In der Alten Schule in der Usinger Straße in Westerfeld befindet sich seit vielen Jahren auch das Jugendzentrum des Stadtteils. Nun, da die Kirche das Haus verkauft hat, ist die Alte Schule nicht mehr als Juz verfügbar.
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In der Alten Schule in der Usinger Straße in Westerfeld befindet sich seit vielen Jahren auch das Jugendzentrum des Stadtteils. Nun, da die Kirche das Haus verkauft hat, ist die Alte Schule nicht mehr als Juz verfügbar.

Neu-Anspach

Alte Schule Westerfeld verkauft

  • Nina Fachinger
    VonNina Fachinger
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Bürgermeister Pauli (SPD) ist enttäuscht von der Kirche - Was passiert jetzt mit dem Club 73?

Westerfeld -Die denkmalgeschützte Alte Schule in Westerfeld ist verkauft. Damit verliert der Stadtteil einen sozialen Treffpunkt. Die Kirchengemeinde hat - nach mehreren Jahren Leerstand - einen Käufer gefunden. "Das Gelände ist in Erbpacht vergeben, die Kirchengemeinde ist nicht mehr Eigentümerin des Gebäudes, und die Einnahmen aus der Erbpacht sichern den Bestand der Westerfelder Kirche", so Beate Usener-Eichner, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Westerfeld. Details zum Käufer behält sie für sich.

Getrennt habe sich die Kirchengemeinde nun von dem Gebäude, weil dieses ihre Kapazitäten überfordert habe, sagt Usener-Eichner. Die Kirche habe das Haus nicht mehr halten können. "Das Gebäude ist jetzt in guten Händen und wird gewartet."

Für die Jugendlichen ist es hingegen eine schlechte Nachricht. Denn das in dem Gebäude beheimatete Jugendzentrum (Juz) mit dem beliebten Club 73 musste schließen. Die Kirchengemeinde habe der Stadt das Juz immer kostenlos zur Verfügung gestellt und auch getragen, erinnert Usener-Eichner.

Verhandlungen ohne Ergebnis

Richtig ist allerdings auch, dass das unter Denkmalsschutz stehende Gebäude "seinerzeit von der selbstständigen Gemeinde zu einem Freundschaftspreis an die Kirche verkauft" worden war, so der ehemalige Kommunalpolitiker und engagierte Westerfelder Herbert Schütz im März. "Man sei sich einig gewesen, dass dieses Anwesen der Nutzung durch Westerfelder über Generationen hinweg erhalten bleibt", erklärte Schütz seinerzeit.

Verhandlungen der Stadt mit der Kirche haben letztlich kein Ergebnis gebracht. Denn eigentlich wollte die Kirchengemeinde die Alte Schule an die Stadt in Erbpacht übergeben. Und auch die Stadt war willig und verfolgte bereits ein Tagesmütter-Projekt. "Wir wollten das Gebäude übernehmen, um dort eine soziale Einrichtung zu betreiben", sagt Bürgermeister Thomas Pauli (SPD), dem die Enttäuschung anzuhören ist und der übrigens auch nicht weiß, wer das Gebäude gekauft hat. Im Herbst/Winter 2019/2020 sei dieses Thema aufgekommen, erinnert er sich. "Dann kam Corona, und dann hat die Kirche gesagt ,Wir sprechen nicht mehr mit Euch'", so Paulis Wahrnehmung.

Für die Kirchengemeinde stellt sich die Sache anders dar. "Die Stadt wollte es erhalten und ist gefragt worden, aber es ist so, dass sie kein Geld hat", sagt Usener-Eichner. Die Kirchengemeinde wollte die Verwaltung im vergangenen Jahr dazu bringen, schnell eine Entscheidung zu fällen, doch damit scheiterte sie.

