Tafel der Vielfalt

Ein bunter Querschnitt der Landesküchen Vorderasiens

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Nicht nur die Liebe geht durch den Magen, sondern offenbar auch, wenn man es denn zulässt, die Integration. Die zweite „Tafel der Vielfalt“ erlaubte kulinarische Begegnungen über den Tellerrand hinweg.

Stundenlang haben weit über ein Dutzend Flüchtlinge aus vieler Herren Länder am Sonntag in der Küche des „Bildungszentrums Alte Schule“ in Neu-Anspach gestanden, um mit Köstlichkeiten aus ihrer Heimat einen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten. Das ist ihnen gelungen, wie das herrlich sonnige Spätsommerwetter zeigte – alles war aufgegessen worden.

Und selbst als die meisten der rund 30 Gäste schon nicht mehr „papp“ sagen konnten und Tobias Krohmer, Referent für gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat Hochtaunus, das Dessert-Büfett für eröffnet erklärte, fand sich in den gut gefüllten Mägen noch Platz: Etwas Süßes geht eben immer. Die auf langen Tischen angerichteten Nationalspeisen waren ein duftender Querschnitt der Landesküchen Vorderasiens. Auch das Auge wurde satt bei der Farbenpracht der mit viel Liebe gekochten Gerichte.

Zum zweiten Mal findet in diesen Tagen im Hochtaunuskreis eine „Woche der Integration“ mit vielen Veranstaltungen in nahezu allen Städten und Gemeinden des Kreises statt. Sinn und Zweck ist es, Menschen verschiedener Kulturen mit Spaß, Spiel und sehr viel Information, aber auch gutem Essen zusammenzuführen und dadurch gegenseitig Verständnis für einander zu wecken. Das Diakonische Werk Hochtaunus, das Evangelische Dekanat Hochtaunus, die Bad Homburger Tafel sowie die Leitstelle Integration des Hochtaunuskreises sind die Protagonisten.

Die „Tafel der Vielfalt“ und die Möglichkeit, sich praktisch über den Tellerrand hinweg kennen und verstehen zu lernen, ist dabei ein zentrales Element. Ein immer wichtiger werdendes, wie die Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Katrin Hechler (SPD) in ihrem sehr emotionalen Grußwort als Schirmherrin befand. „Solange in unserem Land falsche Werte gelebt und von interessierter Seite Ängste geschürt werden, werden Initiativen wie die

Interkulturelle Woche

immer wichtiger“, sagte Hechler und sprach damit die jüngsten Ereignisse von Chemnitz und Köthen in Sachsen und Sachsen-Anhalt an, jenen Bundesländern, in denen es für Kirche und das christliche Werteverständnis leider viele Jahrzehnte lang kein Raum habe geben dürfen. Nur wer diese Werte wirklich lebe, sei auch zu Toleranz und einem Völker und Kulturen verbindenden Miteinander ohne das Gefühl, voreinander Angst haben zu müssen, fähig, so Hechler.

Eine große Chance für mehr Miteinander sah in der „Tafel der Vielfalt“ auch Stefanie Limberg. Die Leiterin des Diakonischen Werks Hochtaunus sagte, die im vergangenen Jahr von Katrin Hechler angestoßene Idee eine Woche der Integration zu veranstalten, trage Früchte, denn sowohl unter den Gästen als auch unter den Köchinnen und Köchen seien viele, die auch schon im vergangenen Jahr gekommen waren.

Musikalisch umrahmt wurde das internationale kulinarische Fest auch durch internationale Musik. Das Duett Petra und Peter Sassenhagen begeisterte mit irischer Musik von Turlough O’Carolan. Die Musik des blinden Komponisten war sowohl von der traditionellen irischen Musik als auch von der höfischen europäischen Barockmusik beeinflusst. Sie zog die bunt zusammengewürfelte Tischgesellschaft auf sehr einfühlsame Weise ebenso in ihren Bann wie die erst 10-jährige Perserin Mozhan aus Bad Homburg, die bei der „Glenside Polka“ auch zur Überraschung ihrer staunenden Mama die Initiative ergriff und die Musik ganz spontan tänzerisch und mit Anmut interpretierte.

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