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Die meisten Deutschen leben auf dem Land

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Von: Nina Fachinger

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Öffentlichen Raum kann man auch schön gestalten, das zeigt das Rathaus der Gemeinde Maitenbeth.
Öffentlichen Raum kann man auch schön gestalten, das zeigt das Rathaus der Gemeinde Maitenbeth. © red

Neue Ausstellung im Hessenpark widmet sich besonderer Architektur. Eröffnung am Sonntag in der Scheune aus Sand.

Die Gemeinde Maitenbeth hat rund 2000 Einwohner, 67 Einwohner pro Quadratmeter, und ist damit von der Größe her ein typisches deutsches Dorf. Doch die Maitenbether sind auch "die mit dem schönen Rathaus". "Wahrscheinlich hängt die positive Wahrnehmung damit zusammen, dass sich das Rathaus so wunderbar in die Ortsmitte einfügt", sagt der Bürgermeister von Maitenbeth, Thomas Stark. Nachzulesen ist das ab morgen in der Scheune der Hofanlage aus Emstal/Sand (Obergeschoss) in der Baugruppe Nordhessen im Hessenpark. Dort eröffnet die Ausstellung "Schön hier. Architektur auf dem Land". Es ist eine Kooperation des Deutschen Architekturmuseums (DAM) mit dem Hessenpark.

70 herausragende Gebäude

Das DAM hat 70 herausragende Architekturbeispiele in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgesucht: Von Wohnhäusern über Bürogebäude, Werkstätten, Hofreiten, Weingüter und Sportstätten bis hin zu öffentlichen Bauten wie Gemeindezentren, Schulen und Rathäuser. Darüber hinaus haben die Kuratoren Annette Becker, Stefanie Lampe und Lessano Negussie die Regionen Schwarzwald und Thüringen sowie die beiden Orte Krumbach in Österreiche und Valendas in der Schweiz besucht, die in besonderer Weise ihre Gesamtentwicklung vorangetrieben haben. Es wird auch auf die Finanzierung eingegangen - von privaten bis zu öffentlichen Mitteln. Denn Ziel der Ausstellung ist es auch, Bürgermeistern und auch Privatpersonen zu zeigen, was möglich ist.

Museumsleiter Jens Scheller sei sofort dabei gewesen, als er ihn fast auf den Tag genau vor einem Jahr angerufen und gefragt habe, ob man so eine Ausstellung im Hessenpark machen könne, so Peter Cachola Schmal, leitender DAM-Direktor. "Der Raum stand voller Wagenräder, es gab kein Licht, kein Strom und jetzt gibt es auch Internet", so Schmal beim Presse-Rundgang.

"Die Zusammenarbeit passt hervorragend ins Haus", sagt Scheller. Der Hessenpark sei seit über zehn Jahren dabei, Kompetenzzentrum für Fachwerk zu werden. "Wir wollen Menschen nicht nur mit traditioneller Baukultur vertraut machen, sondern auch die an die Hand nehmen, die ein Fachwerkhaus bauen."

Auf 500 Quadratmetern, aufgeteilt auf zwei Räume, werden die besonderen öffentlichen (Raum 1) und privaten Gebäude (Raum 2), darunter fallen Privathäuser, Büros, Kultur und Tourismus, gezeigt. Die zu den Modellen und Fotos gehörenden Begleittexte haben die Bürgermeister, Hausbesitzer, Unternehmer und Co. selbst verfasst. Gleich neben dem Eingang können die Besucher die jeweils verarbeiteten Baustoffe einmal anfassen.

Vom Donut zum Krapfen

47 Millionen Menschen, also mehr als die Hälfte der Deutschen, leben auf dem Land, 90 Prozent der Fläche sind ländlich geprägt, so Becker. Das gelte nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa. Umso wichtiger ist es, mehr über diesen ländlichen Raum zu erfahren. Alle Bauten, die jetzt im Hessenpark gezeigt werden, zeichnen sich durch eine besondere Baukultur aus, sie bringen sowohl einen ökologischen als auch einen sozialen Mehrwert mit.

In einer vitalen Gemeinde findet das Leben im Zentrum statt, das nennt sich in der Architektur der "Krapfen-Effekt". Das Gegenteil, eine aussterbende Gemeinde, leidet unter dem "Donut-Effekt", das heißt die Mitte stirbt aus und das Leben spielt sich zunehmenden an den Rändern ab, erklärt Julian Latzko von der Bundesstiftung Baukultur, die die Ausstellung unterstützt. "Donuts müssen wieder zur Krapfen werden mit Ortskernen, wo sich die Leute gerne aufhalten und es Lebensqualität gibt", sagt Latzko.

Die neue Ausstellung ist bis zum 27. November im Hessenpark zu sehen, "15 Gemeinden dürfen die Ausstellung übernehmen und vor Ort Projekte diskutieren", so Annette Becker. Begleitet wird "Schön hier. Architektur auf dem Land" von einem umfangreichen Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm - darunter auch Bauherren-Seminare im Frühsommer -, sowohl im Hessenpark als auch im Interimsquartier "DAM Ostend".

Weitere Infos und den zur Ausstellung erschienenen 336 Seiten dicken Katalog (29 Euro im Museumsshop) gibt es unter www.dam-online.de. Von Nina Fachinger

Wie vielfältig Architektur auf dem Land ist, zeigt eine neue Ausstellung in der Scheune aus Sand im Hessenpark. Julian Latzko, Bundesstiftung Baukultur, Peter Cachola Schmal, leitender Direktor Deutsches Architekturmuseum, Annette Becker, Kuratorin, und Jens Scheller, Leiter des Hessenparks (von links), geben einen Überblick über die Exponate.
Wie vielfältig Architektur auf dem Land ist, zeigt eine neue Ausstellung in der Scheune aus Sand im Hessenpark. Julian Latzko, Bundesstiftung Baukultur, Peter Cachola Schmal, leitender Direktor Deutsches Architekturmuseum, Annette Becker, Kuratorin, und Jens Scheller, Leiter des Hessenparks (von links), geben einen Überblick über die Exponate. © nni

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