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Demente Frau von Pfleger bestohlen

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Neu-Anspach (smu). Der Pfleger einer dementen, bettlägerigen Frau aus Neu-Anspach war letztes Jahr über Weihnachten in den Urlaub gefahren - als er Anfang Januar wieder zurückkehrte, traute er seinen Augen nicht: Sein Schützling lag in einem verdreckten Bett, die Wohnung sah wüst aus. Und nicht nur das: Aus dem Portemonnaie der alten Dame waren 200 Euro verschwunden und auch ansonsten fehlte in der Wohnung einiges, angefangen von Armbanduhren und Broschen bis hin zu Kochtöpfen, Scheren und Manschettenknöpfen.

Dabei war kein Einbrecher am Werk gewesen; die Urlaubsvertretung des Pflegers hatte all die Sachen in seinen Koffer gepackt und sich damit davon gemacht.

Immerhin hatte er die hilflose Frau nicht alleine gelassen, sondern war so lange geblieben, bis der eigentliche Pfleger wieder aus dem Urlaub zurückgekehrt war.

Reisebus für Festnahme gestoppt

Der informierte die Familie der 86-Jährigen, die Polizei wurde alarmiert. Die schnappte den diebischen Mann noch am selben Tag. Er saß bereits im Reisebus, der ihn zurück in die Heimat bringen sollte. Die Polizei stoppte den Bus bei Erlangen und nahm den Mann fest. Da er in Deutschland keinen Wohnsitz hat, musste er in die Untersuchungshaft. Dort saß er mehr als vier Monate, bis die Ermittlungen abgeschlossen und nun im Bad Homburger Amtsgericht gegen ihn wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall verhandelt wurde. Er gab fast alles zu, nur den Diebstahl der 200 Euro aus dem Portemonnaie stritt er ab. Er habe von dem Enkel der Frau am Abend vor seiner Abreise Geld für die Einkäufe erhalten, die er zuvor für die Frau getätigt habe, so erzählte er. Dies bestätigte der Enkel. »Diesen Diebstahl können wir ihm also nicht beweisen«, meinte der Richter.

Doch es blieben die vielen anderen Diebstähle; die gestohlenen Gegenstände hatten einen Schätzwert von insgesamt 2600 Euro. Der ideelle Wert für die Frau dürfte allerdings deutlich höher sein, viele der Dinge waren mit Erinnerungen verknüpft. Was der Dieb damit vorhatte, blieb in der Verhandlung unklar. Er habe sie nicht verkaufen, sondern für sich behalten wollen, meinte der 61-Jährige, der Amtsanwalt blickte bei dieser Aussage skeptisch.

Letztlich wurde der nicht vorbestrafte Mann zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt, die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Auflagen gab es keine. Schließlich will der Ausländer wieder zurück nach Hause, entsprechende Auflagen könnten von einem deutschen Gericht daher nicht kontrolliert werden. Den Haftbefehl hob der Richter auf. Damit bescherte er dem Mann zwar Freiheit, aber unabsichtlich auch ein neues Problem. Denn der war als Untersuchungshäftling von der Justizvollzugsanstalt Gießen zwar zu dem Verhandlungstermin nach Bad Homburg gebracht worden. Da er aber nicht zurück ins Gefängnis musste, wurde er von der JVA nicht wieder abgeholt. Seine ganzen Sachen waren jedoch noch im Gefängnis, Geld hatte er als Häftling nicht dabei. Schließlich schenkte ihm seine Dolmetscherin 20 Euro, noch im Gerichtssaal bekam er die Bahnverbindungen nach Gießen aufgeschrieben. Dann machte er sich alleine auf den Weg in die Freiheit.

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