Anstelle diese Hauses soll ein Neubau entstehen, der nach Meinung der Anwohner zu groß dimensioniert ist.
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Anstelle diese Hauses soll ein Neubau entstehen, der nach Meinung der Anwohner zu groß dimensioniert ist.

Neu-Anspach

Bürgergruppe will Hausbau verhindern

Kritik: Geplantes Projekt in der Feldbergstraße in Neu-Anspach ist zu groß - Wohnungen in zwei mehrgeschossigen Mehrparteien-Häusern werden zum Kauf angeboten

Neu-Anspach -Wieder einmal findet ein Bauvorhaben keinen Beifall bei den Bürgern. Diesmal allerdings ist nicht die Bahnhofstraße betroffen, wo zuletzt das Projekt auf dem ehemaligen Tankstellen-Gelände für Kritik sorgte, diesmal ist es die Feldbergstraße, eine der steilsten Straßen der Stadt. Durch sie geht es unter anderem zur Tal- und zur Wintermühle, aber auch zu den Vereinsdomizilen.

Wer hinauffährt, der kommt zuerst an einer sehr langen grünen Wand aus Hecken und Bäumen vorbei, die den Friedhof Mitte gegen die Straße abschirmt. Direkt danach kommt das Grundstück, auf dem zurzeit noch ein zweigeschossiger Wohnbau im einfachen Bungalow-Stil mit Grünfläche größtenteils zum Friedhof hin steht.

Dieser soll einem Baukörper weichen, der in den Dimensionen nicht den Vorstellungen vieler Anwohner entspricht. Deshalb hat sich eine Bürgergruppe gebildet, die schon einiges auf den Weg gebracht hat, um das Projekt in dieser Form zu verhindern.

Passt nicht in das Straßenbild

Zufällig habe man eine Anzeige in einem Immobilienportal entdeckt, in der Wohnungen in zwei mehrgeschossigen Mehrparteien-Häusern zum Kauf angeboten worden seien, so der Sprecher der Bürgergruppe, Günter Bohne. Auch eine Fotomontage mit dem geplanten Projekt sei dort zu sehen gewesen. Sie zeige einen zweigliedrigen Baukörper mit drei Hauptgeschossen und einem Staffelgeschoss. Das heißt, ein weiteres im Grundriss eingerücktes Wohngeschoss mit Flachdach.

Dieser Baukörper sprengt nach Meinung der Anwohner das von Ein- und Zweifamilienhäusern geprägte Straßenbild. Mit diesem und anderen Argumenten haben die Anwohner bei der Baubehörde Widerspruch eingelegt.

Die Genehmigung wurde mit Bezug auf den Paragrafen 34 BauGB erteilt, der dann zum Zug kommt, wenn kein Bebauungsplan rechtskräftig ist. Dann hat sich der Neubau in das vorhandene Stadtbild einzufügen. Dies sei nicht der Fall, finden die Bürger. Vor allem die Geschosszahl sei strittig, denn die Fotomontage zeige drei Geschosse plus Dachgeschoss. Noch weitere Gegenargumente hat die Bürgergruppe in ihrem Widerspruch vorgetragen - unter anderem die Errichtung einer zwei bis sechs Meter hohen Stützmauer, die zur Nutzung erforderlich sei und die gleichzeitig mit der Genehmigung für das Gebäude separat erfolgen müsse, was aber offensichtlich nicht der Fall sei. Darüber hinaus seien die Zisternenpflicht und ein für Bauvorhaben dieser Größe erforderlicher Spielplatz nicht umgesetzt. Nicht zuletzt sehen die Widerspruchsführer die Parkplatzsituation problematisch - bis hin zu einer Gefährdung von Fußgängern, besonders von Kindern.

Widerspruch eingelegt

Praktisch die gesamte Straße hat den Widerspruch, der am 10. Mai eingelegt wurde, unterschrieben. Den hat die Gruppe in einem gleichlautenden Schreiben an den Magistrat und Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung mitgeteilt und wirft der Verwaltung und der Politik Versäumnisse vor: Es sei nämlich kein Bürgerinformationsverfahren durchgeführt worden, wie dies nach Ansicht der Bürgergruppe gemäß einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung hätte geschehen müssen. Dann, so Bohne, hätten die Bürger früher gewusst, was geplant ist und ihre Einwände vortragen können.

Wie Bürgermeister Thomas Pauli (SPD) erklärt, ist eine Bauvoranfrage vom Magistrat zunächst positiv bewertet worden. Voraussetzung sei allerdings ein zweigeschossiges Gebäude mit Staffelgeschoss gewesen. Der eingereichte Bauantrag sei wegen Abweichungen von der Stadt abgelehnt worden. Dennoch habe der Kreis das Vorhaben am 19. April genehmigt.

Die Bürgergruppe lässt nicht locker und hat inzwischen ein weiteres Schreiben an die Stadt geschickt und fragt darin: "Warum setzt die Stadt den Beschluss zu einem Bürgerinformationsverfahren nicht um, und warum kann das Kreisbauamt ohne das Einvernehmen der Stadt Neu-Anspach das Projekt genehmigen?"

Wenn das Kreisbauamt nun behaupte, das Bürgerinformationsverfahren sei rechtswidrig, und seine Genehmigung erteilt, dann sei das für die Betroffenen und alle Neu-Anspacher Bürger eine Ohrfeige, da somit auch gleichzeitig alle weiteren Einsprüche der Stadt gegen eine Baugenehmigung vom Tisch gewischt würden, hakt Bohne nach.

Die Ablehnung durch die Stadt war neben der Beurteilung, dass sich der geplante Bau hinsichtlich Maß und baulicher Nutzung im Vergleich zur Bauvoranfrage nicht einfügt, noch durch weitere Beanstandungen ergänzt, und dazu gehören zu viele Parkplätze, keine Dokumentation des Höhenverhältnisses der Abgrabungen und der Höhe von Stützmauern.

Bohne widerspricht auch dem Bürgermeister, dass nach Rücksprache mit dem Städte- und Gemeindebund eine Klage keine Aussicht auf Erfolg haben würde. Von Frank Saltenberger

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