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Neu-Anspachs Stadtverordnetenvorsteher Holger Bellino (links) und Bürgermeister Thomas Pauli haben den geehrten Prof. Dr. Eugen Ernst in die Mitte genommen.

Heimatforscher wird ausgezeichnet

Ehrenmedaille für Eugen Ernst

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Der Wissenschaftler, Heimatkundler und Bürger Prof. Dr. Eugen Ernst wird in der Laudatio als „Dreifaltigkeit“ gewürdigt. Von Weggefährten aus dem Heimat- und Geschichtsverein wird er mit „lieber Eugen“ angesprochen. Stammtischbrüder nennen den ersten Träger der Ehrenmedaille der Stadt Neu-Anspach „Professor“.

„Kerle, was soll ich denn jetzt sagen. Wenn ich all das höre, was gewesen sein soll . . .“, sagt ein sichtlich gerührter Prof. Dr. Eugen Ernst in Anspacher Platt, nachdem er vom Stadtverordnetenvorsteher Holger Bellino und Bürgermeister Thomas Pauli die Ehrenmedaille der Stadt Neu-Anspach überreicht bekommen hat.

Der 86-Jährige ist damit erster Träger der neu geschaffenen nunmehr höchsten Auszeichnung der, im Vergleich zum Geehrten, noch jungen Stadt. „Es ist für die Menschen in Neu-Anspach ein Glück, Eugen Ernst als Mitbürger zu haben“, lauteten die Worte, mit denen Gregor Maier seine Laudatio auf den Preisträger unter großem Applaus der 70 geladenen Gäste im Gasthaus zur Linde beendete.

Der Leiter des Kulturamtes im Hochtaunuskreis würdigte einen Mann, der wegen seiner Verdienste für seine Heimatstadt, den Taunus und Hessen bereits das Bundesverdienstkreuz und den Verdienstorden des Landes Hessen erhalten hatte.

„Angesichts der vielfältigen und umfassenden Leistungen kann ich nur skizzenhafte Striche für das Charakterbild von Eugen Ernst zeichnen“, sagte Maier. „Sie haben sich als renommierter Wissenschaftler, Mitbegründer und langjähriger Direktor des Freilichtmuseums Hessenpark und Kommunalpolitiker verdient gemacht.“

Nicht zuletzt sei er eine gefragte Autorität, auf dessen Meinung man im Dorf aufgrund seines Wissens immer schon habe zählen können. Doch sei es keine Bildung zum Selbstzweck gewesen oder alleinig für Schule und Lehre. Prof. Eugen Ernst habe mit Lust und Freude die ganze Gemeinde daran teilhaben lassen.

Ernst trete bis heute in seiner Heimatstadt öffentlich als Lehrender auf und werde deshalb mit Anerkennung von den Bürgern liebevoll „der Professor“ genannt. „Ihr Horizont reicht immer schon weit über das Heimatdorf hinaus“, sagte Maier. „Doch ist es Ihnen eine Herzenssache, den Menschen die Geschichte der gemeinsamen Heimat zu erklären.“

Das Kreisarchiv enthalte mit unzähligen Schriften und Büchern aus der Feder von Eugen Ernst – vom ersten Buch aus dem Jahr 1955 bis zu Beiträgen in der aktuellen Ausgabe des Jahrbuches des Hochtaunuskreises.

„Die besondere Gabe von Professor Eugen Ernst liegt darin, diese Kenntnisse auf die Situation bis hinein ins Dorfleben anschaulich herunter zu brechen“, würdigte der Kreisarchivar. „Doch das Entscheidende ist, dass der Blick in die Geschichte nicht um seiner selbst willen geschah. Er hat das Wissen für die Mitmenschen und die Gemeinschaft eingesetzt, indem er daran mitgewirkt hat, die Zukunft zu gestalten.“

Für Eugen Ernst sei Politik eine Sache, die alle etwas angehe. Deshalb sei er Konflikten nie aus dem Weg gegangen. Vor Jahrzehnten bei der Zusammenlegung der einst vier eigenständigen Gemeinden zum heutigen Neu-Anspach sei dies ebenso der Fall gewesen, wie bei der jüngsten Auseinandersetzung um die Windkraftanlagen auf Gemarkung der Stadt.

„Man sagt, man könne sich mit dem Quarzit-Schädel Eugen Ernst ganz schön streiten“, sagte Maier in Anspielung auf den im Köpperner Tal abgebauten Quarzit. „Er tut das aber stets gepaart mit großen Gestaltungswillen. Als Wissenschaftler, Heimatkundler und Bürger ist er so etwas wie die Dreifaltigkeit für Neu-Anspach und die Region.“

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