Hier soll der Westerfelder Pflanzgarten entstehen: Dr. Dr. Dieter Selzer (von links), Karl-Matthias Groß, Christoph Waehlert und Praktikant Marlon Hemmerle schauen sich das Gelände an.
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Hier soll der Westerfelder Pflanzgarten entstehen: Dr. Dr. Dieter Selzer (von links), Karl-Matthias Groß, Christoph Waehlert und Praktikant Marlon Hemmerle schauen sich das Gelände an.

Usinger Land

Förster richten Pflanzgärten in Westerfeld und Usingen ein

  • Anja Petter
    vonAnja Petter
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Veränderungen im Wald erfordern Umdenken

Neu-Anspach/Usingen -Unterhalb des Sportgeländes in Westerfeld, im Quellbereich des Schlichenbachs, befindet sich eine etwa 1000 Quadratmeter große Kahlfläche. Hier standen einst kräftige Fichten, doch die hat der Borkenkäfer längst vernichtet. Solch große Lücken im einst stolzen Wald sind furchtbar, aber diese Lichtung ist gleichzeitig ein Lichtblick, denn hier soll etwas Neues entstehen: Ein forstlicher Pflanzgarten, in der Fachsprache Kamp genannt. Der erste im ganzen Hochtaunuskreis - oder vielmehr einer von zwei, denn auch in der Nachbarstadt gibt es bereits konkrete Pläne. Hier ist eine ebenfalls 1000 Quadratmeter große Fläche zwischen Usingen und Pfaffenwiesbach vorgesehen.

Früher hatte jedes Dorf einen Pflanzgarten, in dem Saatgut produziert und eigenes Pflanzmaterial gezüchtet wurde. Damals arbeiteten hier die Frauen der Bauern. Heute allerdings gibt es im ganzen Hochtaunuskreis keine Kommune, die diese im 18. Jahrhundert entstandene und bis in die 70er Jahre bestehende Tradition noch pflegt. Städte und Gemeinden sind längst dazu übergegangen, sich bei Baumschulen mit Material zu versorgen - und so Personalkosten zu sparen.

Selzer gibt Anregungen

Doch die Veränderungen im Forst, die schwierigen Klimabedingungen und die zunehmende Trockenheit erfordern ein Umdenken, weiß Dr. Dr. Dieter Selzer. Und: "Die Menschen früher waren auch nicht ganz dumm." Der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis möchte neue Wege gehen, sich dabei aber auch alter Traditionen bedienen. "Mit einer Maßnahme sind die Probleme allerdings nicht zu lösen", sagt er. Aber vielleicht mit mehreren, und so ist der Pflanzgarten für Selzer eines von mehreren "Puzzleteilen", um den Herausforderungen zu begegnen. Er spricht von einer "gemeinsamen Idee" und von einer finanziellen, aber vor allem auch ideellen Unterstützung der beiden Kommunen durch den Kreis. "Ich gebe Anregungen und Impulse."

Exoten ausprobieren

Bei einem Ortstermin auf dem Westerfelder Gelände sind auch der Neu-Anspacher Revierleiter Christoph Waehlert und sein Usinger Kollege Karl-Matthias Groß mit dabei. Die beiden Förster haben die Katastrophe, die der Borkenkäfer in ihren Revieren hinterlässt, tagtäglich vor Augen. Sie werden in den Pflanzgärten nun ausprobieren, welche Bäume mit den geänderten klimatischen Bedingungen klarkommen und dabei durchaus auch einmal Exoten, die es bislang in der Region nicht gibt, testen. Dazu gehören beispielsweise Elsbeeren, Weißtannen und Douglasien.

Hier soll aber auch heimisches Pflanzmaterial bis zur Jungpflanze herangezogen werden und sich dann an anderer Stelle weiter entwickeln. Waehlert hat bereits einen schönen alten Eichenbestand im Sinn. Hier sollen die Früchte im Herbst eingesammelt und dann von Hand ausgesät werden.

Es gibt aber noch einen anderen Grund für die Anlage der Pflanzgärten: Wegen der verheerenden Lage im deutschen Forst wird das Material in den Baumschulen langsam knapp. Kann die Kommune, die in Zukunft auf einen Mischwald setzen will, eigene Bäumchen heranziehen, wird sie flexibler.

Groß berichtet, dass seit zwei Jahren wegen der Borkenkäfer-Plage kein Baum mehr regulär gefällt wurde, und er rechnet auch nicht damit, dass sich die Lage in den nächsten 15 bis 20 Jahren bessern wird. "Wir müssen deshalb kontinuierlich pflanzen", erläutert er die Situation. Genauso wie Waehlert betritt er hier Neuland, denn Lehrbücher zu dem Thema gibt es so gut wie nicht.

Die Revierleiter möchten die Bürger an der Arbeit beteiligen. Erwachsene, aber auch Schüler sollen in den Gärten jäten und aussäen und so einen Bezug zum Wald bekommen. Im Herbst sollen die Arbeiten beginnen, und bis dahin wird Waehlert, der die Westerfelder Fläche bereits gemulcht und anschließend Gelbsenf aufgebracht hat, auch noch Flusssand verstreuen. Das eine dient der Aktivierung der Bodengase und damit dem Wachstum der Bäume, das andere der Lockerung des Erdreichs. Anschließend soll die Fläche umgefräst und - als Schutz vor dem Wild - eingezäunt werden. Außerdem hat der Förster eine Probe entnommen und diese dem Amt für Ländlichen Raum zukommen lassen. Er möchte wissen, welche Nährstoffe dem Boden fehlen.

Die Beete werden 70 Zentimeter breit angelegt, dazwischen kommen Schalbretter, damit die Helfer dort unkompliziert unterwegs sein können. Für Waehlert ist der Kamp übrigens das schönste Projekt derzeit. Er wird deshalb nicht nur während seiner Arbeitszeit hier sein: "Ich werde sicher auch einige Samstage hier verbringen." Anja Petter

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