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Wer hinter dem Pflug läuft, hat alle Hände voll zu tun. Die Arbeit mit den Pferden war für Mann und Tier schwer.

Sanfte Pferde-Riesen

Gespannpflüger aus elf Bundesländern messen sich am Hessenpark

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23 Gespannpflüger aus elf Bundesländern pflügten auf Feldern am Hessenpark um den deutschen Meistertitel: Er blieb in Hessen und geht nach Kirchheim, wo Daniel Hoffmann einen Hof noch mit Zugpferden führt.

Kaltblüter haben kein kaltes Blut, aber wer sie so über den Acker stapfen sieht, kann ihnen ansehen, dass sie so manches kalt lässt und nichts so schnell aus der Ruhe bringt: Den Rummel zum Beispiel, der am Samstag und Sonntag um sie herum auf dem Feld am Hessenpark stattfand mit vielen hundert Zuschauern, Autoverkehr auf den nahen Straßen und Flugverkehr vom Obernhainer Flugplatz.

Es sind wahre Kolosse von um eine Tonne Gewicht und trotzdem sind sie um ein vielfaches leichter als moderne Traktoren, die es von 5 bis 10 Tonnen gibt. Außerdem verteilt sich das Gewicht der Pferde nicht auf breite Gummireifen, sondern auf vier handtellergroße Hufe. Trotzdem lassen sie sich von denen, die es beherrschen, zentimetergenau führen.

Moderne Acker-, Feld- und Wiesen Monster aus Stahl lassen sich heutzutage mit Computer und GPS steuern, aber die Meister im Gespannpflügen schaffen dies mit der langen Leine und die haben sie dabei meist um die Schulter oder sogar nur um den Hals gelegt. Die meisten Teilnehmer der Deutschen Meisterschaften traten alleine hinter den Pflug, aber es gab auch ein Frauen-Zweier-Team.

Die Hände brauchen die Allein-Plüger, um den Pflug in der Spur zu halten und genau das ist die große Aufgabe: Beim Leistungspflügen gilt es, eine absolut gleichmäßige Furche zu pflügen und das war äußerst spannend zu beobachten.

Austragungsort waren die Felder des Wehrheimer Biolandwirts Etzel. Paul Erich Etzel ließ sich das Spektakel deshalb nicht entgehen und ihm fielen als Fachmann auch die kleinsten Fehler auf, die einige Teilnehmer nicht vermeiden konnten, aber: „Für mich sind das alles Könner!“, stellte er generell fest und er weiß, dass viel Erfahrung und Übung vonnöten sind, um ganz vorne mit dabei zu sein.

Neben Etzel beobachteten auch die Wertungsrichter die Gespanne auf das Genauste. Ein Kriterium ist die absolut gerade Flucht, die Parallelität der Furchen und der gleichmäßige Umbruch der Scholle. Auf der ganz Länge des Feldes wurde gepflügt und Zuschauer, die es ebenfalls genau beobachten wollten, stellten sich auf die eine Seite des Feldes und schauten dem Gespann entgegen.

Allein der Anblick der Pferde war beeindruckend, die den Pflug hinter sich herzogen. „Die Pferde müssen ruhig sein, deshalb darf auch der Gespannführer nicht nervös oder aufgeregt sein, das überträgt sich auf die Pferde“, so Etzel, denn die Kunst des Gespannpflügens bestehe im Einklang von Mensch und Tier. Bei einem der Gespanne habe er die Unruhe bemerkt und das war tatsächlich an der Furche ablesbar. Hatte ein Gespann seine Prüfung hinter sich, schallte herzlicher und anerkennender Applaus über das Feld. Hunderte von Zuschauer verfolgten die Meisterschaften an den beiden Wochenendtagen und sie hatten Gelegenheit, ganz nahe an die coolen Tiere heranzukommen.

Die Deutschen Meisterschaften im Gespannpflügen werden alle zwei Jahre von der Interessengemeinschaft Zugpferde ausgetragen. Das Pflügen mit Pferdegespannen ist nach wie vor eine der sorgfältigsten und schonendsten Methoden, um den Ackerboden zu bearbeiten. Auch heute gibt es noch Landwirte, die ihre Pferde ganz bewusst für die Feldarbeit einsetzen. Grund dafür sind unter anderem der hohe Bodenschutz.

Die Austragungsorte wechseln ab und überall gibt es unterschiedliche Bedingungen, mit denen der Pflüger zurecht kommen muss. Die Böden im Hintertauns sind relativ steinig, was zur Herausforderung für einige Teilnehmer wurde. Auch war er in diesem Jahr besonders trocken, was sich auf die Schollenbildung auswirkte.

Eine Hesse holte sich den Siegerpokal: Daniel Hoffmann aus Kirchheim-Frielingen. Der zweite Platz ging an Thomass Kurfiss aus Baden-Württemberg und Platz drei geht mit Walter Heuer nach Sachsen-Anhalt.

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