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Familie Höhle hat sich vergrößert

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Ursula und Christian Höhle (von links) haben Katja und ihre kleine Tochter Milana sowie den 13-jährigen Daniil aus Kiew bei sich aufgenommen. Der Junge war beim Fototermin in der Schule. © Christina Jung

Neu-Anspach. Die drei Kinder sind aus dem Haus, und so ist viel Platz im Eigenheim von Ursula und Christian Höhle. Das Neu-Anspacher Ehepaar hat deshalb vor einigen Wochen eine dreiköpfige Familie aus Kiew in der Ukraine aufgenommen: Katja, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will, mit ihrem 13 Jahre alten Sohn Daniil und der drei Monate alten Tochter Milana.

»Die Wohnung kann zwar nicht durch eine Tür abgeschlossen werden, aber sie haben zwei Zimmer, Küche und Bad«, erklärt Ursula Höhle und berichtet, dass extra eine Küche eingebaut wurde. Das Rentnerehepaar war über einen Zeitungsartikel auf die Notlage der Flüchtlinge in der Kleeblattstadt aufmerksam geworden und wollte gerne helfen.

Waffeln zum Geburtstag

Gerade hat Katja ihren 35. Geburtstag in ihrem neuen Heim gefeiert, Ursula Höhle hatte eigens Kuchen und Waffeln gebacken. Denn wenngleich auch Katjas zwei Schwestern mit ihren Familien nach Polen geflüchtet sind »und dort auch bleiben werden«, so Katja, kamen Tanten und eine Cousine mit Kindern ebenfalls nach Neu-Anspach. Zum Feiern trafen sich dann immerhin zehn Personen bei den Höhles.

Katjas Eltern und ihr Partner sind in Kiew geblieben. Der Vater ihrer kleinen Tochter muss, für den Fall, dass sie angegriffen werden, die Stadt verteidigen. Ihre Eltern fühlten sich, so hat es Ursula Höhle verstanden, zu alt um zu fliehen. Dafür hat sie vollstes Verständnis. Denn einen alten Baum verpflanzt man nicht. Sie selbst kann es sich auch nur schwer vorstellen, von jetzt auf gleich die Heimat und alles, was damit in Kontakt steht, aufzugeben.

Katja selbst stand mit dem zwei Monate alten Baby mehrere Stunden an, um Zugang zu einem Zug zu bekommen. Was sie genau auf der Flucht mit ihrem Säugling und dem Teenager-Sohn erlebt hat, ist nicht ganz klar. Klar dagegen ist, dass das Ehepaar Höhle sein Bestes gibt, um das Trio gut zu versorgen. Gerne schäkert die vierfache Großmutter mit dem Baby und mithilfe einer Handy-App wird auch einiges vom Russischen ins Deutsche übersetzt. »Die App macht allerdings manchmal verrückte Dinge«, stellt Ursula Höhle seufzend fest, »da weiß man nicht so genau, ob das stimmt.« Ein paar Brocken Englisch und inzwischen auch schon mal etwas Deutsch helfen zusätzlich. Katja hatte in der Ukraine einen kleinen Laden, in dem sie unter anderem russische Instrumente verkaufte. Den Kriegsausbruch im Februar sieht sie leidenschaftslos. »Die Ukraine ist seit acht Jahren im Krieg mit Russland«, erklärt sie per App.

Hoffnung auf eine Rückkehr

Die Bedrohung sei jetzt halt noch einmal stärker geworden. Luftangriffe, so ihre Aussage, bedrohten alle Häuser, Wohnungen und Gebäude. Dennoch hofft sie, bald wieder nach Hause zurückkehren zu können.

Sohn Daniil besucht seit dem 2. Mai die Adolf-Reichwein-Schule und ist in einer Klasse, in der zunächst einmal Deutsch vermittelt wird. Hier sind nicht nur Ukrainer, sondern auch Syrer, Afghanen und andere Nationalitäten vertreten. Außerdem hat er zweimal in der Woche Fußballtraining bei der SGA. »Er ist sehr verschlossen und redet nur in seiner Muttersprache«, hat Christian Höhle festgestellt. Ob es Scham oder die Furcht ist, möglicherweise ein deutsches Wort falsch auszusprechen, so genau können es die Höhles nicht einschätzen.

Großer Zeitaufwand für Behördengänge

Als die drei Ukrainer bei Familie Höhle Quartier bezogen, mussten natürlich auch einige Behördengänge erledigt werden. So ging es zur Stadtverwaltung, um die drei polizeilich zu melden. Bei der Kreisverwaltung ging es darum, sie als Flüchtlinge registrieren zu lassen. »Da musst du viel Zeit mitbringen«, berichtet Christian Höhle. In der Stadtverwaltung arbeitet zum Glück eine Ukrainerin, die gerne als Dolmetscherin agiert. Jetzt müssen noch Anträge für den Erhalt von Sozialhilfe gestellt werden.

Für das Ehepaar war es eine Umstellung, die nicht immer so einfach zu bewerkstelligen war. Aber auch Katja und ihre Familie mussten und müssen sich den neuen Lebensverhältnissen anpassen. »Du kannst niemandem hinter die Stirn gucken«, sagt Ursula Höhle und hofft, dass sich das Zusammenleben mit mehr gemeinsamer Zeit vereinfachen wird. Ihr Mann, der im Sozialverband VdK ehrenamtlich aktiv ist, vertraut ebenfalls darauf. Man wisse um die Problematik, die durch die Sprachbarriere nicht leichter werde.

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