Vergewaltigungsprozess

Freundin fühlte sich wie "Sex-Sklavin"

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Einen eigenen Willen durfte sie offenbar nicht haben, ihr Ex-Freund nahm sich, was er wollte, sodass sie sich als seine Sex-Sklavin fühlte – erschütternde Zeugenaussagen im Vergewaltigungsprozess gegen einen 31-jährigen Neu-Anspacher.

Im Vergewaltigungsprozess gegen einen 31-jährigen Neu-Anspacher wurden gestern am dritten Verhandlungstag weitere Details bekannt, die die Anklage insofern stützen, als sie die Aussage der 32-jährigen Geschädigten weitestgehend bestätigten. So berichtete die Frankfurter Amtsrichterin, die die Frau gemeinsam mit einer Staatsanwältin zu der angeklagten Vergewaltigung befragt hat, dass es dazu mehrerer Anläufe bedurft habe. Dem Anwalt der Frau war eine mit ihrem Namen unterzeichnete E-Mail zugegangen, wonach sie sich mit dem Angeklagten verlobt habe und von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch mache. Der Termin bei der Richterin platzte daraufhin, musste verschoben werden. Später erklärte die Frau, dass sie die Mail nicht verfasst, der Angeklagte aber Zugriff auf ihren Account habe.

Die Richterin sagte, die Frau habe ihre Aussage ruhig und ohne größere Belastungstendenz vorgetragen und sogar gesagt, dass ihr Ex-Freund, „der einmal der liebevollste Mensch, dann aber auch wieder ein Monster sein konnte“, Hilfe brauche. Die Aussagen der Frau seien häufig eher allgemein als emotional gewesen. Bei der Fülle von Vorwürfen sei das aber auch nicht verwunderlich. Viele Frauen, die ein ähnliches Martyrium erlebt haben, äußerten sich in dieser Weise.

Ganz ähnlich waren auch die Wahrnehmungen der Kriminalbeamtin, die die Geschädigte seinerzeit zu den Vorfällen vernommen hat. Die Polizistin bestätigte vieles von dem, was von der Geschädigten bereits am letzten Prozesstag berichtet wurde. So habe sie ausweislich der Vernehmung unter der extremen und engmaschigen Kontrolle des Mannes gestanden, der ihr Kontakte zu anderen Menschen, insbesondere Männern ebenso verboten haben soll, wie er sie mit Drohungen davon abgehalten habe, ihr bereits kurz vor dem Abschluss stehendes Studium zu beenden.

Die Geschädigte, so die Zeugin, habe in ständiger Angst gelebt, einen eigenen Willen habe sie nicht haben dürfen. Was die sexuellen Bedürfnisse des Angeklagten anbelangt, so habe er sich laut Aussage der Frau in der polizeilichen Vernehmung „immer genommen, was er wollte“. Die Frau, so die Beamtin, habe ihr berichtet, dass sie sich regelrecht als „Sex-Sklavin“ gefühlt habe. Allerdings habe sie auch die Ambivalenz der Frau gespürt, die es offenbar nicht geschafft habe, die Beziehung zu beenden, weil sie ihn vermutlich doch liebte. Deshalb habe sie wohl vieles über sich ergehen lassen, auch ungewollten Sex, sagte die Beamtin. Ambivalent soll auch das Verhalten des Mannes gewesen sein. Nach der brutalen Vergewaltigung am Tag der Abtreibung soll er vor ihr auf die Knie gefallen sein und sie angefleht haben, ihn nicht zu verlassen.

Besonders drastisch war auch die Aussage der Gynäkologin der Frau. Ihr hatte sich die Geschädigte anvertraut. Für die Ärztin gab es keinerlei Zweifel, dass es sich um eine Vergewaltigung gehandelt haben muss. Unmittelbar nach einem solchen, von Schmerzen, Blutungen und Infektionsgefahr begleiteten Eingriff wolle keine Frau Sex haben, „ganz sicher nicht“, so die Ärztin.

Die 26. Große Strafkammer hat sich bislang nur mit dem ersten Tatkomplex und dem Vorwurf der Vergewaltigung befasst und liegt damit bereits hinter dem Zeitplan, da sich die Vernehmung des Opfers aufwendiger als geplant gestaltet hat. Erst im zweiten Teil des Prozesses wird es um die weiteren Vorwürfe gegen den Mann gehen. Zwischen Dezember 2016 und August 2017 soll er eine Frau aus Oberursel misshandelt haben. Auch geht es um Tierquälerei, wobei der Mann ein Meerschweinchen fast zu Tode gewürgt haben soll, mit dem Ziel, sich die Frau gefügig zu machen.

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