eine andere Gruppe. Vor 150 Jahren hatte sich der Verein gegründet – passend dazu präsentieren die passionierten Wanderer den TZ-Lesern in ihrem Jubiläumsjahr ihre 15 schönsten Touren. Im heutigen Serienteil geht es um den Limeserlebnispfad.

Die Wanderung beginnt in 688 Meter Höhe am „Roten Kreuz“, dem höchsten Pass im , der schon zu römischer Zeit als Grenzübergang diente. Das aus rotem Sandstein gefertigte Kreuz, früher aus rot gestrichenem Holz gearbeitet, soll an zwei Kinder erinnern, die hier erfroren waren. Heute befindet sich an dieser Stelle neben Parkplätzen und einer Busstation auch eine Einkehrmöglichkeit.

Die Wanderung kreuzt auf dem Limeserlebnispfad nach wenigen Metern den Limes. Eine Informationstafel macht darauf aufmerksam. Nach gut 600 Metern erreicht man auf dem Wanderweg das zum Teil rekonstruierte 0,7 Hektar große Feldbergkastell, das mit rund 700 Metern Höhe höchstgelegene Militärlager des gesamten Obergermanisch-Raetischen Limes. Es wurde um 150 nach Christus erbaut und bot Unterkunft für etwa 160 Soldaten. Informationstafeln erklären die gesamte Anlage. Auch eine Besichtigung des sich anschließenden Kastellbades ist empfehlenswert.

Weiter führt der Limeserlebnispfad mit nur geringen Höhenunterschieden durch den Wald, bis man nach einem Kilometer an einer Wegkreuzung erneut auf den Limes triff. Der Weg führt zunächst rechts der römischen Grenzanlage entlang zum Taunusklub-Ehrenmal. Es erinnert an die in den beiden Weltkriegen gefallenen Mitglieder. Jedes Jahr im Oktober findet hier eine Gedenkfeier für die im Laufe des vergangenen Jahres verstorbenen Mitglieder statt.

Kurz darauf führt der Weg bergab zum Sandplacken. Der Taunuspass liegt auf 669 Meter Höhe. Auch bei ihm handelt es sich um einen alten Taunusübergang, der auch schon in römischer Zeit genutzt wurde. Außer einer Busstation gibt es hier zwei Einkehrmöglichkeiten. Leicht abseits vom Weg, aber durch einen Hinweis gut erreichbar, ist die nächste Station des Limeserlebnispfads, das Alte Jagdhaus. Auch hier gibt eine Infotafel Auskünfte über die kleine Anlage.

Dem Limeserlebnispfad weiter folgend wird vorbei am Klingenkopf, auf dem sich die vom Taunusklub restaurierten Grundmauern eines römischen Wachturms befinden, gewandert, um bald auf den deutlich sichtbaren Limes zu treffen, an dem der Weg nunmehr für eine längere Strecke entlangführt. Sichtbar ist nach fast 2000 Jahren noch der Erdwall der Grenzanlage. Begonnen wurde mit der Grenzbefestigung des römischen Reichs um. 69 nach Christus durch Anlage von Schneisen im Wald, um Grenzgänger erkennen zu können. Danach wurde die Grenzanlage in verschiedenen Bauphasen durch einen Erdwall mit Graben und eine Palisade verstärkt. Eine gute Rekonstruktion ist hinter der Saalburg zu sehen.

Aufgegeben wurde der Limes um 260 nach Christus. Es war keine Wehranlage zur Verteidigung des Römerreichs, sondern lediglich ein Annäherungshindernis, das die Überschreitung der Grenze erschweren und so die Überwachung erleichtern sollte. Das Grenzland war unter der römischen Herrschaft zu einem gewissen Wohlstand gelangt und verlockte die Germanen zu Überfällen. Außerdem hatte der Limes die Aufgabe, den Personen- und Warenverkehr an wenigen, festgelegten Übergangsstellen zu kontrollieren. Im Jahr 2005 wurde der Limes als größtes Bodendenkmal Europas von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt.

Direkt am Wegesrand erreicht der Limeserlebnispfad, der auf weiten Strecken parallel mit dem vom Taunusklub markierten Taunushöhenweg und dem europäischen Fernwanderweg E 3 markiert ist, das Kleinkastell Heidenstock, wiederum gibt eine Informationstafel dem Wanderer Auskunft über die Anlage.

Danach führt der Weg auf den Roßkopf (632 Meter). Hier besteht die Möglichkeit, dem Limeserlebnispfad am an vielen Stellen deutlich sichtbaren Limes weiter zur Saalburg zu folgen oder auf den Taunushöhenweg, markiert mit einem „T“, abzubiegen. Der Taunushöhenweg führt vorbei am Herzberg, auf dem sich ein Ausflugslokal mit Aussichtsturm befindet, zum Marmorstein, einer Felsgruppe aus Taunusquarzit mit schöner Aussicht, zur Saalburg. Kurz vor dem Ziel erreicht dieser Weg die Kopie einer römischen Jupitersäule.

Beide Wege treffen sich wieder am Kastell Saalburg, das ebenfalls einen Grenzübergang bewachte. Rechts neben dem eigentlichen Kastell befinden sich zwei Schanzen, die Vorgänger des Kastells.

Die Saalburg selbst gilt als das best erforschte und am vollständigsten rekonstruierte Kastell des Limes. In den Jahren 1898 bis 1907 entstanden die wiederaufgebauten Teile des Saalburgkastells. Kaiser Wilhelm II ließ sich von Prof. Louis Jacobi dazu bewegen, die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen. Die 3,2 Hektar große Rekonstruktion wurde auf den Grundmauern des ursprünglichen Kastells wiederaufgebaut, das einst mit einer 500 Mann starken Kohorte belegt war. Ein Besuch im Museum im Kastell ist zum Abschluss der Wanderung lohnend. Hier wird ein lebendiger Eindruck vom Leben am Limes vor fast 1900 Jahren vermittelt

Die Wanderung kann übrigens in einen ersten und zweiten Teil aufgeteilt werden. Vom Roten Kreuz zum Sandplacken und vom Sandplacken zur Saalburg. Die einfache Streckenlänge der Teilabschnitte beträgt fünf beziehungsweise acht Kilometer.

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