Anni Schütze (85 Jahre) war im Hochtaunusstift und muss sich an die neue Umgebung und die Menschen im AGO-Seniorenzentrum in Schmitten erst noch gewöhnen.
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Anni Schütze (85 Jahre) war im Hochtaunusstift und muss sich an die neue Umgebung und die Menschen im AGO-Seniorenzentrum in Schmitten erst noch gewöhnen.

Letztes Kapitel für Neu-Anspacher Hochtaunusstift

Alle Bewohner haben das Haus verlassen

  • vonEvelyn Kreutz
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NEU-ANSPACH Viele Senioren sind in Schmitten und Usingen untergekommen

Einen alten Baum verpflanzt man nicht so leicht. Das merken derzeit die ehemaligen Bewohner der Seniorenwohnanlage Hochtaunusstift in Neu-Anspach, die bis Ende März schließen muss. Alle 45 Betroffenen haben inzwischen eine neue Bleibe gefunden. Die Taunus Zeitung hat zwei von ihnen besucht.

Zur Erinnerung: Ende Februar wurde bekannt, dass der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) am 31. März den Betrieb der Senioreneinrichtung einstellen muss. Die Eigentümerin des Gebäudes, eine österreichische Immobiliengesellschaft, hat bauliche Mängel, vor allem Brandschutzauflagen, nicht fristgerecht beseitigt und daher dem DRK die Duldung für den Betrieb entzogen.

Auch wenn das Damoklesschwert der Schließung bereits vor der Übernahmen durch das DRK über den Bewohnern und ihre Angehörigen schwebte, wurden sie jetzt ohne Vorwarnung vor vollendete Tatsachen gestellt. "Man muss das eben wegstecken, wie so vieles andere", meint Günter Keblowski. Für den 70-Jährigen, der nach dem Tod seiner Frau Charlotte sein Haus in Oberreifenberg verlassen hat und ins Stift gezogen ist, war das Schlimmste, dass das jetzt so schnell ging. "Man ist nur geschickt worden." Im AGO-Seniorenzentrum in Arnoldshain ist er noch nicht ganz angekommen. "In Neu-Anspach war es wesentlich besser." Er weiß aber, dass er sich selbst Zeit geben muss, um sich einzugewöhnen. Mehrfach betont er: "Ich bin gerne alleine." Doch Katrin Schröder; Leiterin vom sozialen Dienst der AGO, ist zuversichtlich, dass auch er seinen Weg findet.

Ein Besuch wäre schön

Der ehemalige Kfz-Mechaniker ist noch einigermaßen rüstig, schafft aber den Rückweg vom Einkaufen im Rewe nicht mehr. Schröder will für ihn die Fahrt mit dem Seniorenmobil organisieren, damit er nicht jedes Mal mit dem teuren Taxi fahren muss. Und wer weiß, vielleicht lesen ehemalige Nachbarn aus Oberreifenberg nun, dass Keblowski jetzt in der AGO ist und besuchen ihn. Bei diesem Gedanken ist es da, das Lächeln, das er nicht verlernt hat.

Lachen und Weinen liegen derzeit bei Anni Schütze aus Neu-Anspach eng beieinander. Auch für die 85-Jährige, die sich vier Jahre lang im Hochtaunusstift immer wohlgefühlt hat, ging der Umzug viel zu schnell. Sie vermisst vor allem einige Bewohner aus ihrem alten Seniorenheim, die jetzt woanders untergebracht sind. Aber sie versucht, Anschluss zu den neuen Bewohnern in der AGO zu bekommen und hält sich gerne im Gemeinschaftsraum auf. Das entspricht ganz ihrer Biografie und ihrer Kämpfernatur. Schütze ist in Oberschlesien mit elf Geschwistern aufgewachsen. Ein Bruder ist wie der Vater im Krieg gefallen, zwei Brüder sind bis heute als vermisst gemeldet. Mit der Mutter und dem Rest der Familie ist sie in den Westen geflohen, hat in Neu-Anspach Wurzeln geschlagen. Nur ihr Bruder Toni lebt noch. "Zeit zum Heiraten habe ich nie gehabt", erzählt sie und ist froh, dass ihr Neffe Reinhard Gemander sie regelmäßig besucht.

Immer viel Mühe gegeben

Gemander betont: "Die Mitarbeiter im Hochtaunusstift haben sich bis zum Schluss immer viel Mühe gemacht, und ich brauchte für einen Besuch nur einen kleinen Spaziergang machen." Wenn er jetzt seine Tante besucht, geht das nicht ohne Auto. "Aber wir hatten noch Glück, dass es nicht ganz so weit ist."

Es sei nicht einfach gewesen, für alle hochbetagten Menschen aus dem Hochtaunusstift in der direkten Umgebung einen neuen Heimplatz zu finden, "aber wir haben alle gut untergebracht", sagt Pflegedienstleiterin Anita Studenovic. Die meisten, nämlich zehn Ehemalige, sind in die Schmittener AGO umgezogen. Einige haben einen neuen Platz im benachbarten Usingen, im Kortheuer-Haus oder im Pflegeheim USA, bekommen. Weil der Alterswohnsitz Flücken in Wehrheim und das "carpe diem" in Weilrod nichts mehr frei hatten, haben manche jetzt ein neues Zuhause außerhalb des Usinger Landes, und zwar in Bad Homburg, Oberursel, Kronberg, Waldems und Butzbach. Am Mittwoch haben die letzten Bewohner das Hochtaunusstift verlassen.

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