KV-Vorsitzende Bettina Vogelsberger (links) und Doris Bühner, als langjähriges KV-Mitglied freuen sich, dass die historische Bibel aus dem Jahr 1664 nach der Restaurierung zu besonderen Anlässen in der Rod am Berger Kirche bewundert werden kann.
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KV-Vorsitzende Bettina Vogelsberger (links) und Doris Bühner, als langjähriges KV-Mitglied freuen sich, dass die historische Bibel aus dem Jahr 1664 nach der Restaurierung zu besonderen Anlässen in der Rod am Berger Kirche bewundert werden kann.

Kirchengemeinde Rod am Berg lässt Bibel von 1664 restaurieren

Aufwendiges Verfahren rettet das alte Buch

  • VonEvelyn Kreutz
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Kirchenvorstand hofft bei den Kosten auf Spenden

Rod am Berg. Dass die Kirchengemeinde Rod am Berg, zu der auch Dorfweil, Brombach und Hunoldstal sowie die Hochwiese in Hausen gehören, eine historische Bibel aus dem Jahr 1664 ihr Eigen nennt, war vielen Gemeindemitgliedern nicht bewusst. Der Rod am Berger Pfarrer Johann Philipp Datz hatte die Endter-Bibel 1668 gekauft. In diesem Jahr wurde die Bibel restauriert.

Das leicht beschädigte Buch befand sich lange im privaten Safe eines Mitglieds des Kirchenvorstandes (KV), zuletzt in einem Bankschließfach. Darin lesen, gar blättern wagte sich in den letzten Jahren niemand. Aber die KV-Mitglieder hatten die alte Bibel immer im Hinterkopf. Als KV-Vorsitzende Bettina Vogelsberger, und die ehemaligen KV-Mitglied Doris Bühner, Rudolf Henrizi und Sandra Lottko im leerstehenden Rod am Berger Pfarrhaus Kirchenunterlagen archiviert haben, mussten vor allem alte Bauakten von anhaftenden Schimmelsporen befreit, sterilisiert und konserviert werden.

Verfall gestoppt

Das war für den KV die beste Gelegenheit wie die Bauunterlagen auch die alte Bibel vom Schimmel zu befreien, um einen weiteren Verfall zu stoppen. Archivarin Mirna Tardy vom Zentralarchiv der EKHN Darmstadt KV hatte die alte "Biblia Endter aus Nürnberg" begutachtet, und weil vor allem die Seiten in erstaunlich gutem Zustand waren, als erhaltenswert eingeschätzt.

Zudem liege der kulturhistorische Wert darin, dass die Nürnberger Ausgabe eine relativ kleine Auflage hatte.

Von 1613 bis 1792 druckte die Familie Endter Luthers Bibel. Sogar die sächsischen Herzöge ließen ihre repräsentativen Bibeln jenseits der eigenen Grenzen in Nürnberg drucken. Für Rod am Berg musste es eine sogenannte Dilherr-Bibel tun. Vom Nürnberger Pfarrers und Rhetoriker Johann Michael Dilherr (1604-1669) stammt das Vorwort. Die "Biblia" mit der ganzen Schrift, also dem Alten und Neuen Testament, muss für damalige Verhältnisse eine besondere Anschaffung gewesen sein.

"Dieße Bibel ist in die Kirchen Rod am Berg gekauft und aus dem allmoßen bezahlt worden mit 3 ¼ Reichsthalern anno 1668 auf S. Pauli Bekehrung" ist handschriftlich auf dem Titelblatt eingetragen.

Auf Seite 939 gibt es einen weiteren handschriftlichen Eintrag. Demzufolge solle niemand diese Bibel der Kirche zu seinem eigenen Nutzen entziehen. Seit der Restaurierung, in deren Rahmen im wesentlichen der Einband aus Schweinsleder erneuert wurde, liegt die Bibel jetzt zu besonderen Anlässen auf dem Altar in der Rod am Berger Kirche.

Bücher mit Faustschlag geöffnet

Ein solcher Anlass war kürzlich die Amtseinführung von Pfarrerin Dr. Kornelia Weber. Die Pfarrerin wies im Gespräch mit dieser Zeitung auf zwei seitliche Metallklammern hin und erklärte, woher der Begriff "ein Buch aufschlagen" kommt.

"Ein solches Buch öffnete man, indem man es auf den Tisch legte und mit der Faust auf den Deckel schlug, dann sprang der Bügel von allein auf und das Buch klappte auf, man hatte es sprichwörtlich aufgeschlagen", so die Pfarrerin.

Wie Vogelsberger auf Anfrage mitteilte, hat die Restaurierung 2700 Euro gekostet, Gemeindemitglieder haben dafür inzwischen 2000 Euro gespendet, dazu kam die Kollekte nach dem Festgottesdienst in Höhe von 232 Euro. Über weitere Spenden um den Restbetrag von knapp 500 Euro zu finanzieren, würde sich der Kirchengemeinde freuen.

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