Vogelstimmenwanderungen

Die Natur näherbringen

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Acht Ober-Erlenbacher haben vor 20 Jahren die NABU-Gruppe Erlenbachtal gegründet. Seitdem haben die Naturschützer im Stadtteil viel bewirkt.

Still verharrt die kleine Gruppe von rund zehn Personen auf einem Feldweg zwischen Ober- und Nieder-Erlenbach vor einer Hecke und lauscht konzentriert. „Wir hören links eine Mönchsgrasmücke singen, rechts zwitschert ein Zaunkönig, und weiter hinten ist auch noch eine Heckenbraunelle zu hören“, erklärt Reiner Merkel von der NABU-Gruppe Erlenbachtal.

Seit vielen Jahren werden schon im Frühjahr diese frühmorgendlichen Touren angeboten. Und die werden trotz des damit verbundenen frühen Aufstehens gut angenommen. Viele, die einmal dabei waren, lassen sich auch die weiteren Führungen nicht entgehen, was auch an der Art und Weise liegt, wie Merkel die heimische Vogelwelt den Teilnehmern näher bringt. Da werden Nistkastentypen erklärt, auch mal Vogelfedern gezeigt und vor allem die Merkmale der verschiedenen Vogelgesänge erläutert und Tipps gegeben, wie man ähnlich aussehende Vogelarten unterscheiden kann.

Als sich heute vor 20 Jahren acht Ober-Erlenbacher, nämlich außer Reiner Merkel noch Alfred Mag, Thomas Remer, Hans Bruckner, Wolfgang Kunz, Michael Ohlenschläger, Christa Merkel und Gisela See, in der Erlenbach-Halle trafen, gründeten sie die NABU-Gruppe Erlenbachtal. Zielsetzung des neuen Vereins war es, „die Natur den interessierten Bürgern näherzubringen“. Von 2002 bis 2005 organisierte der Verein deshalb die Ober-Erlenbacher Naturschutzwoche. Dabei gab es verschiedene Veranstaltungen mit Vorträgen über Fledermäuse und Schmetterlinge bis hin zu verschiedenen naturkundlichen Exkursionen im Umfeld von Ober-Erlenbach. Seit 2006 gibt es bereits die Ober-Erlenbacher Naturtage (siehe „Info“). Die jährliche Veranstaltungsreihe von Ende März bis Anfang Juni beinhaltet Vogelstimmenwanderungen, ornithologische Führungen und botanische Exkursionen im Umfeld von Ober-Erlenbach und auch Touren zu interessanten Naturschutzgebieten sowie reine Orchideen-Exkursionen.

Anfängliche Befürchtungen, es gäbe Irritationen, weil es in Ober-Erlenbach zum Zeitpunkt der Gründung bereits eine NABU-Gruppe Vogelschutz gab, sind längst verflogen. „Wir haben 1999 gemeinsam im Tannenwäldchen eine Pflanzaktion durchgeführt. Spätestens da war klar, dass wir uns keine Konkurrenz machen, sondern uns gut ergänzen“, so Merkel.

Und auch für die Natur hat sich die Aktion gelohnt: Die kleinen Stecklinge sind im Laufe der 18 Jahre zu stattlichen Bäumen herangewachsen, an denen seit Oktober 2014 rund 60 Nisthöhlen für Meisen, Fliegenschnäpper, Kleiber, Bachstelze, Rotkehlchen und Co. hängen. Im Wesentlichen betreuen die „Erlenbachtaler“ das Gebiet östlich von Ober-Erlenbach bachabwärts, die Vogelschutzgruppe das Gebiet westlich des Stadtteils.

Während die Ober-Erlenbacher Naturtage die Aktion sind, mit der die NABU-Gruppe in die Öffentlichkeit tritt, geschehen viele weitere Maßnahmen im Verborgenen. Da werden Insektenhotels und Futterhäuser gebaut, Fledermauskästen in Kolonien aufgehängt, und regelmäßig Bach- und Flurreinigungen, Mäh- und Schneidearbeiten durchgeführt und jährlich über 120 Nisthöhlen kontrolliert und gereinigt. Von 2004 bis 2007 organisierte die vereinseigene Jugendgruppe „Die Sperber“ gemeinsam mit der örtlichen SPD die Geburtsbaum-Anpflanzungen.

Aktuell hat die NABU-Gruppe Erlenbachtal 35 Mitglieder. Der Vorstand setzt sich zusammen aus dem 1. Vorsitzenden Reiner Merkel, dem 2. Vorsitzenden Alfons Kottler, den beiden Schriftführerinnen Christa und Christiane Merkel, der Kassiererin Anna Guenon sowie dem Pressewart Kurt Raisch.

Weitere Informationen zum NABU-Erlenbachtal gibt es unter (0 61 72) 45 82 14 oder per E-Mail unter nabu-erlenbachtal@t-online.de. Interessierte können auch an den monatlichen Treffen teilnehmen. Die Zeiten können telefonisch oder per E-Mail erfragt werden.

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