Das neue Zentralmagazin im Hessenpark aus der Vogelperspektive. Der 80 Meter lange und 24 Meter breite Anbau ist baulich mit dem Bestandsgebäude (links) verbunden. Auch auf dem Erweiterungsbau sollen PV-Module angebracht werden.
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Das neue Zentralmagazin im Hessenpark aus der Vogelperspektive. Der 80 Meter lange und 24 Meter breite Anbau ist baulich mit dem Bestandsgebäude (links) verbunden. Auch auf dem Erweiterungsbau sollen PV-Module angebracht werden.

Neu-Anspach

Endlich Platz für 200 000 Museumsobjekte

  • Nina Fachinger
    VonNina Fachinger
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Für jedes einzelne Stück gibt es jetzt das passende Regal im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach. Das neue Zentralmagazin ist 5500 Quadratmeter groß.

Neu-Anspach -Am Dienstag hat der Hessenpark einen "hart erkämpften Meilenstein" in der 50-jährigen Geschichte erreicht, wie Museumsleiter Jens Scheller sagt: Das Ende des Sommers fertiggestellte Zentralmagazin des Freilichtmuseums ist eingeweiht worden. Der feierliche Akt fand in dem Hallenabschnitt statt, in dem künftig Kutschen, Trauerwagen und Ähnliches stehen werden.

Das Zentralmagazin besteht aus dem Anbau und dem vor einigen Jahren in Betrieb genommenen Bestandsgebäude. Auf rund 5500 Quadratmetern sollen alle Objekte der Museumssammlung zusammengeführt werden. "Ich hoffe, dass wir in drei Jahren durch sind", informiert Yvonne Adam vom Sammlungsteam. Perspektivisch sollen auch Führungen für Besucher möglich sein, doch wann es so weit ist, könne sie noch nicht sagen. Eine Herausforderung, vor der Adam und die Kollegen stehen, ist die, dass noch nicht alle Objekte des Hessenparks erfasst wurden. "Bis 2006 gab's kein Sammlungskonzept", meint Carsten Sobik vom Sammlungsteam. 50 Prozent der 200 000 Museumsobjekte seien bisher inventarisiert.

Eingelagert werden Möbel, Haushaltsgegenstände, Spielzeug, Lampen, Bilder, Gusseisen, Textilbestand, Kutschen und Wagen. Das Außenlager in Neu-Anspach wurde bereits aufgelöst. 2022 soll das Außenlager in Lippstadt folgen. Auch die ehemalige volkskundliche Sammlung der Feste Otzberg im Odenwald zieht in den Hessenpark.

6,3 Millionen investiert

Scheller und sein Team mussten immer wieder mit Rückschlägen fertig werden. Diese hätten vom Versuch, das Magazin in kostensparender Systembauweise zu errichten, bis hin zur einjährigen Bauverzögerung gereicht, so Scheller. Letztere wurde durch die Vermutung ausgelöst, dass es auf dem Grundstück Zauneidechsen geben könnte.

Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) ist Eigentümer der Gebäude im Hessenpark und somit auch des Zentralmagazins, so Scheller bei der symbolischen Schlüsselübergabe durch den LBIH-Direktor Thomas Platte und Finanzstaatssekretär Dr. Martin Worms, Aufsichtsratsvorsitzender der Hessenpark GmbH.

Das Land Hessen hat rund 6,3 Millionen Euro in die Zukunft des Hessenparks investiert, sagt Staatssekretär Worms. Dadurch ergebe sich zugleich eine substanzielle finanzielle Entlastung der Gesellschaft durch den Wegfall der Lagerkosten der Außenstellen. "Ich bin mir sicher, dass es sich wirtschaftlich rechnen wird", so Worms. Er hoffe, dass der Hessenpark bei den Besucherzahlen wieder da hinkomme, "wo wir 2019 waren".

Weder Nagetiere noch Insekten dürfen in den Neubau eindringen. Daher haben Objekte, die schon ins neue Magazin umgezogen sind, einmal die museumseigene Stickstoffkammer durchlaufen, berichtet Sobik. Die Papierfischchen sind dabei die größten Feinde des Sammlungsteams. Denn sie fressen Papier, Tapetenkleister, aber auch Fotos. Doch so weit, dass diese Insekten das neue Magazin einnehmen, soll es nicht kommen, sagt Sobik und zieht eine Falle unter einem der Palettenregale hervor. Eine runde Papprolle, die mit Fischfutter präpariert wurde, welches die Insekten gerne fressen - bisher ist die Falle aber leer.

