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Sobald der Deckel aufging, kamen auch schon die ?Dibbegucker?: Zu sehen gab es gedämpfte Kartoffeln, die mit Quark zu haben waren.

Landwirtschaft

So ging es früher im Taunus bei der Ernte zu

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War die Ernte gut, hatte der Mensch seit jeher Grund zur Freude und zum Feiern. Heute dagegen „erntet“ der Konsument zumeist im Supermarkt. Im Hessenpark wurde nun gezeigt, wie die Ernte früher ablief.

Wetter zum Heumachen gab es am Samstag, gestern war es zwar diesig, aber trocken und warm, und so zogen an beiden Tagen Tausende Besucher zum Erntefest in den Hessenpark. Das Erntefest ist das Großereignis im Oktober und das lassen sich vor allem Familien nicht entgehen.

Und wenn der Papa in der Schule gut aufgepasst hat, dann kann er den Filius vor dem Wasserdampf speienden Ungetüm nach dem Motto „Wat is en Dampfmaschin?“ mal so richtig beeindrucken. Tatsächlich sah man am Zaun, der Zuschauer vom Arbeitsplatz der Dresch-Kolonne trennte, Papas mit ihren Kinder stehen, und viele zeigten erklärend mit dem Finger auf die fahrbare Dampfmaschine, die mit ihrem schweren eisernen Rad über Transmissionsriemen die alte Dreschmaschine antrieb. Hatte die Dampfmaschine genug Druck – die Lager mussten zwischendurch frisch abgeschmiert werden – so klapperte auch die hölzerne Dreschmaschine, die in puncto Mechanik der Dampfmaschine kaum nachstand. Auf Wagen wurde mit alten Schleppern Getreide herangefahren, in den Schlund der Maschine bugsiert und als ausgedroschenes Stroh wieder abgefahren, während sich die Säcke prall mit Körnern füllten.

Die Dreschhalle war zweifellos die Hauptstation beim Ernte-Spektakel im Freilichtmuseum, aber es gab noch viele weitere imposante Schauplätze. Was man mit den ausgedroschenen Halmen machen kann, war beispielsweise in der Hofanlage aus Emstal-Sand zu verfolgen: Strohseile wurden früher daraus hergestellt, was ebenfalls auf historischen Maschinen vorgeführt wurde. Zu Kränzen wurden die Seile anschließend gebunden, und so mancher Besucher trug sie gleich als Kopfschmuck durch den Park.

In der Hofanlage aus Emstal konnten Kinder auch selbst Hand anlegen: Bevor die Dampf- und Dreschmaschinen erfunden waren, mussten die Menschen mit Flegeln das Getreide dreschen. Wie das geht, zeigten die Landmaschinenfreunde aus Niederwalgern den Kindern. Immerhin wurde mit einer Rüttelmaschine anschließend die „Spreu vom Weizen“ getrennt. So konnten auch einige Redensarten gleich mitgelernt werden, und dass „Du Flegel!“ alles andere als ein Lob ist, ist jetzt auch klar.

Hand anlegen oder zuschauen konnten die Kleinen auch beim Keltern von Apfelsaft in der Kelterhalle gleich nebenan, und auch sonst war auf Schritt und Tritt etwas zu sehen. Wer eine Pause brauchte, der hatte viele Möglichkeiten. So ließen sich einige Familien in Grüppchen auf den Wiesen unter Apfelbäumen nieder, packten Picknickbrote aus, und wer nichts zum Essen dabei hatte, der brauchte beileibe keinen Hunger leiden.

Fünf bis sechs Zentner Erdäpfel hatte die Kartoffeldampfkolonne am Nachmittag schon gedämpft. Im Hessenpark waren die Knollen nach dem Prinzip der Dreifelderwirtschaft gesetzt, gewachsen sowie ausgemacht worden, und hier wurden sie auch gedämpft und mit Quark zum direkten Verzehr angeboten. Wo andere Spezialitäten verkauft wurden, stand ebenfalls meist eine Schlange an. Gut besucht war auch die Martinsklause, gleich gegenüber dem Spielplatz, an dem sicher kein Kind vorbei kam.

Überhaupt wurden alle Angebote gut genutzt: Beim Kürbisschnitzen machten viele Kinder mit, die Pferdekutsche war stets besetzt, die Besucher erkundeten die Ausstellungshäuser und Windmühlen und schauten sich auch an den Verkaufsständen mit saisonalen Angeboten um.

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