In der Stadtverordnetenversammlung im Juli sagte Pauli auf Nachfrage einer Stadtverordneten zum Thema, "dass ein Angebot der Kirche zur Übernahme des Gebäudes vorliege", heißt es im Beschlusstext unter dem Tagesordnungspunkt "Sonstige Anfragen und Anregungen": "Eine Vorlage zu dieser Sache sei bereits fertig erstellt, jedoch gibt es seitens der Revision vom Hochtaunuskreis die Auflage, bei allen neuen Investitionen bereits vor Beschlussfassung die entsprechende Vorlage bei der Revision vorzulegen. Daraufhin wurde ergänzend von der Revision gefordert, eine Bedarfsanalyse für die U3-Betreuung sowie für die Tagesmütter vorzulegen. Diese Dinge wollte man erarbeiten, jedoch kam ,Corona' dazwischen und die Arbeit wurde ausgebremst. Der Bürgermeister gibt an, dass diese Dinge im Zusammenhang mit dem Kita-Entwicklungskonzept beraten werden können."

Doch die Kirche war offenbar mit ihrer Geduld am Ende und wollte vor der Kirchenvorstandswahl Klarheit schaffen. "Bei der Gemeindeversammlung am 13. Dezember 2020 und in den anschließenden Pressemitteilungen wurde den Mitgliedern der Kirchengemeinde Westerfeld mitgeteilt, dass wegen der hohen Auflagen der Behörden die interessierten sozialen Träger vom Kauf der Alten Schule Abstand genommen haben und daraufhin das Gebäude auf dem freien Markt angeboten wird", sagt Usener-Eichner.

Keine Informationen erhalten

Wie lief die Kommunikation, nachdem klar war, dass die Alte Schule verkauft ist? Anfang Juni hat die Kirchengemeinde der Verwaltung mitgeteilt, dass sie einen Käufer für die Liegenschaft gefunden hat und sich die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss befinden, so Amtsleiter Dr. Nico Sturm (Bereich Familie, Sport und Kultur).

Im Rahmen dieses Prozesses habe es eine Begutachtung gegeben, die zu dem Ergebnis gekommen sei, dass unter den aktuellen baulichen Voraussetzungen der Betrieb eines Jugendzentrums nicht zulässig sei, gibt Sturm wieder, was ihm die Kirchengemeinde gesagt hat. "Daher hat die Kirchengemeinde mich aufgefordert, die Jugendlichen darüber zu informieren, dass sie das Juz mit sofortiger Wirkung nicht mehr nutzen können."

Die Kirchengemeinde Westerfeld habe ihn außerdem darüber informiert, dass die Stadt mit dem künftigen Eigentümer über den weiteren Betrieb des Jugendzentrums verhandeln müsse, so Sturm. Die Gemeinde habe ihm zugesagt, ihn unverzüglich zu informieren, sobald der Eigentümerwechsel vollzogen sei beziehungsweise sobald er öffentlich kommuniziert werden könne. "Bis heute hat die Stadt von der Kirchengemeinde keinerlei weitere Informationen oder Kontaktdaten erhalten, um etwas über die künftige Nutzung der Liegenschaft in Erfahrung zu bringen oder sich über die Zukunft des Jugendclubs verständigen zu können", sagt der Amtsleiter.

Die Stadt habe ein großes Interesse daran, dass es neben den selbstverwalteten Jugendzentren in Anspach und Hausen-Arnsbach auch in Westerfeld weiterhin ein Jugendzentrum geben kann. "Das Juz in Westerfeld wird von engagierten Jugendlichen mit viel Engagement, Eifer und Leidenschaft betrieben, die damit ein interessantes Freizeitangebot für Gleichaltrige in Westerfeld und darüber hinaus organisieren", so Sturm.

Die Stadt ist bei der Übernahme des Gebäudes nun aus dem Rennen - ist aber weiterhin fest entschlossen, den neuen Eigentümer davon zu überzeugen, dass das Juz in Westerfeld in der Alten Schule bleiben und wieder öffnen kann. "Ich wünsche mir, dass wir uns mit dem neuen Eigentümer einigen werden und wir unser Juz wieder aufmachen können", stellt der Bürgermeister fest.

Von Nina fAchinger

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