Neueste technische Standards

Auf jeder Etage des zweistöckigen Zentralmagazins gibt es jeweils sieben Räume, die nach Funktionen aufgeteilt sind und die zugleich auch die sogenannten und durch Türen getrennten Brandabschnitte bilden, so Adam. Diese heißen so, weil sie im Falle eines Feuers sofort geschlossen werden können.

Eingerichtet ist der Anbau nach den neuesten technischen Standards mit Fachbodenregalen, Palettenregalen, Gemäldezugregalanlage und Rollregalanlage. Für jedes Objekt gibt es das passende Regal, zum Beispiel für die Trachtenpuppen. Sie stehen in dem Raum mit den Fachbödenregalen für kleinere Objekte. Außerdem gibt es ein Zugregallager, das speziell für Uhren und Objekte, die man eigentlich aufhängt, geeignet ist, wie Sobik sagt.

Die Objekte haben zum Teil ganz unterschiedliche Anforderungen an die Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit. Die Lüftungsanlage des neuen Magazins schalten Adam und die Kollegen bei Bedarf an und aus. Das Ziel ist es, dass die Raumtemperatur bei um die 15 Grad liegt. "Temperierungsleitungen an der Außenwand halten die Temperatur konstant", so Adam. Wenn es mehrere Tage über 30 Grad sei, stiegen die Temperaturen im Inneren nur langsam. Gleiches gelte für kalte Tage, dann würden sie nur langsam sinken.

Sammeln und Bewahren

"Das Sammeln und Bewahren von alltagskulturellen Gegenständen bildet das Fundament unserer musealen Arbeit", sagt Jens Scheller, Geschäftsführer des Hessenparks in Neu-Anspach, bei der Einweihung des neuen Zentralmagazins auf dem Bauhofgelände des Freilichtmuseums. "Das neue Zentralmagazin ermöglicht uns, unserer Verantwortung für viele 1000 Sammlungsobjekte umfassend gerecht zu werden. Auch die wissenschaftliche Arbeit mit den Objekten und der Leihverkehr mit anderen Museen wird so erleichtert."

Der Hessenpark ist das "Sachkulturarchiv" des Landes Hessen, erläutert Carsten Sobik vom Sammlungsteam beim Rundgang durch das neue Zentralmagazin. In der Corona-Zeit wurden nicht nur Kleiderschränke ausgemistet, sondern auch Dachböden ausgeräumt - "alle zwei Tage wurde uns eine neue Nähmaschine angeboten", erinnert sich Sobik. Der Hessenpark veröffentlichte einen Sammlungs-Stopp, als es zu viel wurde. 75 Nähmaschinen von ehemals 110 Stück gehören heute zur Sammlung, doch wofür werden diese gebraucht? Ins Magazin des Museums seien Nähmaschinen aufgenommen worden, die von Menschen in Hessen genutzt wurden, erläutert Sobik - egal, wo diese produziert wurden. Denn sie dokumentierten die Entwicklung der Sachkultur.

Auch die genaue Herkunft von alten Objekten werde erforscht. Zum Beispiel sei ein Doktorand der Frage nachgegangen, ob die fränkische Flösertruhe tatsächlich aus Franken kommt. Er habe schließlich herausgefunden, dass diese ihren Ursprung in Thüringen hatte. "Sie ist ein Beispiel für den Wandel der Wohnkultur", erklärt Sobik. Von Nina Fachinger

Symbolische Schlüsselübergabe im neuen Zentralmagazin: Finanzstaatssekretär Dr. Martin Worms (von links), Museumsleiter Jens Scheller und LBIH-Direktor Thomas Platte.
Yvonne Adam gehört zum Sammlungsteam des Hessenparks, das für den Umzug der 200 000 Museumsobjekte ins neue Zentralmagazin zuständig ist. Dort gibt es auch den Schrank "Noch zu bearbeiten".

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