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6400 Verwandte gefunden

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Von: Anja Petter

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Gerhard Schmück recherchiert meistens im Internet, aber auch in einem aus dem Sütterlin transkribierten Ausdruck der Neu-Anspacher Kirchenbücher.
Gerhard Schmück recherchiert meistens im Internet, aber auch in einem aus dem Sütterlin transkribierten Ausdruck der Neu-Anspacher Kirchenbücher. © pet

Gerhard Schmück arbeitet seit 30 Jahren am Stammbaum seiner Familie. Und er ist sogar in den USA fündig geworden.

Wer sich mit seinem eigenen Stammbaum auseinandersetzt, durchlebt nach Ansicht von Gerhard Schmück drei Stadien: Erst ist es ein Hobby, dann Passion und dann Krankheit. Der stellvertretende Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins lässt keinen Zweifel daran, welches Stadium er erreicht hat. Seit der ehemalige Versicherungskaufmann im Juli in den Ruhestand gegangen ist, beschäftigt er sich nämlich vier bis fünf Stunden am Tag mit seiner Familiengeschichte, und seine Frau Christiane rollt nur noch mit den Augen, wenn er - das I-Pad vor der Nase und auf Ancestry unterwegs, der größten Onlinequelle für Ahnenforschung, verkündet: „Ich habe wieder jemanden gefunden.“

Erst vor ein paar Tagen war es wieder einmal so weit: Schmück erfuhr von einem Groß-Cousin in Florida, denn ein Teil der Familie war einst nach Amerika ausgewandert. Albert John Powell aus Sarasota hatte sich auf der Suche nach Verwandten bei ihm gemeldet. „Seine Großmutter und mein Großvater Richard waren Geschwister“, erzählt er. „Wir haben die gleiche Menge Schmück-Blut.“

Suche noch ohne Internet

Angefangen hat alles 1989, als der Anspacher auf dem Dachboden seines Hauses den „Arier-Nachweis“ seines Großvaters Richard Schmück gefunden hat und plötzlich mehr über seine Familie wissen wollte. Damals ging die Suche noch ohne Internet vonstatten, als Quelle dienten Kirchenbücher. Weil sein Urgroßvater Conrad aus Büdingen stammte und erst später nach Gonzenheim zog, sprach er mit einem örtlichen Pfarrer und erfuhr, dass 1652 eine Vorfahrin als Hexe verbrannt wurde. Marta Schmick (das „i“ wurde durch eine Lautverschiebung später zu einem „ü“) war Hebamme und Kräuterkundige und hatte sich einst selbst angezeigt.

Vor einem Jahr hat sich Schmück auf Ancestry angemeldet. Seitdem sucht er hauptsächlich dort weiter nach Vorfahren und kann dabei auch auf die Hilfe der Community zählen. Außer dem Genealogie-Dienstleistungsunternehmen dienen ihm die Organisation „FamiliySearch“, das Soziale Netzwerk „Myheritage“ und das Landesamt für Geschichte als Quellen. Inzwischen hat er einen Stammbaum erstellt, der, wenn er ihn ausdrucken würde, zwölf Meter breit wäre. Kein Wunder: Sein Großvater hatte neun Geschwister, sein Urgroßvater acht - da kommt schon was zusammen.

Inzwischen weiß Schmück von 6400 Verwandten - sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits. Bei der Familie seiner Mutter Christel, einer geborenen Kugel, reichen seine Recherchen bis 784 (37 Generationen) zurück, bei seinem Vater Manfred bis 1624 (zehn Generationen). „Jetzt komme ich aber nicht mehr weiter“, sagt Schmück und berichtet, dass in Büdingen wegen des 30-jährigen Krieges keine Kirchenbücher vor 1650 existieren - und das ist in Neu-Anspach genauso. Hier stammen die ältesten Taufbücher von 1670. Weil es in den Dörfern früher außerdem viel Namensgleichheit gegeben hat, ist die Zuordnung zu einer Familie zusätzlich erschwert. Und so fügt Schmück inzwischen immer nur noch einzelne Personen ein, wie den bereits erwähnten Groß-Cousin aus Amerika.

Früher hätte er immer gerne einen Zwillingsbruder gehabt, erklärt Schmück seine Motivation, nach Verwandtschaft zu suchen. Weil auch sein Vater und seine Mutter Einzelkinder waren, er also auch keine Onkels, Tanten, Cousins oder Cousinen hatte, hat er sich irgendwann gefragt: „Es muss doch noch irgendwas geben, was zu mir gehört.“ Das fand sich dann, wie eingangs erwähnt, in Büdingen, wo der Name Schmück weit verbreitet ist.

Durch die Recherche wurde der Kontakt intensiver, jährliche Besuche sind inzwischen üblich, und auch die Beziehungen nach Gonzenheim, wo Nachkommen seines Urgroßvaters leben, wurden verstärkt. „Jetzt komme ich mir nicht mehr so alleine vor“, sagt Schmück, der in Neu-Anspach der letzte Vertreter seines Namens ist, denn er und seine Frau haben keine Kinder.

Mit dem Professor verwandt

Inzwischen recherchiert der passionierte Ahnenforscher auch über andere Familien aus der Stadt. „Mich hat schon früher interessiert, wer in Neu-Anspach zu wem gehört“, sagt er und nennt die vier häufigsten Namen - Jäger, Ernst, Henrici und Becker - und berichtet von seinem Traum, ein Ortsfamilienbuch zu erstellen, das die Verwandtschaftsverhältnisse der Familien in einem Dorf darstellt. Auf seinem Tisch liegt das Werk, das Gottlieb See für Gonzenheim erarbeitet hat. „Er hat 70 Jahre dafür gebraucht“, erzählt der 64-Jährige, „ich hätte also viel früher damit anfangen müssen.“

Schmück hat aber dessen ungeachtet Kurioses herausgefunden. So ist er zum Beispiel mit Professor Eugen Ernst, seinen Vereinskollegen Heinz Henrici und Daniela Born-Schule sowie Gewerbevereinschef Heinz Weidner verwandt. Sie alle stammen von Peter Jäger VIII., der von 1815 bis 1877 gelebt hat und vier Kinder hatte, ab. „Wenn man zehn Generationen zurückgeht, findet man in einem Dorf immer einen Verwandten“, sagt Schmück lachend.

„Wir machen uns in Anspach inzwischen einen Spaß draus“, erzählt er. So sei ihm Weidner neulich begegnet und habe gesagt: „Nimm Haltung an, ich bin dein Onkel.“ Mit seiner Frau Christiane, einer geborenen Bangert und ebenfalls gebürtigen Anspacherin, ist Schmück aber definitiv nicht verwandt. „Nur angeheiratet, ihr Urgroßvater war verheiratet mit einer Maria Katharina Elisabethe Roos, und deren Schwester war mit einem meiner Vorfahren verheiratet.“ VON ANJA PETTER

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