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Ehepaar komponiert Corona-Song

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Von: Frank Saltenberger

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Shoppen in Corona-Zeiten: Isabel Lotz hat den Songtext geschrieben und spürt der Stimmung nach, die viele bewegt.
Shoppen in Corona-Zeiten: Isabel Lotz hat den Songtext geschrieben und spürt der Stimmung nach, die viele bewegt. © fms

Isabel und Dieter Lotz aus Neu-Anspach verbinden traurige Melodie mit Mut machenden Zeilen. Song ist auf Youtube.

Neu-Anspach -Wer hätte Anfang 2020 schon gedacht, dass die Corona-Pandemie zwei Jahre andauert und dann immer noch kein klares Ende in Sicht ist? Auch Isabel und Dieter Lotz nicht. "Im ersten Lockdown hatte ich schon die Idee für einen Song", sagt sie. Doch dann schien es besser zu werden, bevor es dann schließlich wieder losging und die dritte und jetzt die vierte Welle folgten.

Die Idee nahm dennoch Gestalt an, und schließlich setzten die beiden Neu-Anspacher sie um. Allerdings lief es anders als ursprünglich geplant: "Leider konnten wir uns mit den zwei anderen Musikern unserer Band (Les Choipûres) nicht mehr zur Bandprobe treffen. Immer, wenn wir ein Treffen geplant hatten, tauchte eine neue Mutation auf. Deshalb haben wir beschlossen, uns alleine um das Projekt zu kümmern, freuen uns aber schon darauf, wenn die anderen beiden Musiker uns wieder unterstützen können."

"Wer hat Angst, wer hat Mut?"

Jetzt ist das Projekt Corona-Song mit Videoclip abgeschlossen und das Werk auf Youtube zu sehen und zu hören. Eine gute halbe Stunde habe sie gebraucht, um den Text zu schreiben, erzählt Isabel Lotz. Dieter Lotz brauchte schon etwas länger für die Melodie und vor allem das Einspielen der Begleitung. Beide singen, er spielt dazu Gitarre und Flöte und fügte alles zusammen.

"Ich singe eigentlich nur Background", erklärt Isabel Lotz, aber das trägt entscheidend zum Hörgenuss bei. Auch der lautmalerische Refrain ist für die Ästhetik des Songs maßgeblich und geht vor allem ins Ohr. Einmal das Stück gehört, bleibt es haften und kann mitgesungen beziehungsweise nachgesungen werden.

Anders verhält es sich mit dem Text, da muss man schon genau hinhören, aber auch hier bleibt etwas hängen, was noch mehr als zum Nachsingen zum Nachdenken anregt: "Wer wird bleiben, wer wird geh'n, was wird bleiben, was vergeh'n?", ist die zentrale Botschaft, und das sind Denkanstöße, die auf die Nach-Corona-Zeit abzielen.

"Wer hat Angst, wer hat Mut?", lautet eine weitere Zeile, sie spielt auf den unterschiedlichen Umgang mit der Infektionsgefahr an. "Die Polarisierung in der Gesellschaft ist schon gruselig", meint der Komponist der elegischen Melodie. Wie der Titel des Songs "Corona und die Zuversicht" aber schon impliziert, sehen die Songwriter auch das Positive in der Krise. Einige Veränderungen in Alltag und Berufsleben kündigten sich schon an: Dienstreisen beispielsweise würden weniger unternommen, das nütze auch der Umwelt, so Dieter Lotz. Auch die Situation im Pflegedienst sei in den Blick geraten und führe hoffentlich zu Konsequenzen, meinen beide.

Melancholische Stimmung

Das Video nimmt die melancholische Stimmung des Textes auf und setzt beide Akteure abwechselnd in Szene. Es beginnt mit einem Waldspaziergang von Dieter Lotz mit dem Hund der Familie. Sie kommen unter anderem an einem aus einem Baumstamm geschnitzten Bären vorbei, der eine Corona-Maske trägt. Die Maske taucht im Clip immer wieder auf, wird vom Wind verweht, landet in einer Pfütze oder in einem Bach, dessen Wasser sie fortträgt. Isabel Lotz geht an Schaufenstern vorbei, zum Gebet in die Kirche, an einer geschlossenen Kneipe vorüber, für die ein Nachmieter gesucht wird. Schilder mahnen zum Masketragen, Abstandhalten und zeigen Zugangsregeln auf. Die Hände der beiden begegnen sich, wollen sich fassen, halten aber inne, stoßen nur als Fäuste zusammen. Die Bilder illustrieren die zermürbenden Restriktionen, unter denen die Menschen zurzeit leiden. Der Mut machende Aspekt kommt aber nicht zu kurz, und darin liegt eine gewisse Affinität zum Sakropop-Song. Aber diese Einordnung trifft es nicht genau, denn der Text ist "weltlich" und die musikalischen Anleihen führen zur Folklore.

Isabel und Dieter Lotz haben schon eine ganze Reihe von Musikvideos produziert, meist mit beschaulichen Bildern, kreativ und ästhetisch, und könnten als Seelenbalsam Wirkung entfalten für den, der offen ist für zart verpackte Botschaften. VON FRANK SALTENBERGER

Hier ist der Song zu hören:

https://youtu.be/la_zmQGYBTY oder googeln nach "Les Choipûres youtube".

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