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„Es soll lebendig werden“

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Von: Anja Petter

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Die Wände sind gestrichen, der Kamin flackert: Roza Bering freut sich auf die Eröffnung der Tagespflege am 2. Januar.
Die Wände sind gestrichen, der Kamin flackert: Roza Bering freut sich auf die Eröffnung der Tagespflege am 2. Januar. © pet

Roza Bering eröffnet im ehemaligen Modehaus von Hello Becker eine Tagespflege. Dort wird es Platz für 18 Gäste geben.

Der große Tisch ist schön eingedeckt, im Kamin flackert ein Feuer, Relax-Sessel laden dazu ein, es sich gemütlich zu machen. „Herzlich“ steht an der Wand, das „willkommen“ fehlt noch, und große Plastikplanen, die den Haupt- von den Nebenräumen abtrennen, verraten, dass es hier, an durchaus exponierter Stelle im Ortskern von Anspach, im ehemaligen traditionsreichen Modehaus von Hello Becker in der Breitestraße 12, noch einiges zu tun gibt, bis Roza Bering am 2. Januar ihre Tagespflege eröffnen kann.

Bering stammt aus Mazedonien. Sie lebt seit 1992 in Deutschland und seit sechseinhalb Jahren in Neu-Anspach. Sie ist ausgebildete Krankenschwester und hat zunächst neun Jahre in einem Pflegeheim in Kronberg gearbeitet, bevor sie drei Jahre Betriebswirtschaft im Gesundheitswesen studiert hat. In dieser Zeit war sie freiberuflich in verschiedenen Einrichtungen - Krankenhäusern, Reha-Zentren, Altenpflegeheimen - tätig. „Ich wollte mir einen Überblick über das Gesundheitswesen in Deutschland verschaffen.“

Heimleiterin im Seniorenzentrum

Seit 2007 ist sie Heimleiterin im Awo-Seniorenzentrum in Heusenstamm und hat dort vor drei Jahren die Tagespflege aufgebaut. Sie weiß, dass Angehörige, die einen Partner oder ein Elternteil pflegen, oftmals erschöpft sind. Entlastend sei es dann, an einem oder mehreren Tagen in der Woche wieder Kraft tanken zu können - und den pflegebedürftigen Menschen in guten Händen zu wissen. „Es ist eine gute Alternative zu einem Heim“, findet Bering.

„Der Bedarf ist da“, ist sie überzeugt, und das findet auch Hello Becker, der seine Mutter bis zu ihrem Tod gepflegt hat. „Eine Tagespflege gab es damals nicht, und eine Pflege Tag und Nacht bringt einen schnell an seine Grenzen.“

Der Anspacher ist froh, eine Mieterin gefunden zu haben. „Eine Tagespflege ist zukunftsorientiert und systemrelevant“, findet er und bezeichnet Bering als „Vollprofi“. Diese wiederum war sofort begeistert von den Räumen, in denen bis Juni vergangenen Jahres Mode verkauft wurde.

Becker unterstützt den Umbau der ehemaligen Verkaufsräume und übernimmt die Neugestaltung des Eingangsbereichs sowie den Einbau neuer Fenster und einer Behinderten-Toilette und eines Behinderten-Bades. „Das Gesundheitsamt hat klare Ansagen gemacht“, berichtet er. Dazu gehört auch ein behindertengerechter Eingangsbereich. Dieser - ausgestattet mit Garderobe und Schließfächern für Wertsachen - befindet sich an der Gebäudeseite, vom Festplatz kommend. Per Plattformlift werden die pflegebedürftigen Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ins Obergeschoss befördert.

Dort werden auf 400 Quadratmetern ein Wohnbereich mit Couch-Garnitur, Massage-Sessel und Wasserdampf-Kamin, eine offene Küche, ein großer Esstisch, ein Therapiebereich mit Sportgeräten und ein Ruheraum mit Relax-Sesseln und einem Bett für die einstündige Mittagspause, ein Personal- und Beratungsraum sowie eine Beauty- und Kosmetik-Ecke eingerichtet. Im Sommer wird außerdem ein Gartenplatz mit Hochbeeten eingerichtet.

In der Tagespflege ist Platz für 18 Gäste, wie Bering sie nennt. Diese werden von 8 bis 16 Uhr betreut, erhalten Frühstück, Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen am Nachmittag. Alles wird selbst gekocht beziehungsweise gebacken - und das am besten gemeinsam, denn Bering sieht in der Tagespflege nicht nur eine Betreuung, sondern auch ein Miteinander von Pflegekräften und Gästen. „Wir sind mit Herzblut dabei“, sagt sie und betont, wie wichtig es auch für Demenzkranke und körperlich beeinträchtigte Menschen ist, mal wieder andere Leute zu treffen und einen Tag in Gesellschaft zu verbringen.

Spaziergänge, Vorlesestunden und vielleicht auch der ein oder andere Besuch von Vereinen und Kindergärten sollen zudem für Abwechslung sorgen. „Es soll hier lebendig zugehen“, sagt die 49-Jährige und kündigt für die Vormittage ein Sportprogramm mit Übungen zur Sturzprophylaxe und zur Stärkung der Muskulatur an, denn auch dies kann Angehörige bei der Pflege entlasten. An den Nachmittagen soll das Gedächtnis mit Ratespielen trainiert werden. Mitmachen ist aber kein Muss, wer möchte, kann auch andere Interessen verfolgen oder sich einfach mit den anderen Gästen austauschen.

Pflegegeld wird nicht gekürzt

„Ich freue mich sehr auf die Veränderung und die Selbstständigkeit“, sagt die Betriebswirtin. Erste Anfragen haben sie schon erreicht, drei Mitarbeiterinnen - eine Krankenschwester, eine Ergotherapeutin und eine Betreuungskraft - hat sie bereits eingestellt. Diese sorgen für die Behandlungspflege und natürlich auch für die Gabe von Medikamenten.

Gerade ist Bering dabei, die Preise für die Betreuung mit der Pflegekasse festzulegen. Sie erklärt, dass Angehörige die Kosten für die Tagespflege extra mit den Kassen abrechnen und das Pflegegeld nicht gekürzt wird. Dafür steht ein monatliches Budget, das sich nach dem Pflegegrad richtet, sowie zusätzlich ein Entlastungsbeitrag zur Verfügung. Ebenfalls im Pflegesatz mit enthalten ist der Transport zur Tagespflege.

Wer sich darüber informieren oder einen Angehörigen anmelden möchte, kann Bering unter (01 78) 8 08 98 83 anrufen oder ihr unter tagespflege@neuanspach.de eine Mail schicken. Im November ist sie außerdem immer samstags von 11 bis 16 Uhr vor Ort, ab Dezember täglich von 10 bis 16 Uhr. Wer keine Möglichkeit hat, selbst vorbeizuschauen: Auch Hausbesuche sind möglich. Weitere Informationen gibt es außerdem unter www.tagespflege-neu-anspach.de. VON ANJA PETTER

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