Bauprojekt

Doch keine Sozialwohnungen im Stabelsteiner Weg?

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Weil in der Stadt mehr bezahlbarer Wohnraum gebraucht wird, sollte am Stabelsteiner Weg gebaut werden. Jetzt gibt es neue Pläne, und über die diskutiert heute der Bauausschuss.

Im September 2016 haben die Stadtverordneten intensiv über das Bauprojekt auf dem Bolzplatz im Stabelsteiner Weg diskutiert, ihm aber mehrheitlich ihren Segen gegeben. Auf einer 1600 Quadratmeter großen Teilfläche des Geländes sollten zwei Mehrfamilienhäuser mit Sozialwohnungen entstehen.

Vor allem die Bürgerliste hatte seinerzeit angezweifelt, dass sich der Bau angesichts der örtlichen Gegebenheiten und des felsigen Geländes lohnt und sich bei der Abstimmung enthalten. Auch von Sicherungsmaßnahmen mit Netzen war damals bereits die Rede gewesen. Jetzt soll nach dem Willen der Stadtverwaltung von den Plänen Abstand genommen werden. Sie hat für die heute stattfindende Sitzung des Bauausschusses (20 Uhr, Bürgerhaus) eine entsprechende Vorlage erarbeitet.

Der Grund: Die Umsetzung wäre nicht wirtschaftlich. Wie Bürgermeister Thomas Pauli (SPD) berichtet, hat die Entwurfsplanung ergeben, dass die Miete noch ohne die Kosten für die Felssicherung bereits 10,29 Euro pro Quadratmeter betragen und damit „weit über der akzeptierten Mietobergrenze im Sozialen Wohnungsbau“ von 7,65 Euro pro Quadratmeter liegen würde. Damit sei auch eine Förderung im „Kommunalinvestitionsprogramm“ nicht möglich, so Pauli.

Jetzt hat die Stadt andere Pläne für den aufgelassenen Steinbruch, der anlässlich des laufenden Pilotprojekts „Stadtgrün – Artenreich und vielfältig“, das bekanntlich eine naturnahe Gestaltung der öffentlichen Flächen zum Ziel hat, begutachtet wurde. Dieser wird nämlich als besonderes Biotop bewertet, für das Maßnahmen zur Verbesserung empfohlen werden.

Wie der Rathauschef weiter berichtet, konnte wegen des starken Baum- und Brombeerbewuchses zwischen dem Schutzzaun und dem Steinbruch zwar zunächst nur etwa ein Drittel der Felswand begutachtet und aktuell auch keine Habitat-Pflanzen gefunden werden, „dies könnte aber im anderen vom Boden nicht einsehbaren Bereich der Fall sein“.

Zudem sei das Gelände auch ohne diese sogenannten Zeigerpflanzen, die ein Indikator für die Beschaffenheit des Boden sind, ein besonderes Biotop für Insekten, Reptilien, Vögel und Fledermäuse. Pauli: „Diese spezialisierten Arten reagieren oft empfindlich auf Störungen und Veränderungen wie Sicherungsnetze und Verschattung.“ Was vor einer Bebauung weitere zoologische Untersuchungen erforderlich machen würde.

Ein Büro für Landschaftsanalyse hat der Stadt empfohlen, das Gehölz an der Felswand zu entfernen, die Verschattung durch die Bäume zu beseitigen und den Steinbruch für die Bevölkerung sichtbar zu machen, da dieser mitten in einem bebauten Bereich etwas Seltenes und Historisches sei. „Mit einer Hinweistafel könnte über die Geschichte des Steinbruches und die Habitat-Funktionen informiert werden.“

Es gibt aber noch einen Grund für die Verwaltung, von den Plänen Abstand zu nehmen. Wegen der anstehenden Bauprojekte in der Bahnhofstraße 73 und auf dem Gelände der ehemaligen Firma Taunuslicht „ist die Erhaltung des kleinen Spielplatzes sinnvoll“. Zur Erinnerung: Hierbei handelt es sich um den Spiel- und Bolzplatz, gegen den einst ein Nachbar geklagt hatte. Die Stadt musste daraufhin eines der Tore abbauen.

Und wo könnte nun stattdessen bezahlbarer Wohnraum entstehen? Laut Vorlage prüft die Gemeinnützige Wohnungsbau derzeit, ob nicht durch Aufstockung der Gebäude in der Wiesenau 3 bis 9 weitere acht Wohnungen geschaffen werden könnten. „Quasi als Ersatz für den Verzicht auf die Bebauung im Stabelsteiner Weg.“

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