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Neu-Anspach: Gutachter sieht viele Straßen in schlechtem Zustand

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Von: Christina Jung

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In der Adolf-Reichwein-Straße lässt sich nur erahnen, dass hier Tempo 30 auf dem Straßenbelag vermerkt ist. © Christina Jung

Wie gut ist der Zustand der Neu-Anspacher Straßen? Die Stadt hat mit dieser Frage einen externen Gutachter beauftragt - und der fällt ein vernichtendes Urteil.

Neu-Anspach. »Es ist eine Information, keine Beschlussvorlage«, wiegelte Bürgermeister Thomas Pauli (SPD) Einwände aus dem Bauausschuss, was das Verständnis der Präsentation angeht, am Donnerstagabend ab. Die Verwaltung habe schon im Jahr 2018 einen externen Gutachter damit beauftragt, den Zustand des Straßennetzes in der Stadt zu eruieren und mögliche Defizite sowie Handlungsmöglichkeiten zu ermitteln.

Spezialfahrzeuge mit Kameras scannen die Straßen ab

Die Stadt hatte zudem einen Kooperationsvertrag mit der Fachfirma GSA (Gesellschaft für Straßenanalyse) abgeschlossen, die die Straßenzustandsberichte jährlich aktualisiert und übermittelt. Franz Fippinger stellte seine Firma und die Präsentation vor und verwies auf mehr als 33 Jahre Erfahrung auf dem Sektor sowie ein ausgeklügeltes System mit Spezialkameras sowie Spezialfahrzeugen. GSA betreue mehr als 800 Projekte in Deutschland und sei darüber hinaus auch im europäischen Ausland tätig. Zudem habe man bereits mehr als 600 000 Kilometer Straßen untersucht. Dabei würden sowohl Kommunalstraßen, als auch Kreisstraßen, Firmennetze und Radwegenetze unter die Lupe genommen.

Basierend auf dem Straßenverzeichnis aus der Stadtverwaltung hat das Unternehmen die Untersuchung in vier Arbeitsschritten aufgeteilt: zunächst die Daten erfasst, dann den Zustand analysiert, alles ausgewertet und schließlich ein Straßenkataster aufgebaut.

Nach Informationen von Fippinger fahren spezielle Fahrzeuge, die für den jeweiligen Straßenverlauf geeignet sind, mit Spezialkameras an Bord die Straßen ab - ein Verfahren, das sich CamSurvey (Kameraüberwachung) nennt. Der Fachmann sprach von elf Schadensmerkmalen, die qualitativ abgespeichert werden. Die Ergebnisse könnten für mehrjährige Bauprogramme genutzt, indem damit eine Nutzen-Kosten-Analyse aufgestellt werden kann.

Gutachter warnt: Aufschieben von Sanierungsarbeiten kann teuer werden

Doch nun zu Neu-Anspach: Das gesamte Straßennetz der Kleeblattstadt umfasst 96 Kilometer. Aufgeteilt in fast 700 Teilabschnitte wurde der Zustand von 51 Straßen erfasst. Den Löwenanteil übernehmen mit knapp 39 Prozent die Wohnstraßen. 9,6 Prozent sind Hauptstraßen, 17 Prozent Geschäfts- und Verbindungsstraßen, 5 Prozent Fuß- und Radwege sowie knapp 30 Prozent Wirtschaftswege. Die meisten Straßen, 83 Prozent, sind asphaltiert, 14 Prozent sind gepflastert.

Fippinger legte dar, dass der optimale Zeitpunkt, an dem etwas an einer Straße gemacht werden sollte - im Fachjargon »Eingreifzeitpunkt« genannt - anhand der Daten ermittelt werden könne. Dabei werde auch deren tatsächliche Nutzung berücksichtigt. »Sollte ein verspäteter Zeitpunkt, sprich ein Aufschieben von Straßenunterhaltungsmaßnahmen erfolgen, spart man kein Geld«, erklärte er. Im Gegenteil - es werde deutlich teurer. Dann sei nämlich der Nachholbedarf vergleichsweise viel höher.

Das Fachbüro hat außerdem ermittelt, dass - auf zehn Jahre gerechnet - ein Bedarf von etwa 9,351 Millionen Euro besteht. Der pure Erhalt der Straßen erfordere eine halbe Million Euro pro Jahr. Der Budgetplan erfordere 400 000 Euro pro Jahr und damit auf zehn Jahre angelegt knapp 4 Millionen Euro. Die sogenannten Risiko-Strecken, so der Begriff für Straßen im schlechten Zustand, müssten zuerst in Angriff genommen werden. Seine Empfehlung richtete sich dabei auf die Adolf-Reichwein-Straße und die Wiesenau, die zunächst saniert werden sollten.

Verwaltung hat nach eigener Aussage Zustand der Brücken im Blick

In der folgenden Diskussion machte Verwaltungsmitarbeiter Markus Wolf deutlich, dass das Budget derzeit nur dafür reiche, den Status quo zu halten. Das sei aber nicht genug, »denn wir haben den Ärger mit den Bürgern«. Eine Frage betraf die Erfassung der Brücken, die, so Fippinger, nicht explizit geprüft wurden. Hier, so Wolf, habe die Verwaltung aber ein Auge darauf.

Die Präsentation wurde vom Bauausschuss, der gemeinsam mit dem Haupt- und Finanzausschuss getagt hatte, zur Kenntnis genommen. »Ich wusste zwar, dass viele unserer Straßen marode sind, aber jetzt haben wir eine Grundlage für die weitere Arbeit und die Haushaltsberatungen im Herbst«, sagte Ausschussvorsitzender Guntram Löffler (CDU).

Erfassung und Auswertung der Daten stammt übrigens von Oktober 2021.

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