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Nicht nur entlang der Gefache laufen die Linien aus Licht, auch dazwischen entstehen am Stall aus Fronhausen Formen aus Licht.

Neu-Anspach

Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach verwandelt sich in Lichtermeer

Glashüttener Mediendesigner setzt die historischen Gebäude in Szene und zeigt die Fotos in den sozialen Medien auf seinen Flashlines-Seiten.

Neu-Anspach -Unter perfekten Bedingungen hat der Lichtkünstler Pascal Kulcsar den Hessenpark in Neu-Anspach in einen spektakulären Anblick verwandelt. "Kein Event, keine Zuschauer, nur wir und buntes Licht. Diese Projektion ist Teil einer Serie von Projektionen, die wir dank eines Corona-Hilfsprogramms für Künstler vornehmen können", schreibt Kulcsar auf der Instagram-Seite "flashlines_light_art". Dort sowie auf der Facebook-Seite "Flashlines.projection.mapping" hat der Designer aus Glashütten alle Fotos und Videos der angestrahlten Gebäude aus dem Freilichtmuseum veröffentlicht.

Auf einem Video ist zu sehen, wie rotes, gelbes, orangefarbenes, grünes und blaues Licht über die Gefache der Werkstatt aus Münchhausen hüpft. In einem anderen Video ist zunächst nur der Beamer zu sehen, der Zuschauer folgt dann dem Lichtstrahl bis zur weit entfernten Kirche aus Ederbringhausen, die in bunten Farben leuchtet. "Auf dem iPad zeichnen wir die Farben direkt ein." Der Reiz liege im Nachzeichnen für Linien und andere Formen. Dafür wurde eine eigene Software für Tablets entwickelt, die die Lichtkünstler nutzen.

Viele Sicht- und Blickachsen

Stockdunkel und ganz allein waren Pascal, Ehefrau Daniela Kulcsar (auch Mediendesignerin) sowie ihre beiden Kleinkinder am Freitag für rund sechs Stunden im Hessenpark. Je dunkler, desto besser, gilt bei der Lichtkunst. Neben der Kirche und der Werkstatt wurden auch die Windmühle aus Borsfleth, der Stall aus Fronhausen und das Haus Heck aus Friedensdorf in unverwechselbares Licht getaucht.

Es war die erste von vier Projektionen, die Pascal Kulcsar in der Region mit Hilfe eines Arbeitsstipendiums des Landes Hessen erarbeiten wird (Corona-Kulturpaket zur Unterstützung der Existenzsicherung und Vorbereitung neuer Projekte). Bekannte Orte sollen dadurch über die sozialen und herkömmlichen Medien zugänglich gemacht werden, ohne dass man sie zurzeit besuchen kann. Welches die weiteren Projekte werden, wird Kulcsar auch in den sozialen Medien bekanntgeben. Fest steht, dass noch vor Weihnachten einiges stattfinden soll.

"Ich bin hier aufgewachsen und liebe den Hessenpark", begründet Kulcsar die Auswahl des ersten Ortes. Dass der Hessenpark eine perfekte Lichtkunst-Kulisse ist, darüber wurde bei den Kulcsars auch bei einem Besuch kurz vor dem Lockdown Anfang November gesprochen.

"Aber es war eine spontane Idee." Denn der Hessenpark sei so wunderbar in Sicht- und Blickachsen gedacht gebaut worden, dass er wirklich überaus viele schöne Installationsflächen biete. Und dann sei es noch dieser starke Kontrast zwischen traditioneller Handwerkskunst wie geschnitzten Balken versus moderner per App gesteuerter Lichtprojektion, die zusammen ein starkes Bild ergeben würden, schildert Pascal Kulcsar.

Wichtige Hilfe für Künstler

Dadurch, dass nicht viel Umgebungslicht überstrahlt werden musste, war nur ein vergleichsweise kleiner Aufbau und Projektor nötig. Gespeist wurde der Beamer mit 1,5 Kilowattstunden Strom. Die dafür nötige Lithiumbatterie (die 2,5 Kilowatt Strom speichern kann) ist in den Wohnwagen der Kulcars verbaut.

Die Lichtkünstler haben bereits an verschiedenen Lichtfestivals teilgenommen und Fassadenprojektionen oder Lichtskulpturen umgesetzt. Das Projekt "Flashlines", interaktive Live-Projektionen, gibt es schon seit rund zwölf Jahren. Vor Corona waren die Kulcsars damit auf Stadtfesten und anderen Veranstaltungen, auf denen die Besucher dann mit Licht zeichnen und Farben von Projektionen ändern konnten.

Doch dann wurde alles abgesagt, eines der beruflichen Standbeine sei dadurch weggebrochen - "ich bin für das Stipendium sehr dankbar". Er glaube, dass damit vielen Künstlern geholfen wurde. Und dennoch hofft der Lichtkünstler, "dass wir in diesem Jahr noch etwas anbieten können, wo auch Leute zuschauen können", sagt Kulcsar. VON nINA fACHINGER

Ein Augenschmaus ist die Windmühle aus Borsfleth im Hessenpark, die der Lichtkünstler Pascal Kulcsar in ein Motiv aus einer Fantasiewelt verwandelt.
Haus Heck aus Friedensdorf im Hessenpark in Neu-Anspach.
Gottesdienste finden in der Kirche aus Ederbringhausen im Hessenpark zwar nicht statt, doch würde dieser Anblick sicher die Besucher in Scharen anziehen.

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