Vorsitzende Gertrud Krause, Kassiererin Ursula Hartmann und Schriftführerin Dorle Rohde (von rechts) bleibt jetzt nur noch die Auflösung der Frauenhilfe Anspach übrig.
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Vorsitzende Gertrud Krause, Kassiererin Ursula Hartmann und Schriftführerin Dorle Rohde (von rechts) bleibt jetzt nur noch die Auflösung der Frauenhilfe Anspach übrig.

Vereinsauflösung nach 112 Jahren

Evangelische Frauenhilfe Anspach gibt es nicht mehr

  • VonEvelyn Kreutz
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Mitglieder sehen ihre Aufgaben verloren

16 Frauen haben sich für die Auflösung der "Evangelischen Frauenhilfe Anspach" ausgesprochen. Bereits am 14. Juli hatte die vermeintlich letzte Mitgliederversammlung das Ende des Vereins beschlossen. "Weil das Wort Vereinsauflösung so aber nicht in der Einladung stand, sondern nur die Aussprache über die Zukunft und das weitere Bestehen des Vereins Bestandteil der Tagesordnung war, hat das Amtsgericht unseren Beschluss nicht anerkannt", teilte Vorsitzende Gertrud Krause mit.

Sie musste daher eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, um zum zweiten Mal abzustimmen. Ein allerletztes Mal saßen die Frauen nun vor einer Woche im evangelischen Gemeindehaus beisammen. Weil sie nicht singen durften, las Krause die erste Strophe des Adventsliedes "Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern" vor. Der letzte Tag des Vereins rückt auch immer näher. Nach 112 Jahren ist nun endgültig am 31. Dezember Schluss.

"Gottseidank habe ich die Kündigungsfrist bei der Frauenhilfe ,Evangelische Frauen in Hessen und Nassau' mit Sitz in Darmstadt eingehalten", so Krause. Sie hofft, dass die Kirchengemeinde weiterhin Mitglied in der Landesfrauenhilfe bleibt. Es sei wichtig, dass auch weiterhin in Anspach die Stimme evangelischer Frauen in Kirche und Gesellschaft vertreten werde.

Letzte Aufgabe des bisherigen geschäftsführenden Vorstands der Anspacher Frauenhilfe, neben der Vorsitzenden sind das Kassenwartin Ursula Hartmann und Schriftführerin Dorle Rohde, wird es sein, im Auftrag der Versammlung die Liquidation des Vereins abzuwickeln. Viel Kapital hat der Verein nicht mehr. Denn Vereinszweck war die finanzielle Unterstützung diakonischer Arbeit.

Jahrzehntelang hat die Evangelische Frauenhilfe in Anspach Spenden gesammelt für die ambulante Sozial- und Krankenstation, später deren Nachfolgerin, die in Neu-Anspach angesiedelte Diakoniestation Taunus, die im gesamten Usinger Land tätig ist. Zuletzt hat der Verein jährlich 6000 Euro an die Diakoniestation überwiesen. Die Rücklagen sind laut Hartmann geschrumpft auf etwas über 500 Euro. Was abzüglich der Gebühren für die Auflösung übrig bleibt, geht laut Satzung an die Diakoniestation.

Wäre es nach den Frauen gegangen, hätte das Restvermögen eine andere wohltätige Einrichtung erhalten. Der Grund ist die allgemeine Enttäuschung über das Verhalten der Leitung der Diakoniestation. Obwohl zum offiziellen Abschiedsgottesdienst eingeladen, sei niemand in die Kirche gekommen. "Nicht einmal einen Dankesbrief haben sie uns geschickt, obwohl die Diakoniestation seit 1989 von uns fast 200 000 Euro erhalten hat", stellte Hartmann fest.

Heidi Tenzer, die 41 Jahre lang bei der Diakoniestation beschäftigt war, und Maria Siats, die 24 Jahre lang im Dienst war, berichteten, dass jüngere Mitarbeiter gar nicht wüssten, was die Frauenhilfe ist und macht. Mitglied Heidelore Wehner meinte: "Das diakonische Plus, Zeit zum Zuhören und Reden, geht mit den langjährigen Mitarbeitern verloren, die Leistungen unterscheiden sich nicht mehr von anderen ambulanten Pflegediensten." Das empfand auch die Ehefrau eines inzwischen Verstorbenen. Sie sei von der Diakoniestation nur aufgefordert worden, bestimmte Dinge abzugeben. Das Palliativteam, das ihren Mann ebenfalls zu Hause betreut habe, habe ihr noch einen persönlichen Brief geschrieben. "Die neue Leitung der Diakoniestation hat mit der Kirche nichts mehr zu tun", bedauerten die Vorstandsmitglieder, die deshalb entschieden hatten, die Kollekte des Abschieds-Gottesdienstes der Palliativgruppe zu spenden. von Evelyn Kreutz

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