Im Fruchtspeicher aus Trendelburg, das größte und imposanteste Bauwerk des Hessenparks, gibt es eine neue Dauerausstellung.
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Im Fruchtspeicher aus Trendelburg, das größte und imposanteste Bauwerk des Hessenparks, gibt es eine neue Dauerausstellung.

Hessenpark Neu-Anspach macht eine Million Euro Verlust

Corona-Pause wurde für viele Neuheiten auf dem Gelände genutzt

  • Nina Fachinger
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Dauerausstellung zur Gebäudegeschichte im Fruchtspeicher aus Trendelburg

In Zeiten, wo der Aufenthalt in Innenräumen ein hohes Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus birgt, möchte der Hessenpark sein Außengelände aufwerten. Das hat Museumsleiter Jens Scheller in der Jahrespressekonferenz mitgeteilt. Ab April soll es nicht nur Frühlingsspaziergänge geben, es sollen auch vereinzelte Stände im Außenbereich mit Vorführhandwerk oder kunsthandwerklichen Waren erste Akzente setzen. Auch die Außengastronomie soll öffnen, wenn es die Corona-Regeln erlauben (momentan bietet das Gasthaus Zum Adler Essen zum Mitnehmen).

Im Laufe der Saison werden in den Baugruppen historische Spielgeräte wie Sitztiere aus Holz, Laufstelzen, ein Wurfringspiel und weitere Angebote installiert. "Während sich die Eltern etwa den neuen Fachwerkbau-Parcours anschauen, können sich die Kinder auf den Spielgeräten vergnügen", so Scheller. Wenige Meter vom Spielplatz entfernt entstehe ein Insektenparadies. Der momentan stark frequentierte Hartig-Walderlebnispfad erhalte vier neue Stationen, der Pfad selbst werde zum Rundweg ausgebaut, "denn die Besucher laufen ungern in Sackgassen", sagt Scheller.

Ganz viel Wissen zum Fachwerkbau soll ein neuer Parcours zwischen dem Marktplatz und der Baugruppe Mittelhessen bieten. Das neue Portal werde voraussichtlich im Juni eingeweiht. Der Parcours greift die Grundbegriffe des Themas Fachwerkbau auf und zeigt an verschiedenen Stellen im Museum Beispiele für Gefügeformen, Pflege, Wartung und vieles mehr. Ein Parcours-Station sei das zentrale Hauslager des Hessenparks in der Baugruppe Osthessen. Und genau hier soll es ein Drehkreuz geben. "Es ist ein idealer Standort, um von dort das Museum verlassen zu können", sagt Scheller. Damit wolle man die Besucher animieren, die sonst nicht so stark frequentierte Baugruppe zu besuchen.

Im Hauslager werden sogenannte schlafende Fachwerkhäuser, also ihre Einzelteile unter Dächern aufbewahrt - "mehr als anonyme Stapel", wie die Besucher bald erfahren. Rund ein Dutzend Häuser wurden seit den 70er Jahren "entsammelt", im zentralen Außenlager seien wiederum mehr als ein Dutzend weitere Häuser untergebracht. Das Holz eines kleinen Nebengebäudes vom Haus aus Radheim sei im Fachwerk-Musterhaus verarbeitet worden, nennt Scheller ein Beispiel.

Magazinanbau wird im Sommer fertig

Ein Höhepunkt dieser Saison ist die Eröffnung der Dauerausstellung im Fruchtspeicher aus Trendelburg aus dem 16. Jahrhundert. Die Ausstellung zur Gebäudegeschichte ist im Obergeschoss. In dem aufwendig sanierten Gebäude funktioniert die Einbahnstraßen-Regelung, weil auf der Rückseite eine Fluchttreppe angeständert wurde, so Scheller. Der Fruchtspeicher stelle auch einen neue attraktive Veranstaltungsort dar.

Im Sommer steht der Einzug in den dann fertiggestellten Magazinanbau an. Der neue Gebäudeteil ist über 80 Meter lang und soll es ermöglichen, das komplette Sammlungsgut des Museums an einem Ort zusammenzuführen. Und auch beim Fachwerk-Musterhaus gibt es gute Neuigkeiten, Scheller hofft, dass es im Herbst fertiggestellt wird.

Das Leben spielt sich erstmal im Freien ab. Denn im Worst Case (Inzidenz über 100 über einen Zeitraum von drei Tagen) muss das Museum bald wieder schließen - "wir wissen es nicht und werden uns daran anpassen", betont der Museumsleiter. Für das Museum sei es jedenfalls immer wieder eine große Herausforderung Angebote zu machen, die dann kurzfristig nicht stattfinden können.

Förderkreis deckt Investitionen

Nicht weniger herausfordernd ist die Situation für die Mitarbeiter sowie die Pächter im Hessenpark. Im Wirtschaftsplan für dieses Jahr habe man einen Einnahmeverlust in Höhe von einer Million Euro aufgeführt, sagt Scheller. Bei vielen der aufwendigen Angebote zahle man drauf, an vielen Punkten habe man durch Corona massiv sparen müssen. Der Förderkreis decke Investitionsvorhaben in Höhe von 400 000 Euro, aber damit ist auch eine Grenze erreicht, so Scheller.

Zwischen den Jahren habe noch ein "Rumpf-Team" im Park nach den Tieren und anderem gesehen, alle anderen waren in Betriebsferien, in manchen Bereichen ist noch Kurzarbeit. "Die Routinen der Zusammenarbeit funktionieren nicht wie gewohnt." Den Pächtern, für die man eine besondere Verantwortung habe, seinen Pachtzinsen und Nebenkosten gestundet worden. "Bisher haben alle die Krise überstanden" und er sei optimistisch, dass das so bleibe.

Nina Fachinger

Besuch nur mit Termin

Das Museum hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintrittspreis ist unverändert. Ein Besuch ist nur nach Anmeldung und unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen erlaubt. Weitere Infos unter www.hessenpark.de.

In der stattlichen Hofanlage des Haus aus Nieder-Gemünden sollen alle Funktionseinheiten des Hauses zum Leben erweckt werden (Museums-theater). Sanierung und Einrichtung der Hofanlage laufen auf Hochtouren. Dargestellt werden soll in allen Gebäuden ein einheitlicher Zeitschnitt des Lebens kurz vor dem Ersten Weltkrieg.

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