17. Dressurfestival

Dressurfestival auf der Wintermühle knüpft wieder an erfolgreiche Zeiten an

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Die Hitzeschlacht ist geschlagen: Fünf Tage hat sie gedauert. Am Ende gab es nur Gewinner. Gestern Nachmittag waren alle zwar bis auf die Knochen nassgeschwitzt, aber glücklich, denn das 17. Dressurfestival auf der Wintermühle war wieder seiner Rolle als „Leuchtturm der Dressurreiterei“ gerecht geworden.

Ja, das Dressurfestival hatte die vergangenen Jahre ein wenig von seinem ursprünglichen Glanz verloren. Dies lag daran, dass sich viele namhafte Reiter andere Arenen ausgesucht hatten. Die 17. Auflage jedoch machte das alles wieder wett. Die ganz großen Namen fehlten zwar immer noch, aber das dürfte kaum an der Qualität des Turniers gelegen haben, sondern an den Preisgeldern.

Die waren dank zahlreicher Sponsoren zwar üppig, hätten, so meinte ein Funktionär, der namentlich nicht genannt werden möchte, aber etwa doppelt so hoch sein müssen, damit auch die „1. Garde“ in die Navis ihrer Monstertrucks „Wintermühle“ eingeben. Geld regiert eben auch die Dressurwelt.

Veranstalter Arnold Winter ist das nicht anzulasten. Er hat mit seiner Mannschaft wieder einmal getan, was er konnte. Und sogar noch etwas mehr. Tage- oder vielmehr wochenlang waren er und seine rund 80 Helferinnen und Helfer beinahe rund um die Uhr im Einsatz gewesen, um die Mühle für den großen Aufgalopp, der traditionell am letzten Juli-Wochenende stattfindet, inzwischen wegen des großen Ansturms auf die Meldelisten aber bereits am Mittwoch beginnt, vorzubereiten.

Für die „Mühle“ ohnehin eine riesige Herausforderung, aber da gab es ja noch ein anderes Problem zu bewältigen: die Hitze. 50 000 Liter Wasser aus dem zum Glück noch gut gefüllten Teich der Wintermühle wurden auf die Plätze gesprüht, jeden Abend. „Tut mir einen Gefallen, zündet nichts an – das Löschwasser liegt auf dem Platz“, scherzte Winter am Freitagabend beim Empfang im VIP-Zelt. Natürlich wäre immer noch genügend Wasser zum Löschen vorhanden gewesen. Gelöscht wurde trotzdem, allerdings nur der Durst der Teilnehmer, Trainer, Richter, Helfer und Zuschauer.

Dr. Carsten Munk, Vizepräsident des Pferdesportverbandes Hessen, hab in seiner Begrüßungsrede die „

Kaderschmiede

Wintermühle“ nicht nur des Wetters wegen als „Hotspot“ der deutschen Dressurreiterei hervor. Nicht weniger als 14 Träger und Trägerinnen des Goldenen Reitabzeichens hätten ihre dressursportlichen Wurzeln auf der Wintermühle. Das stehe für mindestens 140 Siege in der Klasse S. Das nach wie vor sehr große Interesse hessischer, deutscher und internationaler Spitzenreiter, sich und ihre Pferde auf der Wintermühle vorzustellen, sei riesig, sagte auch Hartwig Knapp, Sportwart des hessischen Pferdesportverbandes und verwies auf rund 130 Nennungen in der Kategorie S, S wie „schwer“.

Die Dressur fordert immer ein sachkundiges Publikum. Anders als beim Springreiten, wo der Zuschauer gleich sieht, „was Sache ist“, muss man bei der Dressur schon genauer hinschauen. Wer etwas davon versteht, dem sieht man das sogar an: Bei den Wechseln wird mit leichtem Kopfnicken mitgezählt, und wenn einmal ein Wechsel misslingt, ist auch schon mal ein fachkundiges „ups“ zu hören. Aber dennoch: Auch die einfachen „Sehleute“ kamen auf ihre Kosten. Die unter Flutlicht stattfindende Musik-Kür am Samstagabend vor einer dank der endlich kühleren Temperaturen bis 22 Uhr prall gefüllten Zuschauerkulisse war ein besonders stimmungsvoller Moment.

Auch für die Vorführung der Hessischen Berufsreiterquadrille mit acht Paaren, die in spielerischer Harmonie Lektionen der Klasse S zeigte, brauchte es kaum Pferdeverstand – es war einfach nur schön.

Gestern dann, nach dem großen Finale am Nachmittag mit dem Grand Prix Special – schwieriger geht es im Dressursattel nicht – konnte man einen erleichtert, aber auch stolz wirkenden Turnierchef Arnold Winter beobachten, fast so als wollte er sagen „ . . . wieder mal geschafft!“

Das klingt so, als mache das Team Wintermühle so etwas mit links. So ist es aber ganz nicht, wie auch die herzliche Danksagung Winters an seine Mannschaft zeigte: „Ohne euch alle wäre das hier nicht möglich gewesen . . .“

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